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Standesbeamtin Rahel (Marie Leuenberger) ist unzufrieden mit ihrer Ehe. Als sie sich in einer Buchhandlung gerade ein paar peinliche Ratgeber kaufen möchte, läuft sie zufällig dem schneidigen Musiker Ben (Dominique Jann) über den Weg und gemeinsame Erinnerungen kommen wieder hoch. Bevor Rahel schwanger wurde und heiratete hatten beide zusammen eine Band, mit der sie national Berühmtheit erlangten. Doch nun arbeitet Ben schon jahrelang erfolglos an seinem neuen Album und will die zickige Schicki-Micki-Schauspielerin Tinka (Oriana Schrage) heiraten. Doch die Trauung, die Rahel für die beiden arrangieren soll, wird von allerlei Zwischenfällen begleitet. Ein von Rahel organisierter Flohmarkt, bei dem dringend Bens Hilfe benötigt wird, der Ehebruch von Rahels Mann und Bens wieder aufkeimenden Gefühle für Rahel sorgen für reichlich Komplikationen...

Wie die Sache ausgeht, ahnt der Zuschauer schon 15 Minuten nach Beginn des Films. So wird in Die Standesbeamtin zwischen all dem Schweizer Lokalkolorit, das nett anzuschauen ist, nur das formelhafte Standardprogramm einer Liebes- und Beziehungsdramödie abgespult, welches fern an den Barrymore/Grant-Film Mitten ins Herz - Ein Song für dich und etwas näher an Wedding Planner erinnert. Doch stimmte dort die Chemie zwischen den sympathischen Darstellern, fragt man sich letztendlich schon, was der coole Musikus Ben hier an seiner biederen Jugendfreundin Rahel findet.

Marie Leuenberger (bisher unbekannt) gelingt es so gut wie nie, mit ihren angespannten Gesichtsausdrücken oder ihrem antiquierten Pagenschnitt irgendwie Empathie zu erregen oder sympathisch zu wirken. Und was kaum möglich ist, aber wahr: Orinia Schrage (bisher noch unbekannter) als tussiges und zickiges Filmsternchen (der Stereotyp schlechthin) unterbietet dabei die bisher kaum bekannte Frau Leuenberger noch spielend leicht. Würden nun diese Mängel in der Handlungsentwicklung (Stichwort: Vorhersehbarkeit) und im Schauspiel mit Situationskomik oder zumindest pointierten Dialogen kompensiert, so könnte man diese zumindest vorübergehend vergessen. Doch wird hier fatalerweise zu oft auf Pseudo-Tiefgang mit dramatischen Konflikten (zerbrechende Familie, im Stich gelassener Sohn) gesetzt denn auf humoristische Situationen. Wenn Rahel den beinahe nackten Ben bei einem Intermezzo unter einer Sofadecke versteckt, welche der heimkehrende reuige Ehemann Thomas (Beat Marti, Berlin am Meer) zum Trocknen seiner Tränen benutzt und immer mehr für sich vereinnahmt, dann ist das eines von sehr wenigen komödiantischen Highlights.

Aber ein paar hübsche Bilder mit den Silhouetten der wieder frisch Verliebten im Sonnenuntergang und der immerhin ganz gefällige Soundtrack sorgen dafür, dass der in unverständlichen Schweizerdeutsch (dafür aber immerhin deutsch untertitelt) ins Kino kommende Film niemals unter das Prädikat „Durchschnitt" absinkt. Doch wenn das schon der Maßstab war, der angesichts der stärker und (insbesondere im Cast) prominenter aufgestellten Konkurrenz im Herzschmerz-Sektor angelegt wurde, dann hat man aus der Alpenrepublik auch zukünftig nicht mehr zu erwarten als eine Produktion im Jahr, die geehrt durch ein paar Preise international zumindest ein wenig für Aufmerksamkeit sorgt. Die Schweizer Filmindustrie ist wie Die Standesbeamtin im internationalen Vergleich nicht mehr als ein glanzloses Gesicht in der Menge. Ein Film, der als harmloses Lustspiel im Fernsehen besser aufgehoben ist als im Kino. 

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