Konnte ich mit Clive Barkers „Hellraiser“ weniger anfangen, so hat mir sein Film „Cabal – Die Brut der Nacht“ schon besser gefallen (wenn auch nicht ganz so gut wie „Lord of Illusions“).
Nach den Credits startet „Cabal“ mit einem wunderbaren Schockeffekt, als plötzlich eine Horde von monströsen Kreaturen über den Bildschirm hüpft. Doch dieses stellt sich als Alptraum von Aaron Boone (Craig Sheffer) heraus; er scheint schon öfter derartige Träume gehabt zu haben und will seinen Psychiater aufsuchen.
In einem anderen Haus geht eine Familie derweil ihren normalen Tagesgeschäft nach, bis ein vermummter Mord ihnen ein grausames Ende setzt. Dies ist spannend gemacht und auch wenn der Schockeffekt der Szene mit der Kühlschranktür vorhersehbar ist, kann man sich nett gruseln.
Als Aaron seinen Seelenklempner Dr. Decker (David Cronenberg) aufsucht, teilt dieser ihm mit, dass seine Alpträume grausame Wahrheit geworden sind. Denn Aaron hat diese Morde vorausgesehen und nun steht er in dem Verdacht der vermummte Killer zu sein. Cronenberg gibt den Doktor auf eine unheimlich faszinierende Weise, die sehr charismatisch ist.
Der am Boden zerstörte Aaron irrt ziellos durch die Stadt, wird beinahe überfahren und kommt ins Krankenhaus. Dort erzählt ihm ein weiterer Patient von der Stadt Midian, in welche nur monströse Kreaturen dürfen; diese hat Aaron in seinen Träumen gesehen. Er erfährt, dass diese Stadt unter einem Friedhof liegt.
Aaron sucht den Friedhof auf und wird von einem der monströsen Wächter gebissen. Er kann fliehen, wird aber von der Polizei und Decker erwartet. Decker sorgt dafür, dass Aaron erschossen wird. „Cabal“ nimmt hier eine überraschende Wendung, als sich Decker plötzlich als der Bösewicht der Story entpuppt.
Decker will gegen die Brut der Nacht, die Midian bevölkert, vorgehen. Diejenigen, die von Natur aus nach ihrem Tod zur Brut gehören, hat er nach dem Muster von Aarons Alpträumen ermordet. Doch Aaron ist durch den Biss ebenfalls zu einer Brut der Nacht geworden und Decker hat eine ungeahnte Hürde vor sich...
„Cabal“ ist ein Film, den man durchaus als recht seltsam bezeichnen kann. Denn es fällt schwer, den Film zu charakterisieren. Denn „Cabal“ vereint Elemente aus Monsterfilm, Slasher und Psycho-Horror.
Die weitere Story dreht sich um Aarons Versuch in der Gemeinschaft von Midian aufgenommen zu werden und Deckers Vorhaben die Bewohner Midians auszulöschen. Doch leider ist Aarons Versuch ein wenig langweilig, ehe „Cabal“ zum furiosen Finale aufruft. Dieses gleicht das Manko dann teilweise aus.
Klares Highlight sind die Effekte: Die missgebildeten Bewohner Midians sind fantastisch in Szene gesetzt worden; Kostüme und Masken gehören zur Oberklasse. Große Gore- oder Splattereffekte sollte man allerdings nicht erwarten, denn „Cabal“ ist alles andere als ein Splatterfilm. „Cabal“ setzt mehr auf Grusel und Atmosphäre; lediglich im Finale gibt’s ein paar Gewalteffekte (die sind aber gut; vor allem der Stacheleffekt der Stachelschweinfrau).
Die Atmosphäre ist auch recht gut und sehr düster, allerdings kann sie nicht immer über die Handlungsschwächen des Films hinwegtäuschen. Die komplizierten Regeln der Gemeinschaft der Brut der Nacht sind interessant, auf die Dauer allerdings ein wenig ermüdend.
Craig Sheffer ist ein wenig blass, so dass die Idee ihn größtenteils als Toten agieren zu lassen einiges reißen kann. Denn wer erwartet große Mimik von einer wandelnden Leiche? Cronenberg hingegen ist ein echt fantastsicher Bösewicht, der beeindruckend fies vorgeht, überzeugend spielt und sehr charismatisch rüberkommt. Die restlichen Darsteller sind kaum zu sehen oder unter Make-up verborgen, so dass nur diese beiden von Bedeutung sind.
„Cabal“ ist ein recht ordentlicher und atmosphärischer Horrorfilm, der mit fantastischen Masken und einem genial spielenden Cronenberg aufwarten kann, allerdings für die etwas lahme zweite Hälfte und die leichte Unentschlossenheit des Drehbuchs ein paar Abzüge einstecken muss.