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Fans des Regisseurs Richard Linklater schätzen ihn nicht nur für seinen erzählerischen Mut, mit dem er immer wieder Konventionen sprengt (am effektivsten und beeindruckendsten wohl mit seinem über zwölf Jahre gedrehten „Boyhood"), sondern auch für sein Faible, die Rollen in seinen Filmen mitunter unkonventionell zu besetzen. So verwundert es auch hier auf den ersten Blick, dass er ausgerechnet den Teenie-Schwarm Zac Efron, berühmt geworden mit Disneys „Highschool Musical"-Filmen, für die durchaus komplexe Rolle eines New Yorker Schülers besetzt, der mehr oder weniger zufällig als Nebendarsteller in einer Shakespeare-Aufführung von Orson Welles landet. Die Begegnung mit dem menschlich schwierigen Genie und den verschiedenen Charakteren der Theaterriege verändert sein Leben für immer.

Der Film, der angesichts von berühmten Werken wie der „Before"-Trilogie oder eben „Boyhood" wohl eher zu Linklaters Nebenwerk gezählt wird, pendelt durchaus gekonnt zwischen Einblicken in das zwischenmenschliche Leben mit dem großen Kunst-Genie und einer recht gewöhnlichen, aber interessanten Coming-of-Age-Geschichte. Efron verleiht dem jungen Schüler viel Charme, wenn auch vielleicht ein klein wenig zu viel Selbstüberzeugung - verbunden mit einer gehörigen Portion Naivität, mit der er sogar eine Affäre mit der allseits angehimmelten Regieassistentin Sonja (Claire Danes) beginnt. Sein Leben zwischen Schule, der beschützenden Mutter und den Verlockungen des Kunstbetriebs ist der eigentliche Kern der Handlung, die sich langsam und in gemächlichem Erzählton entfaltet.

Die Begegnung mit Orson Welles (Christopher McKay) bleibt dabei trotz viel Screentime eher nebensächlich. So kommen Welles-Fans wohl nur bedingt auf ihre Kosten, können sie das Genie immerhin direkt bei der Theaterarbeit beobachten - hin- und hergerissen zwischen endloser Faszination für die Kunst und permanenten egomanischen Wutausbrüchen. Welles wird hier gezeichnet als gnadenloser Künstler, der menschliche Beziehungen konsequent seinen Visionen unterordnet, Egoist und schamloser Frauenheld, der auch nicht davor zurückschreckt, seine hohe Stellung im Kunstbetrieb für seinen erotischen Erfolg zu nutzen. Das wird in oft beinahe nebensächlichem Ton erzählt und wie selbstverständlich dargestellt - ein kleiner zynischer Tupfer in diesem sonst eher von Ehrfurcht geprägten Werk.

Ehrfurcht vor der Kunst, wohlgemerkt, nicht vor dem Menschen. Die Probenszenen überzeugen bereits durch authentische Darstellung von Konflikten und Regieanweisungen - der wahre Höhepunkt ist aber die Premiere des Stücks, die zwar nur ausschnittweise gezeigt wird, aber selbst in dieser Form schon die tiefe Faszination der Künstler für ihr Kunstwerk offenbart. Intensive Szenen der Tragödie erzeugen hier eine fesselnde, Gänsehaut bereitende Atmosphäre, sodass man selbst als Zuschauer erleichtert lächelt, als das Publikum schließlich in donnernden Applaus ausbricht.

„Ich und Orson Welles" ist ein angenehm zurückhaltend inszenierter, klassisch erzählter Film über Kunst und Künstler, über das Menschsein in schwierigen Zeiten und das Heranreifen des Charakters. Angesichts der Zeit, in der er spielt, hätte er durchaus ein wenig politischer ausfallen können, aber Linklater versteht es, etwaige inhaltliche Unebenheiten durch seine geschickte Schauspielerführung und schöne Bilder zu übertünchen. Vielleicht nur ein Nebenwerk, aber nicht nur für Fans auf jeden Fall empfehlenswert.

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