Mit „My sassy Girl“ ist den Koreanern mal wieder ein überragender Film gelungen. Schon allein deshalb, weil er ein wenig anders ist als die Pendants aus Amerika etc.
Schlimmer hätte es für Kyun-Woo (Tae-hyun Cha) wohl nicht kommen können. Kyun-Woo rettet in der U-Bahn ein volltrunkenes Mädchen (Ji-hyun Jun) vor dem sicheren Tod, als er sie gerade noch von der Kante des Bahnsteiges ziehen kann, bevor die U-Bahn kommt. In der U-Bahn aber wird er sie nicht los, die sie zunächst ihre gegessenen Sachen über einen Fahrgast entleert, und Kyun-Woo auch noch „Honey“ nennt, warum auch immer. Natürlich fordern ihn die Fahrgäste auf, sich um sie zu kümmern, und so hat Kyun-Woo keine Wahl mehr. Irgendwie gelingt es ihm, das Mädchen in ein Hotel zu bringen, wo sie ihren Rausch ausschlafen soll. Als hätte er nicht genug Probleme (schon massig Geld ausgegeben etc.), so stürmt noch die Polizei sein Hotelzimmer und nimmt ihn wegen Vergewaltigung fest. Dies ist nur der Auftakt kurioser Ereignisse, denn das Mädchen zeigt sich weder dankbar oder noch zärtlich. Trotzdem verbringen sie viel Zeit miteinander, in der Kyun-Woo einiges zu überstehen hat. Was ist die Motivation des Mädchens, sich so zu verhalten? Trotzdem verliebt sich Kyun-Woo in sie, aber die Liebe scheint keine Zukunft zu haben...
So, die DVD stand lange im Schrank und nun habe ich es auch geschafft, mir diesen von allen Seiten hochgelobten Film anzuschauen. Und ich gebe es zu, es hat sich mehr als gelohnt.
Schon allein die ersten 15 Minuten in „My Sassy Girl“ sind lustiger als so manche Komödie, die ich gesehen habe. Dabei wird aber so gut wie auf diesen ganzen Fäkalmäßigen-Humor verzichtet, den man aus diesen ganzen US-Komödien kennt, nur zu Begin wird es einmal kurz ekelig, was aber eindeutig am Alkohol liegt. Sonst ist es eher eine Art Situationskomik. Kyun-Woo tritt wirklich von einem Fettnäpfchen ins andere und muss Dinge tun, die er sonst nie tun würde. Macht er es nicht, kommt das berühmte „Willst du sterben?“ vom besagten Mädel und spätestens dann hat Kyun-Woo keine Chance mehr.
Schauspielerisch ist „My sassy Girl“ überragend, dank der beiden Hauptdarsteller. Sei es Tae-hyun Cha, der es einfach drauf hat, einen faulen Studenten zu spielen, der nach der Begegnung mit dem Mädchen wirklich bis an seine Grenzen gehen muss. Er bringt seine Leistung glaubhaft rüber, von einem Typen, der das Mädel erst hasst, weil er sie durch die halbe Stadt schleppen muss, um sich später in sie zu verlieben, aber irgendwie nie zum Zug kommt.
Auch Ji-hyun Jun liefert eine Glanzleistung als namenloses Mädchen. Mal betrunken, dann zickig und dann wieder einfach bezaubernd, dies sind nur drei Rollen, die Jun meisterhaft spielt. Trotzdem ist dem Zuschauer eigentlich nie klar, warum das Mädchen sich so verhält, wie es sich verhält.
Normalerweise bin ich kein Freund von Romanzen, da dies mir meistens zu kitschig usw. ist. Doch bei „My sassy Girl“ ist es anders. Der Film ist zwar auch eine Romantik-Komödie, doch wird gerade das Romantische nie übertrieben wie in diversen Filmen, da Kyun-Woo ja nie die Chance bekommt. Wenn man denkt, jetzt könnte es klappen, verhält sich das Mädchen genau so, wie man es nicht erwarten würde. Dadurch entstehen halt die übermäßigen lustigen Momente, die einfach nur gelungen sind. Wenn Kyun-Woo Stöckelschuhe trägt, so was muss man gesehen haben. Was tun Männer nicht alles für Frauen.
Das Ende ist, ohne zu spoilern, einfach wunderbar gelungen, so sehe ich es jedenfalls. Sicherlich wird der eine oder andere sagen, aha, jetzt wird es kitschig, aber das sehe ich nicht so. Das Ende passt einfach hervorragend zum Film, irgendwann wird alles anders, auch wenn es weh tut. Und wer da eine Träne nicht verdrücken kann, braucht sich nicht zu schämen.
Und wer ganz genau aufpasst, wird sogar einen Hauch von Mystery erleben. Man sollte öfter mal genau zuhören, was das Mädchen gerade in der U-Bahn erzählt. Gegen Ende erlebt man dann eine kleine Überraschung.
Fazit: „My sassy Girl“ zählt zu den besten Filmen, die ich in diesem Jahr gesehen habe. Eine Komödie, romantisch angehaucht, aber nicht zu viel, da passt alles. Trotz der Lauflänge von fast 140 Minuten, wurde mir nie langweilig. Dank hervorragender schauspielerischer Leistungen, eine klassen Story und dem passenden Drumherum ist „My sassy Girl“ für mich mein Komödienhit im Jahre 2004. Ob allein oder mit dem Partner, diesen Film muss man gesehen haben, um vielleicht sogar gewisse Gemeinsamkeiten zu erkennen. Ich bin begeistert.