Heute die wahre Loves Story von Königin Victoria, die immerhin 64 Jahre auf dem englischen Thron saß und unter der das Empire seine größte Ausdehnung hatte (Kaiserin von Indien!) und ihrem Mann Albert, einem Vertreter eines unwichtigen deutschen Adelsgeschlechts. Victoria, unter deren Herschaft England zur unumstrittenen Weltmacht aufstieg, die Industrialisierung voran getrieben wurde, zu deren Lebzeiten Byron, Shelley, Lewis, Stoker, Wilde und vor allem Charles Dickens schrieben, diese Victoria ist also der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Eigentlich kennt man sie als alte, strenge Matriarchin, hier ist sie ein junges Mädchen, willenststark, aber unsicher, aufgewachsen im goldenen Käfig und von ihrer gesamten Umgebung (einschließlich ihrer Mutter) nur als politische Spielfigur gesehen. Emily Blunt schafft es, diese Rolle lebendig auf den Schirm zu bringen. Außer ihr sind fast alle anderen Figuren mehr oder weniger unsympathisch und versuchen, sie zu manipulieren. Ausnahmen sind da Albert und ihr Vorgänger auf dem Thron, Wilhelm IV.Thema des Films ist, wie sich die junge Frau durch die politischen Ränkespiele und Krisen (über die Frage nach ihren Hofdamen bringt sie eine Regierung zu Fall) laviert, dabei reifer wird und schließlich ihre große Liebe findet.
Das ganze ist also ein wenig wie Sissy, ohne Romy Schneider, aber mit etwas weniger Kitsch und dafür mehr Politik. Wenigstens ist Victoria nur ganz am Anfang für 2 Minuten krank, und auch die Operszenen gipfeln nicht in einer peinlichen Nabucco-Anspielung (wer nicht weiß, wovon ich rede - bei nächster Gelegenheit Sissy schauen. Mit einem beinharten Zyniker, der das ganze kommentiert). Sicher kein Film, der einen länger beschäftigt oder nahe geht, keine große Filmkunst - aber eine nette, durchgängig gut gespielte Liebesgeschichte, die man sich mit einem Faible für England und das englische Königshaus gut anschauen kann.