Review

 

Dieses Review ist in mehrere vom Film unabhängige Kapitel unterteilt, nur um dem Leser mehrere Faktoren zu vergegenwärtigen. Aber alles in allem kann schon im Vorfeld deutlich gesagt werden, dass Durst ein voller Erfolg ist, künstlerisch wie filmtechnisch.

1. Koreanisches Kino

Anfang des letzten Jahrzehnts  war das koreanische Kino das aufregendste und frischeste, das es im internationalen Kino gab. Selten hat es einen revolutionären Film nach dem anderen von den verschiedensten Künstlern in den verschiedensten Genres gegeben, alles hochklassig und alles spektakulär gespielt.

Die Initialzündung wurde von Shiri eingeläutet, dicht gefolgt von solchen Krachern wie Musa, JSA, Silmido, A Tale of Two Sisters, Memories of Murder, der bekannten Rachetrilogie bis hin zu Bittersweet Life. Eleganz und Raffinesse waren perfekt choreografiert.

Irgendwann wurde das alles zum Selbstzweck, viele Filme nur noch stümperhaft zusammengeschustert, weil ein potentieller Blockbuster. Vor allem war schädlich, dass all diese Filme nach wie vor super ausschauten, wodurch dem Zuschauer eine nicht vorhandene Klasse vorgegaukelt wurde. Außerdem konnte man die Anzahl der talentierten Filmemacher mittlerweile an fünf Fingern abzählen, denen mittlerweile auch der final cut gewährt wurde, der Rest wurde in ein Hollywoodähnliches Korsett gezwängt.

Kurz: Die kurze Zeit des koreanischen Kinos schien vorüber, Hong Kong, eigentlich das östliche Äquivalent zu Hollywood, nur manchmal besser, war wieder auf der Überholspur.

Also ist alles nun schlecht aus Korea?

Hätte man Anfang letzten Jahres mit einem klaren Ja geantwortet, wurden im Laufe des Jahres immer wieder sehr gute Filme produziert.

Das Problem ist wohl, dass man mittlerweile das hohe Niveau nur noch vereinzelt halten kann und dann auch noch nur noch von den drei bis vier bekannten Regisseuren.

Glücklicherweise gibt es immer wieder Debütanten mit großartigen Filmen.

2. Der Regisseur Park Chan Wook

Mittlerweile eine lebende Legende, hat er doch die Rachetrilogie gedreht und JSA.

Seine Filme leben regelrecht von ihrer unglaublichen Eleganz, sowohl Bildsprachetechnisch als auch musikalisch. Außerdem versteht er es wie kaum ein zweiter Regisseur, seine Darsteller zur Höchstform zu peitschen.

Es ist manchmal fast so, als wäre sein Stil lediglich für die Komposition von unvergesslichen Standbildern erschaffen worden, weil ihm eine gewisse Dynamik abgeht.

Das war formal gesehen bei Lady Vengeance ganz eklatant und ist auch einer der Schwachpunkte auf den ersten Blick bei Durst.

Auch ist seine Inszenierung zumeist sehr nihilistisch und pessimistisch, was jedoch durch seine betörende Inszenierung sehr häufug kaschiert wird.

In Durst findet er fast zu seiner alten Stärke komplett zurück.

3. Der Hauptdarsteller Song Kang Hoo

Wo Song Kang Hoo draufsteht, da ist Klasse drin. Es gibt derzeit kaum einen wandlungsfähigeren Darsteller weltweit, kaum einen der cooler ist, weicher, härter. Der Mann hat eine unglaubliche Präsenz in allem, was er dreht.

Selbst mittelmäßige Filme wie Portrait of a Gangster werden durch seine starke Performance gut, ähnlich wie Morricone Musik zu einem Drecksfilm schreibt und einem der Film plötzlich als gut vorkommt (nur ein Beispiel wäre der Exorzist 2).

Er ist der unumstrittene Superstar und Charakterkopf des neuen koreanischen Kinos (siehe oben), hat er doch sowohl in Shiri, JSA, der Rachetrilogie, the Host und The Good, the Bad, the Weird mitgespielt.
4. Die Story: Eine klassische Vampirgeschichte oder eine Neuinterpretation?

Tja, sowohl als auch! Oder weder noch? Jein!

Ein Priester meldet sich in Afrika, um bei einer Seuchenbekämpfung behilflich zu sein, wird infiziert, stirbt, erwacht wieder zum Leben. Plötzlich ist er sehr stark, erhöhte Sinneswahrnehmungen und wird als der nächste Heiland gelobt, weil er auch anderen Kranken wohl wieder Lebenskraft zu geben scheint.

Die Nachteile: Seine Krankheit bricht immer dann aus, wenn er kein Blut trinkt und er verträgt das Sonnenlicht nicht mehr. Außerdem verliebt er sich in eine verheiratete Frau.

Die beiden beginnen eine Affäre, schließlich manipuliert sie ihn, ihren Mann zu töten.

Ab dem Moment laufen die Dinge aus dem Ruder.

5. Kritik

Eine klassischere Vampirgeschichte gibt es kaum: Sexuelles Verlangen und Gier, der Durst nach mehr wird hier zelebriert. Im Gegensatz zu den ganzen neuen Aufgüssen für die Jugend, wo die neuen Vampire mittlerweile die Ritter von einst ersetzen, ist der Vampir hier glücklicherweise wieder der Dämon, der die Seele korrumpiert, und mag es aus anfangs noch den edelsten Motiven heraus sein.

Von daher: Der König ist tot, lang lebe der König. Es ist nichts Neues an dieser Story, aber durch den Anachronismus des Entstehungszeitpunktes ist dieser Film herrlich neuartig. Die bekannteste und beste Vampirgeschichte ist nun mal Dracula. Und selbst die ist in bester Weise ein sexuell überladenes Stück Geschichte um Liebe und Gier. Und Durst kommt im direkten Vergleich sogar ziemlich gut weg.

Da es sich hierbei auch noch um ein Psychogramm handelt, nimmt sich der Film natürlich auch die Zeit, seine ganze Wucht gemächlich aufzubauen, mitunter führt das eventuell zu etwas Langeweile. Aber das ist typisch für koreanisches Kino und wenn man das irgendwann wieder gewohnt ist, dann weiß man das nur zu sehr zu schätzen.

Muß ja nicht alles so gehetzt wirken wie in beispielsweise jedem Michael Bay Film.

Ist der Film aber gut?

Oh ja, und wie!

Lebt das koreanische Kino nur durch Park Chan Wook?

Nein, aber er trägt sehr viel dazu bei, es am Leben zu erhalten.

(P.S.: Die Verleiher sollten sich wirklich mal überlegen, ob sie nicht noch ein paar unbekanntere Filme mit Song Kang Ho veröffentlichen, so z:B. The President's Barber und Foul King, anstatt solche Trash-Gurken wie Daiwichima Lee, die weder lustig noch spannend sind....)

Überragender Vampirfilm: 9 Punkte

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