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John Klein ist Reporter, und das kein schlechter. Erfolgreich klettert er auf der Karriereleiter empor, kann sich einen schicken Wagen leisten, ein großes Haus und eine hübsche Frau. Doch letztere verstirbt an einem Tumor, nicht ohne zuvor noch wilde Zeichnungen über ein Mottenwesen angefertigt zu haben. Zwei Jahre nach diesem Schicksalsschlag befindet sich John Klein unvermittelt in einem kleinen Nest namens Point Pleasant, eine Autopanne stoppte ihn. Er kann sich nicht erinnern wie er dort hin kam, eigentlich war er auf dem Weg in eine ganz andere Ecke, zu einem Interview mit einem Gouverneur.

So wenig er dieses verschlafene Nest auch kennt, so gut scheint er dort allerdings bekannt zu sein, zumindest bei Gordon - angeblich würde John Klein dort öfters mal nachts an die Türe klopfen. Dieses Mysterium und die hübsche Polizistin Conny veranlassen John dem Rätsel auf die Spur kommen zu wollen. Seine berufliche Spürnase tut ihr übriges hinzu. Doch so richtig interessant wird es erst als John feststellen muß, daß viele Bewohner in Point Pleasant dieselben "Mottenmann"-Zeichnungen anfertigen wie seine verstorbene Frau.

Pellington entführt uns in eine Welt, die grau und düster erscheint. Die einzigen Farben sind die leuchtenden roten Augen und Lichterscheinungen des Mottenmanns, einem gewissen Indrid Cold, dessen Existenz bis zum Schluß ungeklärt bleibt. Die düstere Monotonie wird durch den disharmonischen Klangteppich verstärkt, hier gebührt dem gelungenen Soundtrack großes Lob, trägt er doch wesentlich zur grusligen Atmosphäre bei.

Insgesamt spielen Gefühle eine starke Rolle, Pellington appeliert meist an unsere Intuition anstatt auf große erklärende Dialoge, läßt vieles einfach im Raum stehen, löst Rätsel nicht auf, schafft Momente und Situationen die ungeklärt bleiben - dies ist absolut passend und erscheint dem Thema angemessen umgesetzt. Letztlich trägt auch dieser Umstand zur spannungsgeladenen Grundstimmung des Films bei.

Richard Gere spielt zurückhaltend und erfrischend seriös, für Gere-Hasser könnten die "Mothman-Prophezeiungen" eine positive Wendung zugunsten des Schauspielers einleiten. Laura Linney als "Cop-Conny" bleibt reserviert und kühl, passend zu Gere's Charakter. Die beiden kommen sich während des Films nie zu nahe, selbst am Schluß bleibt eine angenehme Distanz zurück. Endlich verstrickt Hollywood keine Liebesgeschichte in jeden auch nur erdenklichen Plot hinein, obwohl gerade hier zahlreiche Ansätze zu verlockend erscheinen. Daß genau diesem Anreiz nicht entsprochen wurde ist ein großer Pluspunkt.

Allerdings enttäuscht der Film durch das Ende. Die eingetretene Katastrophe bleibt fast zu harmlos, wenn man die Relation zu den Prophezeiungen betrachtet. Wenn Cold als Mottenmann so vehement auftritt läßt dies fast den Weltuntergang erahnen, doch es bleibt bei einer eingestürzten Brücke. Natürlich hat sich hier Pellington an die Vorlage gehalten und brav nichts dramaturgisch hinzugedichtet, doch ein offenes Ende wäre in diesem Falle fast besser gewesen, zumal die Computeranimationen nicht gänzlich überzeugen können.

Trotz allem ist der Streifen spannend von der ersten bis zur letzten Minute, verzichtet nahezu völlig auf Action und gräbt sich mit seiner harmlosen Art trotzdem tief in unser Bewußtsein ein. In gewisser Weise erinnert er an "Ring": viel passiert nicht, das Ende ist fast unbefriedigend - und trotzdem ist der Film einfach gut.

(7/10)

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