Eine Dokumentation ist ein sehr polarisierendes Genre. Die einen finden es langweilig ohne Ende, die einen finden es interessant. Natürlich hängt das alles vom Thema der Doku ab, dessen Hauptaufgabe darin besteht, die Realität genau abzubilden.
Viel interessanter ist da schon eine Pseudo-Doku, in der sich der Regisseur bzw. Autor eine fiktive Geschichte ausdenkt und als Dokumentation inszeniert. So ein Fall ist Peter Jacksons und Costa Botes' "Forgotten Silver".
Die beiden erzählen die fiktive Geschichte von Colin McKenzie, dem Mann, der die Kinowelt maßgeblich beeinflusst hat, den ersten Projektor erfand, den Tonfilm entwickelte, den ersten Farbfilm drehte, den ersten Monumentalfilm dreht etc.
Angereichert mit Interviewpartnern wie Sam Neill, Leonard Maltin und Harvey Weinstein, Filmausschnitten die von Jackson inszeniert und die von WETA an den Filmlook der frühen Kinojahre angepasst wurden. Dazu noch Berichte von der Suche nach Drehorten der McKenzie-Filme, Interviews mit Zeitzeugen und der Zuschauer hat keine Ahnung, dass alles frei erfunden wurde.
Perfekt und äußert abwechslungsreich pendeln Jackson und Botes zwischen den verschiedenen Interviews, Filmausschnitten und Berichten, sodass Langeweile nicht aufkommt, auch weil der Film auf 53 Min. gestaucht wurde, da er im neuseeländischen TV als Kurz-Doku gebracht wurde.
Der einzige Negativpunkt ist sicherlich die Überladung der Dinge. Wer sich mit Filmen einigermaßen auskennt, wird wahrscheinlich wissen, dass es unmöglich ist, dass das ganze Wesen des Films und Kinos von einem Mann aufgebaut wurde, dessen Name noch niemals irgendwo in irgendeiner Form aufgetaucht ist.
Trotzdem eine wirklich sehenswerte Pseudo-Doku. Neben den vielen Hollywood-Blockbustern eine willkommene Abwechslung im Film-Alltag.
9 / 10