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Man muss nicht über hellseherische Kräfte verfügen, um voraus zu sagen, mit welcher Konstellation dieser Film endet. "Selbst ist die Braut" erfindet auch das Genre "RomCom" nicht neu, weshalb hier weder eine innovative Geschichte erzählt wird, noch neue Erkenntnisse im ewigen Kampf um den zukünftigen Lebensabschnitts-Gefährten gewonnen werden können. Bei der Beurteilung eines solchen Films, der reinen Unterhaltungszwecken dienen soll, stellt sich deshalb vor allem die Frage, ob er diesen Zweck auch erfüllt oder ob er mit kruden Konstruktionen, unglaubwürdigen Darstellerleistungen und vor allem dem üblicherweise von Hollywood transportierten reaktionären Familienbild das letzte bisschen Witz aus den Gesichtern treibt - und in dieser Hinsicht ist "Selbst ist die Braut" eine positive Ausnahme.

Vielleicht liegt das daran, dass Sandra Bullock nicht nur für die weibliche Hauptrolle, sondern auch für die Produktion des Films verantwortlich zeichnete und für die Rolle des "süßen Mädels", dass den "Richtigen" abbekommt, mit ihren 45 Jahren schlicht zu alt ist, auch wenn sie neben dem 12 Jahre jüngeren Reynolds nach wie vor eine sehr gute Figur macht. Leider verleugnet der Film etwas ihr tatsächliches Alter (Emma Thompson, die gerade einen Film über die Liebe im gehobenen Alter drehte, ist nur 5 Jahre älter), aber ihre Position als knallharte Chefin eines Verlages, bei dem Andrew Paxton (Ryan Reynolds) ihr Untergebener ist, ist glaubwürdig. Natürlich ist es nicht erstaunlich, dass sich hinter dieser Fassade auch das toughe Mädel verbirgt, dass Sandra Bullock seit "Speed" konsequent gibt, aber der Film verzichtet auf die übliche Degradierung der weiblichen Rolle und nimmt ihr durch ihre Veränderung zur Sympathiefigur nicht die Kompetenz.

Auch in "Selbst ist die Braut" wird die ewige Mär vom glücklichen amerikanischen Familienleben erzählt, dass die Hartherzigkeit der "Einsamen" bricht, genauso wie die gesamte Story in größtmöglicher materieller Sicherheit eingebettet ist, aber das Spiel der Protagonisten untereinander stimmt. Der Humor, der dabei entwickelt wird, setzt weder auf knalligen Slapstick noch primitive Anspielungen, sondern bleibt fast altmodisch in seiner Angemessenheit, was auch daran zu erkennen ist, dass weniger verklemmt mit Sexualität und Nacktheit umgegangen wird. Das Betty White als Andrews 90jährige Großmutter für komische Elemente sorgt, war abzusehen, aber auch Mary Steenburgen als Mutter Paxton reiht sich in die frischen weiblichen Figuren ein, die ihren klischeehaften Rollen mit größtmöglicher Lockerheit begegnen. Selbst der nach „Luxusproblem“ riechende Vater-Sohn-Konflikt wird nicht in der üblichen harmonischen Form „gelöst“, sondern darf schlicht bestehen bleiben, woran erkennbar wird, das der Film zwar übliche Muster verwendet, aber immer knapp am peinlichen Sendungsbewusstsein sonstiger „RomComs“ vorbei zieht.

Es mag seltsam klingen, aber „Selbst ist die Braut“ ist weniger deshalb eine ordentliche Komödie geworden, weil der Film so gut ist, sondern weil er nicht so viele Fehler macht, wie die meisten seiner Genre-Ableger. Den Protagonisten ist der Spaß an der Sache anzumerken und wer weder den intellektuellen Witz klassischer Screwball - Komödien, noch trashige Brüll-Witze erwartet, kann sich diesen Empfindungen für eine Filmlänge anschließen (6,5/10).

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