Wer nach "Nemesis 3 - Die Entscheidung" gedacht hat, es ginge nicht mehr schlechter, der hat die Rechnung ohne Albert Pyuns glorreichen Abschluss der "Nemesis" Saga gemacht. "Nemesis 4 - Engel des Todes" ist nochmal ein gewaltiges Stück mieser, eigentlich bedaunernswert, denn "Nemesis" aus dem Jahr 1993 gehört mit Abstand zu Pyuns besten Filmen. Die drei Sequels wurden aus Kostengründen direkt hintereinander in Szene gesetzt, die Drehbücher schrieb Meister Pyun höchstpersönlich. Hier darf man Pyuns Verstand wirklich in Frage stellen, denn dieses Machwerk als Trash zu bezeichnen wäre eine Beschönigung. Für den Zuschauer heißt es: Augen zu und durch! Ein winziges Trostpflaster, "Nemesis 4" ist der kürzeste Teil der Reihe.
New York im Jahr 2080: Seit dreizehn Jahren ist Alex Sinclair (Sue Price) nun Auftragskillerin für den mysteriösen Bernardo (Andrew Divoff). Sie erhält einen letzten Auftrag, als Prostituierte getarnt einen Mann zu töten. Doch Alex erwischt ausversehen den Sohn eines mächtigen Gangsters. Der setzt 100 Millionen Dollar auf Alex Kopf aus, was diverse Killercyborgs auf den Plan ruft. Und wer ist diese geheimnisvolle, schwarz gekleidete Lady (Blanka Copikova), welche Alex ständig verfolgt. Bald ist sich Alex sicher, dass ihr Auftraggeber sie reingelegt hat. Sie erhält Hilfe von ihrem einzigen Freund, dem Berufskiller Johnny Impact (Simon Poland).
Während die Vorgänger stets aneinander anknüpften, bildet der letzte Teil eine Ausnahme. Die Vergangenheit und Ostafrika sind vergessen, "Nemesis 4" spielt im zukünftigen New York. Auch ist Alex hier ein Cyborg und schon lange als Berufskillerin unterwegs. Trotzdem blendet Pyun während der überlangen Titelmelodie wieder einige Szenen aus den Vorgängern ein und dies sind witzigerweise noch das beste am ganzen Film. Auch das Aussehen von Bodybuilderin Sue Price hat man verändert, jedoch nicht zum Positiven. Den Großteil des Films läuft sie splitternackt durch die Gegend, das lange blonde Haar und das auffällige Make up will überhaupt nicht zu ihr passen. Da kann Pyun noch so viel Nahaufnahmen ihres Körpers einblenden, für den Zuschauer ist das eher abstoßend. Die Story ist unterste Schublade, dies will Pyun mit beinahe perversen Sexorgien kaschieren. Da fährt der Cyborg eine Art Penis aus seinem Bauch und steckt ihn Alex in den Bauchnabel. Aber noch viel besser, Alex kann zwei Schläuche aus ihren aufgeblasenen Titten schießen lassen, die sich einem Cyborg durch den Kopf bohren. Das Ganze verziert Pyun mit jeder Menge Glibber und blauer oder grüner Flüssigkeit, die aus den Cyborgs heraussudelt.
Schon der Auftakt ist eine einzige Lachplatte, als Alex wie eine Domina gestylt einem Pfarrer im Beichtstuhl das Genick bricht. Pyun verwöhnt uns wieder mit vielen grottenschlechten Effekten, auch dem billigsten Hubschrauberabsturz in der Geschichte des Films. Mit nur einer Kugel holt Alex den Heli vom Himmel, richtige Actionszenen lässt der Film ganz vermissen. Einzig brauchbare Szene ist der Überschlag eines Autos mit anschließender (handmade) Explosion. Doch ansonsten quatschen sich unsere Charaktere lieber voll, anstatt sich zu beharken. Die Dialoge sind unter aller Sau, selbst die unfreiwillige Komik fällt flach. Vor allem wiederholt man sich ständig, besonders der einfältige Dialog zwischen Alex und Tokuda dauert ewig. Auch drückt man sich schon wieder ausschließlich in irgendwelchen Häuserruinen herum. Von New York nicht die kleinste Spur und den recycelten, zudem sehr eintönigen Score kann man irgendwann nicht mehr hören. Immerhin der letzte Auftritt der muskelbepackten Sue Price vor der Kamera, doch man darf sich zu Recht fragen, warum sich Andrew Divoff (Wishmaster, The Rage) und Norbert Weisser (Pollock, Ultimate Chase) für solch einen Schund hergeben.
Die schlechtesten Filme aller Zeiten, in diese Kategorie muss "Nemesis 4" aufgenommen werden. Selbst die eigentlich kurzen 76 Minuten Laufzeit sind für diesen Endzeitschrott viel zu lang. Hier ist alles unterste Schublade, ich weiss nicht was für ein Kraut Pyun hier geraucht hat, aber man ist selbst vom Trash meilenweit entfernt.