Review

Kein Handy-Empfang, der warnende Alte an der Tankstelle und abweisende Einheimische in einer gottverlassenen Gegend, - da kommt mal wieder alles zusammen, was die Zutaten eines gängigen Backwood-Slashers betrifft. Die Legende einer Albino Farm muss hier als Bedrohung für vier Studenten herhalten, gespickt mit einigen Bibelzitaten und Anleihen von „The Descent“: Wahrlich kein Feuerwerk an ausgereiften Ideen, aber ein brauchbar inszeniertes Sammelsurium.

Denn immerhin haben es die Regieneulinge Anderson/McEwen verstanden, konstant an der Spannungsschraube zu drehen, die bedrohliche Atmosphäre immer dichter werden zu lassen und die Lage der letzten Überlebenden ins schier Ausweglose zu katapultieren.
Leider hat man es mit der Figurenzeichnung der vier nicht so genau genommen, so dass neben einem filmenden Inder und der Vernünftigen das etwas feiersüchtige Pärchen eher zum Kanonenfutter gezählt werden darf.
Gelungen ist demgegenüber der zunächst glaubhafte Verlauf, allen Gerüchten über die Legende mit einem ungläubigen Lächeln zu entgegnen und sich über die Einheimischen lustig zu machen.
Als die leicht notgeilen Jungs zunächst nur Augen für die Oberweite einer Kellnerin haben, dann aber ihre verkrüppelte Hand zu Gesicht bekommen, kippt so langsam die Stimmung.

Etwas ärgerlich hingegen entpuppen sich einige Verhaltensweisen der Studenten, denn wer bitte lässt seine Freundin vor drei unberechenbaren Hinterwäldlern blank ziehen und steigt dann noch zu denen ins Auto ein, damit die einen zur Farm kutschieren?
Dass man letztlich immer wieder die einzig vorhandene Waffe liegen lässt und grundlegend nie auf die unmittelbare Lösung kommt, scheint innerhalb des Genres schlicht unausweichlich, doch die vier legen sich auffällig viele Steine selbst in den Weg.

Auf der anderen Seite gibt es schließlich die Bösen in Form missgestalteter Kreaturen.
Da hat die Maske sehr akkurat Maß angelegt und viele verschiedene Entstellungen gezaubert, die von verkrüppelten Gliedmaßen, zu überdimensionalen Lippen bis zu zombieartigen Köpfen reichen. Zwar sorgen die grummelnden Monster nicht immer für Unbehagen und im Fall einer Figur mit Brautschleier und entblößten Brüsten eher für Auflockerung, doch gegen Ende steigt durchaus der Konfrontationsgehalt und mit ihm die Anzahl der blutigen Szenen.

Jene sind nicht zu überladen ausgefallen, auch wenn die Kamera in solchen Momenten sehr gerne zoomt und einen Kehlenschnitt, zweimal Armbruch und Genickbruch, sowie das Durchbohren eines Kiefers detailliert einfängt.
Die Qualität der Effekte geht völlig in Ordnung, gleiches gilt für die Kamera und das Editing, nur darstellerisch sollte man keine Glanzleistungen erwarten.

Genauso wenig darf man mit einem Twist rechnen, denn alles verläuft bis zum Abspann vollkommen erwartungsgemäß, zwischen Weglaufen, Beobachten, Gegenwehr und Verschanzen ist im letzten Drittel zumindest eine Steigerung auszumachen, ebenso gefällt die angemessene Auflösung, welche sich nicht zu eindeutig festlegt.
Blöd nur, dass man kurz vor Ende bereits zum zehnten Mal darauf hindeutet, dass da etwas nicht stimmt, während bereits das Fahrzeug der Studenten verschrottet wurde, ständig etwas durchs Geäst huscht und selbst eine stillende Oma in einer Kirche kaum Fragen aufkommen lässt. Aber so sind sie eben, die potentiellen Opfer eines Slashers.

Die Albino Farm bringt dem Genre ergo keine neuen Erkenntnisse, noch setzt sie diesbezüglich einen Meilenstein.
Die Sache verläuft kurzweilig, pendelt das gesunde Mittelmaß zwischen blutigen Auseinandersetzungen und schleichender Bedrohung recht gekonnt aus und weiß in einigen Momenten stimmungsvolle Akzente zu setzten.
Für eine einmalige Sichtung sollte dies dem geneigten Fan ausreichen, mehr als ein solider Beitrag ist das alles jedoch nicht.
6 von 10

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