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"Blauer Max" ist die höchste deutsche Tapferkeitsauszeichnung während des Ersten Weltkrieges, bekommt man bei 20 Abschüssen verliehen. Der maßlos ehrgeizige Fliegerleutnant Bruno Stachel [ George Peppard ] wird 1918 nach Frankreich hinter die deutschen Linien versetzt, und stösst bei seiner dortigen Einheit wegen seinem rücksichtslosen Streben nach dem Orden an Missmut. Aufgrund seiner Treffsicherheit wird er aber geduldet, auch weil er von oben als Held aufgebaut werden soll. Doch das Kriegsende naht und Stachel wird problematisch...

Aufwendiges Kriegsspektakel im Milieu einer Flugstaffel des Ersten Weltkrieges, in farbig - breitem Cinemascope inszeniert.
Der in seinen Flugszenen technisch brillante Film verfügt ausserdem über eine spannende Dramaturgie und interessante zwischenmenschliche Beziehungen, und übt auch verhalten immer wieder mal Kritik am militärischen Pathos von Heldentum und Kodex.

Am packendsten ausser den Luftkampfszenen ist in der ersten Hälfte das Duell zwischen dem zielstrebigen Stachel, der für Erfolg über Leichen geht, und dem souveränen, aber snobistisch - blasierten Fliegerleutnant Willi von Klugermann [ Jeremy Kemp ].
Dieser verfügt über einen viel höheren sozialen Status als Stachel und kann seine Flugkünste durch seine Ruhe komplett zum Tragen bringen, während Stachel durch forsche Unbeherrschtheit anfangs nur Fehler baut.
Da wird er auch schon mal selber vom Himmel geholt oder lässt einen feindlichen Flieger direkt vor die eigene Stellung niederprasseln.
Was sich zu Beginn fast noch zu einer Freundschaft entwickeln könnte – Peppard und Kemp hatten vorher auch in GEHEIMAKTION CROSSBOW eine grossartige Chemie – entwickelt sich nach und nach zu einem erbitterten Todesspiel.
Weitere Komplikation treten später auf, als Stachel sich mit der Frau [ Ursula Andress ] des Generaloberst von Klugermann [ James Mason ] einlässt, was sich noch als Fehler herausstellen soll.
Ausserdem wird im Angesicht der drohenden Niederlage auf Druck von Berlin aus eine fluguntaugliche Neukonstruktion entwickelt.

Das Drehbuch nach dem Roman von Jack Hunter unterteilt den überlangen Film meistens in grossangelegte Szenen auf, verfügt über eine logisch – stringente Handlungsfolge und verliert ohne zu Übertreiben das Spannungsmerkmal nie aus den Augen, wird auch komplett die Laufzeit über nicht langweilig.
Überraschenderweise ist der gesamte Film aus Sicht der Deutschen gehalten, alliierte Bewegungen sieht man wenn nur bei Kriegseinsätzen. Trotzdem werden keine Klischees bedient, weder glorifiziert noch niedergemacht.

Hervorragend sind auf technischer Seite vor allem die beeindruckend – übersichtliche Kamera von Douglas Slocombe, begleitet durch den dynamischen Score von Jerry Goldsmith. Auch die Actionszenen an Boden geizen nicht mit Aufwand, das damalige Budget von $6 Million wird offensichtlich gut eingesetzt.

Einziges Manko ist dann wirklich, dass der Film weitab von der Realität spielt, das Grauen des Krieges verschwindet im Kintopp, der britische Film ist im Stil der Traumfabrik Hollywood inszeniert.

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