Durst - Thirst
Erst einmal vorweg: Der Film wird viel zu sehr gehypt und mit Attributen versehen, die absolut nicht zutreffen. Wenn ich schon lese "Erwachsener Vampir-Horror", dann frage ich mich, ob die Rezensenten den Film überhaupt gesehen haben. Die Vampirelemente dienen einzig der Verdeutlichung des Konfliktes eines Liebenden mit moralischen Wertmaßstäben, der Aufgabe und Selbstentfremdung, die man in einer Beziehung (aus Liebe) zuerst bereitwillig in Kauf nimmt und später oft nur (bis zu einem gewissen Punkt hin) erduldet; und es geht um die Rechtfertigungslogik, die man sich für sein Handeln aus Nächstenliebe zurechtlegt. Dabei wird Sartres Erklärung für die Liebe herangezogen und diskuriv verhandelt, ob man nicht doch nur sich selbst liebt, Dinge sich selbst zur Liebe tut und eben nicht aus der ach so gewünschten bedingungslosen Liebe für den Partner und dabei sogar anderes - wie etwa eine übergeordnete Moralinstanz - aus Selbstsucht ausblendet. Auch die Aufoperfungsbereitschaft des Paters zu Beginn des Films speist sich nur zum Teil aus der christlichen Nächsten-, mehr aus der Liebe zu sich selbst (wie das Bibelzitat vom Wunsch des Krankheitsbefalls verdeutlicht).
So weit, so gut. Doch leider geizt Park Chan-wook mit Bildern/Szenen, die zur Interpretation einladen. Erst die letzten 20 Minuten beglückt er den wirklichen Fan mit solchen (etwa der Wunsch von Tae Joo nach weißen Wänden oder die Schlussszene). Klage auf hohem Niveau? Mag sein, aber ein sehr guter Regisseur muss sich nunmal an seinen besten Werken messen lassen. Auch die Rückbezüge auf den frommen Wunsch und dem, was Sang Hyun (Song Kang-Ho) letztendlich bekommt, muss sich der Zuschauer vollkommen selbst erschließen, was ich schade finde. Dass keine wirkliche Bewertung der intradiegetischen Handlungen durch Park vorgenommen wird, ist legitim, dann hätte man aber an einigen Stellen deutlicher akzentuieren können/müssen.
Mein Gesamturteil: 7,5/10