Plakative, reißerische Titel verleiten den geneigten Horrorfan häufig zur Sichtung von Beiträgen, die ganz entgegen vieler Erwartungen verlaufen.
Auch beim vorliegenden „Slaughter“, auf dessen Cover sich Schweine über eine halbnackte Frau in Ketten hermachen, rechnet man wohl kaum mit einem Drama, welches erst im letzten Drittel seine Genrewendung einleitet.
Vielleicht eine Masche, um ein breites Zielpublikum anzusprechen, jedoch auch ein risikoreiches Unterfangen, da für die erste Hälfte eine Menge Geduld mitgebracht werden muss.
Denn in erster Linie setzt sich die Handlung überwiegend aus den Portraits zweier junger Frauen zusammen: Faith, die vor ihren aggressiven Freund aufs Land flieht, um ein neues Leben zu beginnen und die dort ansässige Lola, die auf einer Farm lebt und reihenweise Männer abschleppt, um sich von einem Trauma abzulenken. So scheint es zumindest….
Leider erfährt die schleppende, fast lethargisch anmutende Erzählweise kaum eine Rechtfertigung. Die depressiv anmutende Farbgebung mit seinen ausgeblichenen Grautönen führt nach einiger Zeit ebenso zu aufkommenden Desinteresse wie das Ausbleiben dunkler Vorzeichen, die sich bis zur Kehrtwendung auf die morbide Kulisse des dreckigen Schweinestalls auf der Farm beschränken.
Zudem wird Faith als zu schwacher Charakter gezeichnet. Eine Frau auf der Flucht, ohne sonderliche Perspektive und zu sehr auf die wesentlich stärker erscheinende Lola fixiert, die hingegen zu klischeebeladen vorgeht, um ihr letztlich einen doch recht tiefsinnigen Background abzunehmen, welcher diverse Twists gegen Ende einleitet.
Die beiden Ladies erscheinen fast wie von der Außenwelt isoliert und gehen regelmäßig feiern, während Lolas Familie, bestehend aus Vater und jüngeren Brüdern auf der Farm nahezu im Hintergrund verschwindet.
Kaum ein Wort wird ausgetauscht, nur der junge Bruder Cort vertraut sich Faith in einer Szene an und offenbart ein paar Details aus der Vergangenheit, welchen auch Faith im Zuge neugieriger Inspektionen in den Stallungen immer ein Stück näher rückt.
Allerdings mehren sich schon frühzeitig Hinweise, dass die von Lola abgeschleppten Typen wohl kaum lebend die Farm verlassen dürften, während der Schweinestall ideal erscheint, um etwaige „Indizien“ verschwinden zu lassen.
Schließlich läuten einige angedeutete Folterszenen noch den Sprung ins Horrorfach ein, doch explizit geht man nur soundtechnisch zu Werke, während Gorehunde auf visueller Ebene fast gänzlich leer ausgehen.
Etwas überhastet überschlagen sich jedoch einige Wendungen und man findet kaum Zeit, diese auch emotional auf sich wirken zu lassen, was ja im Sinne der Autoren sein sollte.
Reichlich konstruiert kommen Teile der Auflösung daher, andere wirken zu oberflächlich abgearbeitet, um in ihrer Tiefsinnigkeit voll zur Geltung zu kommen: Die Absicht der Kernaussage ist, einschließlich des morbiden Abgangs durchaus löblich, doch die Ausgewogenheit, gerade in Bezug auf den zu langen Vorlauf, ist leider nur teilweise gegeben.
Schlussendlich unterscheidet sich „Slaughter“ natürlich vom Einheitsbrei immer noch vorherrschender Folterfilmchen und manch einer wird dankbar für den charakterbetonten Aufbau der Geschichte sein.
Die glaubwürdigen Darstellerinnen, der abwechslungsreiche Soundtrack und die Atmosphäre der Abgeschiedenheit zweier verletzter Frauen wissen auch durchaus zu überzeugen.
Doch kurz vor der Ziellinie scheint der Streifen alles unterbringen zu wollen, was er aufgrund reichlich mäandernder Erzählweise zuvor noch nicht einbringen konnte.
Das Resultat ist ein unausgegorenes Gesamtbild mit einigen positiven Ansätzen, aber auch vielen verpassten Chancen in der ersten Erzählhälfte.
Abwechslungsreich für Betrachter, die fernab der eigentlichen Erwartungen ein wenig Originalität suchen, zu unrund aufgebaut, wenn man bei den Dramenanteilen auf wahrlich ergreifende Momente aus ist.
5 von 10