Review
von Leimbacher-Mario
Bang Boom Gähn
Die Videotheken-Actioner der 90er - das waren noch Zeiten... „Judge Man“ aka „The Sweeper“ ist ein Premiumbeispiel dieser im Sterben liegenden bis ausgestorbenen Gattung, bei dem die Actionszenen schön bocken, der Rest aber nicht der Rede wert und ganz ehrlich auch völlig egal ist. Ein laufendes Klischee in Filmform. Wir folgen einem toughen Cop, dessen Familie in seiner Jugend brutal von Gangstern ermordet wurde und der sich nun als ausgewachsener Draufgänger an seine Rache setzt, einen wahren Ring der Kriminellen quer durch die Oberschicht von L.A. jagt und zur Strecke bringt...
Während die Poster und Looks oft an „Matrix“ erinnern (dabei ist er drei Jahre älter!), erinnert der Film oft am ehesten an „GTA“ und Co., an eine Kreuzung aus einem billigen „Lethal Weapon“-Klon und viel Videospiel „God Mode“. Eigentlich guckt man dieses Geschoss nur wegen seinen Actionszenen, die vollkommen brauchbar sind und zum Teil sogar richtig Laune machen. Am Ende geht es sogar tageszeitüberbrückend (!) von einem Hochhaus-Shoot Out über eine Highway-Ballerei hoch hinaus in ein Doppeldecker. Hier hat das Stuntteam tolle Arbeit geleistet und manchmal fühlt sich der ganze Film an, wie ein Produkt von und mit und rund um die Stuntcrew. Mit allen Vor- und Nachteilen. Geile Verfolgungsjagden folgen auf beliebige Dialoge, trashige Massenschiessereien ala „Commando“ folgen auf miserables Schauspiel, grässlich-schöne Mode entlang einer „Story“, die flacher und unnötiger nicht geht. Das ist Beriesel-Krawall der alten Schule. Irgendwie schön, aber über die gesamte Laufzeit irgendwie auch anstrengend. Ein erweiterter Trailer oder Highlightreel würde den meisten hier wohl mehr als genügen. „Judge Man“ muss man nicht auf die Goldwaage legen (*Tusch*), doch im Endeffekt ist er mehr heiße Luft als echter Showstopper, mehr Bank als Stammelf, mehr Probe als Aufführung.
Fazit: ein B-Actioner wie er im Lehrbuch steht - billig und brutal, laut und leer, bleihaltig und bleifussig. Perfekt zum nebenbei laufen lassen. Mehr aber wirklich nicht. Zum Gehirn abschalten und sehr solide Stuntarbeit zu genießen. Dat war et.