Müßte ich Bio Slime in fünf Worten zusammenfassen, meine Wahl fiele ohne lange zu überlegen auf "Lionel Messi vs. The Blob"! Doch bevor jetzt alle horrorfilmbegeisterten Fanboys des runden Leders in einen kollektiven Freudentaumel ausbrechen und ihrer orgiastischen Verzückung freien Lauf lassen, weil ihr feuchter Wunschtraum endlich - endlich! - Realität wurde, muß ich - so schwer es mir auch fällt - Entwarnung geben. Nein, Lionel Messi hat weder seine Treter an den Nagel gehängt, noch verdingt er sich nun nebenbei als Schauspieler in niedrigst budgetierten B-Movies. Das ist sehr schade, ich weiß, aber daran läßt sich leider überhaupt nichts ändern. Also muß man mit Vinnie Bilancio vorlieb nehmen, dem Hauptdarsteller von Bio Slime, weist dessen Äußeres doch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem argentinischen Wunderkicker auf. Seinem großen Gegenspieler wiederum, dem Bio-Schleim, kann man eine gewisse Ähnlichkeit mit der gallertartigen Masse, die sich fröhlich durch Filme wie The Blob (1958), Beware! The Blob (1972) und The Blob (1988) frißt, nicht absprechen. Insofern ist meine Umschreibung dieses unterhaltsamen, in zwölf Tagen gedrehten Streifens also gar nicht mal so weit hergeholt. Von den zwölf Tagen Drehzeit sollte man sich allerdings nicht täuschen lassen; die Post-Produktion dauerte anschließend noch fast zwei lange Jahre. Aber das Warten hat sich gelohnt. Oh ja, und wie es sich gelohnt hat.
Das wenig originelle Handlungsgerüst entspricht dem typisch-kostenschonenden, bereits unzählige Male gesehenen B-Movie-Szenario. Es gibt einen großen Hauptschauplatz (ein mehrstöckiges Wohnhaus, das schon bessere Tage gesehen hat), an bzw. in dem sich etwa fünfundneunzig Prozent des Geschehens abspielen, sowie zwei oder drei kleinere Locations für diverse Außenaufnahmen. Die Cast setzt sich aus einem guten Dutzend Männer und Frauen zusammen, die ihre Sache durchaus ordentlich machen, denen der Aufstieg in die A-Liga allerdings für immer verwehrt bleiben wird. Diese kleine Gruppe bekommt es dann mit einer unheimlichen Bedrohung (in diesem Falle einer brandgefährlichen Bio-Waffe, die außerirdischen Ursprungs sein könnte) zu tun, welche in einem aus einem Gen-Labor entwendeten Koffer haust. Besagter Koffer landet nämlich in der Bude des alkoholsüchtigen Malers Troy (Vinnie Bilancio, Rat Scratch Fever), und da der betrunkene und unter akuter Geldknappheit leidende Künstler gerade nichts Besseres zu tun hat, fummelt er auf gut Glück an den Knöpfen und Schlüsseln herum, mit denen der Koffer gesichert ist. Das puddingähnliche Ding läßt sich nicht lange bitten, entfleucht aus dem Behälter und macht sich in seiner neuen Bleibe breit. Sehr breit. Als erstes bekommt das eine Frau beim Duschen zu spüren. Als nächstes die Porno-Crew, die gerade eifrig am Ferkel-Filmen ist. Aufgrund eines unglücklichen Zufalls sind die Ausgänge des heruntergekommenen Gebäudes versperrt, weshalb Troy und seine Freunde (gespielt u. a. von Victoria De Mare (Killjoy 3), Kelli Kaye, Ronnie Lewis, Magic J. Ellingson, Monique La Barr (Transmorphers) und Pornostar Gia Paloma) nun im Haus ums nackte Überleben kämpfen müssen.
