Wir brauchen größere Mottenkugeln!
"The Mothman Prophecies" hatte zu Beginn der 00er durchaus eine sehr eigene, mutige, unterschwellige und creepy Wirkung auf uns jugendliche Zuschauer... Erzählt der Mysterythriller von einem völlig verunsicherten und aus der Bahn geworfenen Ehemann, der bei einem bizarren Autounfall seine geliebte Frau verliert, die kurz vorher aber noch von einem seltsamen Wesen bzw. "Mottenmann" schwafelt, der nur ihr scheinbar erschienen war...
Es braucht keine Fratzen, um an meiner Sicherheit zu kratzen...
Manchmal wirkt "The Mothman Prophecies" ein wenig wie eine verlängerte "Akte X"-Episode. Sehr understatet, sehr ruhig, sehr minimalistisch. Wer hier ein Monstermovie oder einen waschechten Horrorfilm erwartet, wird sicher bitter enttäuscht werden. Wer sich aber auf die triste, fast depressive Aura und Atmosphäre einlässt, ist schnell in diesem Netz an Mysterien gefangen. Richard Gere ist ein starker Anker. Seine emotionalen Tiefschläge und Ratlosigkeit, was denn da gerade um ihn herum passiert, werden sehr gekonnt und wie gesagt lobenswert defensiv auf uns Zuschauer übertragen. Es ist Hilflosigkeit, es sind Fragezeichen, es sind sehr traurige und tragische Vibes. Als ob man nur Spielball einer größeren Kraft ist. Sicher der falsche Film für Verschwörungstheoretiker. Oder genau der richtige, wie man's sehen will. Vielleicht ist er etwas lang geraten und die zweite Hälfte verliert etwas an Zug. Doch insgesamt ist das höchst (un-)angenehme Herbst- und Winterware der 00er-Schule. Und gerade damals herrschte ja eine besondere Unsicherheit nach 9/11 und mit dem immer stärker aufkommenden Internet...
Fazit: exzellenter, dezenter und enorm stilvoller Thriller, viel eher mit emotionaler, verschwommener und gruseliger Wirkung als mit Schocks oder Monstermovieappeal. Gere ist klasse, die Inszenierung hat Fingerspitzengefühl, die Gänsehaut kommt ganz von alleine!