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Martin Sheen spielt einen Soldaten im Vietnam-Krieg, der beauftragt wird einen Colonel, gespielt von Marlon Brando, zu töten, der im Urwald von den Eingebohrenen als Gott verehrt wird und dort, seinen eigenen Utopien verfallen einen bestialischen Krieg innerhalb des Vietnam-Kriegs begonnen hat. Unterwegs wird er mehrfach mit der Sinnlosigkeit und der Grausamkeit des Krieges konfrontiert und beginnt mit dem Prozess der Selbstfindung.

Mit "Apocalypse Now" brachte Francis Ford Coppola das Kriegs-Genre endgültig zum Abschluss und auch wenn mit "Der Soldat James Ryan", "Platoon" oder "Der schmale Grat" einige weitere gelungene Anti-Kriegsfilme erschienen wurde "Apocalypse Now" nie überboten und meiner Meinung nach wird es auch nie überboten werden. Es gibt keinen weiteren Anti-Kriegsfilm, der auch nur im Ansatz so vielschichtig und vielsagend ist, dass man im Prinzip über jede einzelne Szene einen mehrseitigen Aufsatz schreiben könnte. Die Handlung an sich ist ebenfalls recht gelungen, durch die verschiedenen Stationen die Sheen auf seiner Reise durch Vietnam erreicht wird ein kritischr Blick auf die sinnlose Gewalt geworfen und je weiter Sheen schließlich in die Tiefen Vietnams kommt, desto verstörender wird Coppolas Meisterwerk. Das Finale ist ebenfalls gelungen. Die Dialoge sind ebenfalls hervorragend und vielschichtig, genauso wie die Monologe von Sheen, die immer wieder zwischendurch immer wieder zu hören sind. Sheens innere Zerrissenheit und sein langer Weg der Selbstfindung sind ebenfalls vielschichtig dargestellt. Vor allem am Ende, wenn Marlon Brando schließlich mit Sheen über das Grauen spricht, dass ihn nicht mehr los lässt, ist der perfekte Anti-Kriegsfilm abgerundet, den man im Prinzip auf jeden Krieg und auf jeden Akt sinnloser Gewalt beziehen und nicht nur auf den Vietnam-Krieg, über den die Amerikaner bis heute nicht so richtig hinweggekommen sind. Alles in allem ist "Apocalypse now" der wohl beste und vielschichtigste Blick ind die Abgründer der menschlichen Seele und eines der vielschichtigsten Werke aller Zeiten.

Regisseur Francis Ford Coppola der vor allem mit seinem Mafia-Epos "Der Pate" und der Fortsetzung "Der Pate - Teil 2" zu den besten und bekanntesten Regisseuren der Welt aufstieg und auch mit "Der Dialog" ein überaus beachtliches Werk lieferte zeigt auch bei der Inszenierung von "Apocalypse Now", dass er zu Recht zu den besten Regisseuren aller Zeiten gezählt wird. Coppola bringt die geniale Story hervorragend auf die Leinwand und bringt die genialen Monologe und Dialoge genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Filmmusik ist ebenfalls perfekt und Coppola bringt die Stücke seines Vaters Carmine Coppola genau zum richtigen Zeitpunkt. Coppola baut vor allem in der ersten Hälfte des Films ein paar furiose Action-Szenen mit hohem Schauwert ein, so gehört die Szene, in der ein ganzer Waltrand mit Napalm bombadiert wird zu den bekanntesten Szenen der Filmgeschichte. Das beste an Coppolas Inszenierung ist jedoch die perfekte Bildsprache mit dem der Meister sein Werk so unvergesslich machte. Fast in jeder Szene stellt Coppola die surreale Schönheit Vietnams dar, zeigt aber mit dutzenden Leichen, die an den Gewässern liegen auch die ganze Zeit über die Gefahr, die im Prinzip die ganze Zeit über in der Luft liegt. Zusammen mit den langen Monologen lässt diese surreale Darstellung Vietnams den Film sehr unwirklich wirken, fast wie einen Alptraum und so kommen die düsteren Dialoge über das Grauen Vietnams natürlich noch besser zur Geltung. Zum Ende hin übertreibt Coppola dann ein wenig mit seiner düsteren Inszenierung und lässt "Apocalypse Now" optisch in einen Horror-Film münden, wobei die düstere Inszenierung sehr gut zum Finale passt. Was Coppola aber komplett außer acht lässt ist, dass Kino eigentlich unterhalten soll und so hält er das Erzähltempo stellenweise ein bisschen zu niedrig, um gut unterhalten zu können, vor allem in der zweiten Hälfte des Films, kurz bevor Sheen schließlich sein Ziel erreicht ist der Film leider unterträglich langatmig und vor allem bei der Redux-Fassung verliert man so wirklich die Lust am Film. Eine noch so vielschichtige Handlung bringt leider nicht sonderlich viel, wenn der Zuschauer nach über zwei Stunden irgendwann die Lust daran verliert, ihr zu folgen. Objektiv betrachtet ist Coppolas Umsetzung natürlich perfekt, da der Unterhaltunswert eher vom Geschmack des Zuschauers abhängt.

