Review

Wir erinnern uns: Bei „Naked Fear“ rennt eine junge Frau nackt durch die Gegend und wird von einer Horde Jägern gehetzt. Die Gejagte entwickelt einen erstaunlichen Überlebenswillen und dreht den Spieß phasenweise um.
Dass diese Pseudo-Fortsetzung, mit völlig anderem Originaltitel, nur wenig mit dem Erstling gemein hat, könnten Freunde des Survival-Thrillers gewiss noch verschmerzen, nur:
Ein Zwei-Personen-Stück in der Wüste, fast gänzlich ohne Bewegung bounced gar nicht.

Schon deshalb, weil Opfer Valora (Kathleen Benner) ohne jegliche Verfolgungsszenen butz im Gewahrsam des Serienkillers Ridley (James Ray) landet und fortan weder Folter noch Verfolgung eine sonderliche Rolle spielen.
Am Rande ertrüffelt noch Valoras Opa, ein Kriegsveteran ihre Spur, während uns diverse Flashbacks weiß machen wollen, wie viel das Kind seinerzeit über das Leben und das Jagen vom Großvater gelernt hat.
Schade nur, dass sich die Trutsche als erwachsene Frau so doof anstellt…

Infolgedessen erfahren wir herzlich wenig über beide Parteien. Ridley ist ein Serienkiller und leidenschaftlicher Jäger, der seine weiblichen Opfer übers Internet in sein Domizil lockt.
Seltsam, wie dort sein Labtop ohne Strom funktioniert und auch das weltweite Netz wird wohl ausschließlich für ihn, den freiwilligen Eremiten, eine Ausnahme machen.
Von 43 Löchern in der Wüste ist die Rede, allerdings auch von „Blut lässt die Blumen blühen“, denn grenzdebile Dialoge dominieren weitgehend das Geschehen.
Die Off-Stimme des Peinigers bringt bei alledem natürlich genauso wenig wie die kläglichen Versuche Valoras, sich ab und an von den Fußfesseln befreien zu können, denn auf psychologischer Ebene handeln beide Lager nur halbherzig, um wenigstens die knappe Laufzeit von 82 Minuten zu verdaddeln.

Ergo mehr Drama, denn Thriller oder Horror, denn von nackter Angst fehlt weit und breit jede Spur. Schlimmer noch, - kaum kommt ein Hauch von Bewegung auf, macht die wackelige Handkamera jegliches Mitfiebern im Keim zunichte.
Man möchte ja, dass Valora ein wenig gequält wird, man sehnt sich ja eine finale Gerechtigkeit herbei, doch sobald auch nur eine Handschelle gelöst wird, führt ein undurchdachtes Kauderwelsch aus miesen Schnitten und Kameraperspektiven im Random-Format zu noch mehr Verdruss, so dass der eigentlich kahlköpfige Tunichtgut wie ein Scharmhaardackel aussieht.

Wir wollen ja nicht nur meckern, denn die beiden Darsteller folgen irgendwelchen Regieanweisungen so gut sie können und James Ray gelingt das immerhin mit etwas Präsenz, auch wenn die Figurenzeichnung nicht über das Bild eines psychopathischen Wanderpredigers hinauskommt. Kathleen Benner sieht man indes nicht naked, denn so sparsam der Streifen mit Splatterszenen (zwei Finger ab) umgeht, so geizt er im Vergleich zum titelgebenden Vorgänger auch mit nackter Haut.
Nein, ärgerlicher noch: Im letzten Drittel duscht der Fiesemöp, warum muss nicht mal die Frau sauber gemacht werden?

Kurzum: Der Film taugt nichts, weil er sich nicht traut, ans Eingemachte zu gehen.
Gut und Böse könnten sich gegenseitig zur Weißglut treiben, selbst eine Verfolgung durch die eindimensionale Wüstengegend wäre okay, doch stattdessen droht man ständig, schimpft ein wenig, lässt den Gentleman oder Bitch heraushängen, um nach wenigen Minuten wieder zum Ausgangspunkt der Nichtigkeiten zurück zu kommen.
Das ist weder spannend, noch in Ansätzen atmosphärisch, durchdacht ist die Chose schon gar nicht.
Untaugliches Zeug,
2,5 von 10

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