Der böse Film im Film
Billigproduktionen im Horrorgenre gibts ja nunmal wie Sand am Meer und auch schon seit Bestehen des Genres, schliesslich galt das Genre schon immer als leicht verfilmbar bzw. auch so abgeschlagen, sodass die meisten Produkte kleine Video Nastys wurden, die höchstens im schmuddeligsten Undergroundkino Beachtung bekamen. Den B-Movie mit der eher schäbigen Thematik, die mit minimalistischen Mitteln umgesetzt wurden, hat neben seiner charmanten Faszination auch Spötter gefunden, gabs dort neben den kleinen symphatischen Produktionen auch schäbiger Mist, der nicht anderes konnte und wollte als zu schocken, aber eben halt vielmehr mit der Tatsache, extrem bedenklich oder selbstzweckhaft zu sein.
Der Snufffilm gehört somithin schon immer zu dieser Kategorie, hilt man den realen Tod fest, um ihn als Unterhaltungsmedium zu benutzen. Ob nun in solch dokumentatorischen Filmen wie Mondo Cane (1962), die scheinbar vor den Kopf stossen wollten, solch plumpen Ekelorgien wie Gesichter des Todes (1978), plakativer und unnötiger Tiersnuff in Kannibalenmovies (Nackt und zerfleischt, Make them die slowly) oder in gefakten Snufffilmen, wie Guinea Pig, die vollkommen ohne Plot Folterorgien zelebrierten und vorgaben real zu sein, hatte diese Filmausrichtung schon immer extrem exploitative Züge, gilt, auch vollkommen zurecht als verrohend und bedenklich, doch hat sicher so seinen Reiz. Ob man das nun als Unterhaltung ansehen kann, ist eine andere Sache, aber wenn ein Spielfilm sich diese Faszination vor Augen nimmt, indem im Film ein Film gedreht wird, dann kann daraus etwas werden.
Snuff Massacre nimmt sich dies zur Brust und auch wenn die Thematik gute Grundvoraussetzung liefert, mag es in Zeiten von SAW und Hostel gar nichtmal so neu erscheinen Folterorgien zu inszenieren, und Finnland gilt ja nicht erst seit gestern unbedingt als Horrorhochburg.
Snuff Massacre beginnt vielversprechend und düster, landet ein Paar aufgrund eines Autounfalles in einer abgelegenen Irrenheilanstalt, indem der hiesige Mann verarztet werden soll. Unmut macht sich breit, denn die dunklen Gänge, die aufreibenden Geräusche und absurd wirkenden Ärzte und Arzthelferinnen verheissen nichts Gutes, macht es den Anschein, dass hinter ihrer extrem gutmütigen Art, der pure Hass und Boshaftigkeit steckt. Wer nun natürlich ganz logisch denken kann, weiss, dass dieses Zentrum, als Klinik getarnt der Drehort für sadistische Grausamkeiten ist, und so wird dies auch allsbald die Frau des Mannes entdecken, die zuerst einen Raum mit reichlich Mordinstrument und Filmrollen entdeckt, sondern auch ihren Mann, der Beinamputiert, gefesselt, schönzurechtgemacht vor einer Kamera auf einer Barre liegt. Die Frau soll ihn töten. Der Mann will die Schmerzen nicht mehr etragen. Überwindung und dann....
Cut Cut Cut. Alles bloss inszeniert, von einem Filmteam, dass in dieser Klinik einen gestellten Snufffilm über reale Ereignisse drehen möchte, die in dieser Klinik von einem sadistischen Folterer stattgefunden haben sollen. Wir befinden uns an einem Set, was wir gesehen haben, nicht der richtige Film. Wer jetzt denkt, dies wäre ein origineller Schachzug in Sachen Drehbuch und eine spannungserweiternde Plotänderung, irrt sich, sind es die ersten 20 Minuten des Films im richtigen Filmes, die begeistern, ist der wahre Film, die Ereignisse am Drehort, die nach dem Cut stattfinden, der kleine aber feine Abstieg in die Bedeutungslosigkeit.
Auch wenn der Film ab dort geradlinig bleibt, driftet er immer mehr in Unlogik und ozeangrosse Logiklöcher ab, sodass der letzte Funken Interesse schwindet. Nicht nur, dass die Darsteller nichtmal ansatzweise symphatisch erscheinen, sind es nämlich Stereotypen der Sorte Drehortnutten, die sich in ihren Rollen hochschlafen wollen, Filmstudentenfuzzis, die alles besser wissen, und ein Regisseur, der an Grössenwahnsinn leidet. Und weil halt alles und keiner nicht so will wie er, der Film ins Stocken kommt, da Schauspielkunst und Budget fehlt, entscheidet sich der Möchtegernregisseur, nachdem sie tatsächlich Bildmaterial von dem inspirierenden Snufffilmer von damals finden, dazu, seinen gestellten Snufffilm durch richtige Aufnahmen aufzuwerten. Real ist besser als gestellt, doch dass damit die Laiendarsteller nicht einverstanden sind, ist klar und so spitzt sich die Situation schnell zu.
Die simple Foltergrundlage mit all ihren blutrünstigen Foltersets erscheint eigentlich unterhaltsam genug, doch leider mischt der Film mysteriöse Elemente herein, in der scheinbar geisterhafte Seelen von damals ihr Unheil tun, und auch ein bizarrer Zweitregisseur tut hier seine Runden. Das mag wohl das grösste Problem des Filmes sein, denn eine Rolle spielen die Geistererscheinungen nicht, und sie fallen auch irgendwann kommentarlos weg, sodass der Film zum reinen SAW Folterschmu verkommt, in dem die profillosen Unsymphaten von Darsteller um ihr Überleben zu kämpfen haben. Die Mauselochfalle in der sich zwei Männer mit Nagelbrettern bekriegen, und die Szene in der eine Kamera auf Schienen mit Spieß versehen aufspiesst, mögen noch die Highlights sein, doch einen Bezug zum Geschehen entwickelt man dabei nie, und auch die Effekte sind nicht so haarscharf, als das man zusammenzücken würde.
Da ist das Ende, dass nun genauso erscheint, wie die Szene des gestellten Filmes, bevor der Cut stattfindet, nur als einfältig, zumal die vermeintliche Protagonistin, die eben jene Szene damals spielte und jetzt real erlebt, bloss dumm.
Fazit:
Recht gut gemeinter Film im Film, der seine guten Ansätze im richtigen Film durch seine ekelhaften Darsteller und die wirren Mysterieelemente verspielt und selten bis gar nicht so explizit wird, sodass man wie in früheren Snuffnastys aus früherer Exploitationzeit angewiedert wegsehen möchte, aber es nicht kann. Ob der Film in einer ungeschnittenen Fassung intensiver sein wird, sei dahingestellt, aber der Film dürfte auch dort mehr als belanglos bleiben. Kann man sehen, muss man nicht, zumal die Goreeffekte zwar im Geschehen weg sind, aber die Ergebnisse die Billigkeit offenbaren dürften.
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