So weit, so gut, so bekannt. Was Bio Slime jetzt von den zahllosen anderen Filmen, die einen ähnlichen Plot aufweisen, unterscheidet, sind zwei Dinge. Erstens: Regisseur/Autor/Cutter John Lechago. Und zweitens: das Monster. Der in Kingston, Kanada, geborene John Lechago zeigte erstmals mit dem spottbillig produzierten aber überraschend launigen Monsterstreifen Blood Gnome (2004) auf. Doch das einschneidende Erlebnis, das ihn vom Filmemachen träumen ließ, fand schon viel früher statt. Bereits als Stöpsel trainierte Lechago Kampfsport, und Ende der Siebziger tat er das in einer Schule, die niemand Geringerem als Chuck Norris gehörte. So ergab es sich, daß einige Schüler, darunter auch Lechago, Filmluft schnupperten, da Norris sie für seinen Film A Force of One (Der Bulldozer, 1979) vor die Kamera holte. Nach Bio Slime landete Lechago bei Full Moon Pictures und inszenierte den dritten und vierten Teil der Killjoy-Saga, Killjoy 3 (2010) und Killjoy Goes to Hell (2012). Beide zählen mit zum Besten, was Full Moon in den letzten Jahren auf den Markt geworfen hat. Doch zurück zu Bio Slime und den Unterschied, den sein Auteur ausmacht. Lechago hat einfach Talent. Er hat Ambitionen. Er hat eine Vision, die er, so gut es ihm halt möglich ist, umsetzen will. Er nimmt den Film und die kantigen Figuren ernst, gibt sie niemals der Lächerlichkeit preis. Er hat ein gutes Gespür für Atmosphäre, und er versteht es, den Film flott und kurzweilig über die Runden zu bringen. Und ihm gelingen einige erstaunlich effektive Momente, die weit über das durchschnittliche B-Movie-Niveau hinausgehen. Natürlich leidet Bio Slime unter zahlreichen Schwächen, die so ein Low-Budget-Independent-Projekt unweigerlich mit sich bringt (man munkelt, das Budget lag bei etwa fünfzigtausend Dollar!). Aber Lechagos Regie ist gut genug, daß diese Schwächen kaum ins Gewicht fallen.
Wie schon erwähnt nimmt sich Bio Slime ernst. Kein billiger Humor, kein anbiederndes Augenzwinkern, keine ironischen Brechungen. Und das funktioniert blendend, nicht zuletzt wegen des Monsters. Die Kreatur stammt von Tom Devlin (F/X u. a. bei Daredevil, Killjoy 3 und The Lost Tribe) und tritt in verschiedenen Formen in Erscheinung. Mal ist es glibberig-zähflüssiger Schleim, mal ein gallertartiges Blobwesen. Mal ein hundgroßes, schneckenähnliches Krabbelvieh, mal ein bizarres Alptraumungetüm, das einem Gemälde von H. R. Giger entsprungen sein könnte. Und manchmal ahmt es auch die Menschen nach, die es sich zuvor einverleibt hat. Das ergibt dann z. B. einen nackten Frauenoberkörper, der in zappelnde Tentakel ausläuft. Der überwiegende Teil der Make-Up-Effekte ist Old School, d. h. die Schauspieler/innen werden mit echtem Schleim zugekleistert, die eine Kreatur ist ein Animatronic, die andere ein Mann im Latex-Kostüm. Und die Entscheidung, das Ding nicht digital zu tricksen, sondern mit guten, alten, handgemachten Effekten zum Leben zu erwecken und CGI nur unterstützend einzusetzen, ist Gold wert. Auch wenn nicht alle Effekte überzeugen, so ist es doch beeindruckend zu sehen, mit wie viel Einfallsreichtum, Engagement und Können die entsprechenden Sequenzen umgesetzt wurden. Hut ab vor dieser bemerkenswerten Leistung! Daß Lechago in einigen Szenen seinen großen Vorbildern (u. a. The Blob, The Thing, die Alien-Saga, The Evil Dead) etwas zu plump die Ehre erweist, läßt sich ebenso verschmerzen wie die zwar gefällige aber recht unnötige Portion Sleaze, die sich hin und wieder in den Vordergrund drängt (ich denke da z. B. an die Sequenz mit einer nackten, von Tentakeln umschlungenen Frau, die fast schon Hentai-Charakter hat). Und was dem deftigen Streifen an Gore fehlt, macht er mit Schleim locker wieder wett. Unterm Strich ist Bio Slime somit ein gelungener und ungemein unterhaltsamer Schocker der Güteklasse B, der aufgrund seiner kreativen und charmanten Machart weit mehr Eindruck hinterläßt, als man im Vorfeld zu hoffen wagte. Diese Low-Budget-Blob-Variante rockt!