Wenn man sich "Apocalypse Now" so ansieht, bedauert man man dann doch ein bisschen, dass Martin Sheen nie den richtigen Durchbruch schaffte und bis heute eher ein B-Darsteller geblieben ist und in wirklich großen Produktionen wie "Departed" oder "Gandhi" nur in Nebenrollen zu sehen ist, denn Talent hat er allemahl. Sheen, der beim Dreh übrigens eine Herzattacke erlitt, spiegelt die innere Zerrissenheit seiner Figur hervorragend wieder und stellt seinen ruhigen, eher nach innen gekehrten Charakter hervorragend dar und sichert sich schnell die Sympathie des Zuschauers. Marlon Brando fühlt sich in der überaus charismatischen Rolle des größenwahnsinnigen Colonels sichtlich wohl und liefert beim Finale mit seiner unglaublich hohen Leinwandpräsenz eine beeindruckende Vorstellung mit hoher Leinwandpräsenz ab und strahlt den Wahnsinn des Krieges und die Auswirkungen des Grauens auch nach außen hin hervorragend dar. Robert Duvall, der schon in "Der Pate" zusammen mit Brando unter der Regie von Coppola brillierte, leistet auch hier gute Arbeit und verteidigt seinen Ruf als einer der besten Charakterdarsteller der Welt. Mit seiner kantigen Art passt er perfekt in die Rolle des knallharten Colonels und liefert sogar ein paar amüsante Momente und rechtfertigt damit seine Oscar-Nominierung. Auch Laurence Fishburne, der in seiner ersten größeren Rolle zu sehen ist, Dennis Hopper und Harrioson Ford, der ebenfalls noch am Anfang seiner Karriere steht, leisten gute Arbeit, genauso wie der übrige Cast.

Fazit:
Mit einer vielschichtigen Story, die die Sinnlosigkeit des Krieges und die innere Zerrissenheit der Hauptfigur perfekt analysiert, perfekten schauspielerischen Darbietungen von Martin Sheen, Marlon Brando und Robert Duvall und der überragenden Inszenierung von Alt-Meister Francis Ford Coppola, der die Story perfekt wiedergibt, die surreale Schönheit Vietnams sehr gut wiederspiegelt und den verstörenden Anti-Kriegsfilm wie einen Alptraum wirken lässt und auch bei Musik, Ton und Action-Szenen hervorragende Arbeit leistet, ist "Apocalypse Now" definitiv der beste Kriegsfilm aller Zeiten. Vor allem in der zweiten Hälfte ist mir persönlich das Werk aber ein bisschen zu langatmig geworden und bei der Redux-Fassung ist dies sogar noch extremer. Dennoch ein starkes und empfehlenswertes Werk, dass zum Pflichtprogramm eines jeden Cineasten gehört.

82%

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