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Um die Jahrhundertwende hieß die Marschrichtung Virtual Reality aufgrund des „Matrix“-Erfolges und an diesen Film lehnt sich „Avalon“ genauso an wie an „eXistenZ“.
Wir befinden uns in der Zukunft und die Menschheit ist ein Volk von Zockern geworden. Das illegale Virtual Reality Spiel „Avalon“ ist der ganz große Renner, da man hier nicht nur realitätsnah spielt, sondern gewonnene Punkte auch in Knete umsetzen kann. Unter unglücklichen Umständen enden die Verlierer zwar als Gemüse auf der Intensivstation. Das erinnert dann doch arg frappierend an „Matrix“, auch wenn es sich hier scheinbar nur um ein Spiel handelt.
Zu den Topspielern gehört auch Ash (Malgorzata Foremniak), die auf die höchste Ebene gelangen möchte. Doch dann erfährt sie von einer versteckten Ebene im Spiel und möchte sie entdecken. Steckt eventuell mehr hinter „Avalon“ als reines Entertainment?

Wie bereits erwähnt, „Avalon“ bedient so stark bei „eXistenZ“ und „Matrix“, dass es geschönt ist von reiner Inspiration zu reden. Im Zuge der „Matrix“-Welle mussten natürlich auch Actionszenen seine, schlecht sehen sie nicht aus, aber wirklich weiter bringen sie den Film nicht. Erstmal gibt es nur zwei echte Actionszenen (Auftakt, Plätten der Zitadelle) und trotz solider Inszenierung bieten sie nichts, was man nicht schon hundertmal gesehen hätte. So merkt man schnell, dass den Macher Geballer nicht besonders wichtig war, doch ironischerweise sind diese beiden Szenen noch das Beste am Film.
Ansonsten dient die Suche nach der versteckten Ebene als grobes Handlungsgerüst, nachher wird dann noch kräftig in Frage gestellt, welche Ebenen real und welche virtuell sind. Ja, genau wie in „eXistenZ“, nur weniger spannend. Um den Zuschauer dann auch noch endgültig zu frustrieren, verzichtet „Avalon“ auf nahezu jede Erklärung: Wer ist der geheimnisvolle Bischof, welche Hintermänner könnten das alles geplant haben usw. Die größte Frechheit ist der Schluss, der den Zuschauer zwar noch mal mit einer Überraschung verunsichert, aber komplett in der Luft hängen lässt. Wer will, der kann das jetzt als Möglichkeit zur Interpretation schön reden, für mich wirkt es aber nur so, als hätten die Macher gar nicht daran gedacht, sich irgendeine Erklärung für den Mumpitz einfallen zu lassen.

Damit man dem Zuschauer dann aber vollkommen den Rest gibt, wird der Film so lahm erzählt, dass selbst Sockenstopfen aufregend wirkt. Die eigentliche Handlung ist dünn und würde in maximal 40 Minuten passen, aber Regisseur Mamoru Oshii knallt minutenlange, nichts sagende Aufnahmen der verlassenen Zukunftswelt (der man den Drehort Polen allerdings klar ansieht) dazwischen oder zeigt so aufregende Dinge wie Frühstück in sich hineinstopfen oder Futter für die Katze machen in epischer Breite. Das ist Langeweile pur, auch wenn der Film immerhin sehr geschickt mit der Avalonmythik der Artussaga spielt: Die Spielfiguren tragen bezeichnende Klassifizierungen wie Krieger, Dieb oder Bischof, Motive wie die neun Schwestern tauchen auf usw. Doch letzten Endes bringt auch das den Film nicht weiter.
Schauspielerisch ist hier auch die große Lustlosigkeit angesagt, von Hauptdarstellerin Malgorzata Foremniak bis hin zum kleinsten Nebendarsteller. Gänzlich ausdruckslos stiert die Horde in die Kamera und passt sich wunderbar in das Bild eines auch ansonsten total profillosen Films ein.

So bleibt dann nur fader, lahmer und aufgrund mangelnder Erklärungen auch noch ärgerlicher Sci-Fi-Schmu, der zudem ideenlos Vorbilder kopiert und abgesehen von zwei netten Actionszenen und geschicktem Umgang mit der Avalonmythik nichts zu bieten hat.

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