Irgendwie sind die Klassiker nicht mehr das, was sie mal waren.
Das liegt jetzt weniger an dem Wandel der Zeiten, der ihnen nicht gut mitgespielt hat, sondern vielmehr an dem vermuteten Kinogeschmack der Massen, die auf rasante Kämpfe und übersichtliche Geschichten setzen, wie die Demoskopen Hollywood vermutlich berichtet haben.
Alles was von den 80ern bis heute den klassischen Abenteuergeschichten in Tinseltown angetan wurde, kann man sich zwar nicht zuletzt wegen Staraufgebot oder Kämpfen ansehen, der Substanzverlust ist aber unübersehbar, wobei gebügelter Quark wie „The Musketeer“ noch ein Teenieetage tiefer rutscht wie Starvehikel a la „Die Drei Musketiere“ oder annehmbares Old-School-Gefechte wie „Der Mann mit der eisernen Maske“.
Auch der „Graf von Monte Christo“ hat Federn lassen müssen, nicht mal das übliche H im Inselnamen ist erhalten geblieben.
Das gibt den Ton schon vor: kurz und schnell muß es heute sein, da erscheint es fast wie ein Wunder, dass man für den Prolog, die Einkerkerung im Chateu D’If und die Flucht so viel von der Filmzeit aufgewendet hat. Bis dahin bewegt sich der Film auch noch über dem Plansoll, denn Guy Pearce ist ein hingebungsvoll unterdrückt fieser Schurke, Caviziel gibt sein Möglichstes (er ist eben nicht einer der schillernsten Darsteller) und wird doch mit solchem Verve von einem munteren Richard Harris als Abbe Faria an die Wand gespielt, dass es eine wahre Freude ist.
Sobald aber der zweite Teil der Handlung (und der umfangreichere), nämlich der Rachefeldzug angegangen wird, kürzt das Skript die Story bis auf das Nötigste, ich würde beinahe sagen, bis zur Unkenntlichkeit zusammen, lässt die Bösen geradezu auffallend schnell in die Schliche Edmond Dantes plumpsen, bis sie sich in ihren eigenen Intrigen aufgehängt haben. Einiges benötigt man ja auch noch für die verflossene Liebesgeschichte, aber für des Grafen Innenleben bleibt einfach zu wenig, damit man am Ende wenigstens noch einen ausufernden Schlußfechtkampf bieten kann, inmitten eines blühenden Feldes.
In bester Actionmanier zur simplen Rachestory reduziert, bei der nebenbei noch Familienzusammenführung galore betrieben wird, angereichert mit einem extrem dollen Happyend für alle GUTEN Beteiligten, kocht der Film auf die wesentlichen (und bekanntesten) Plot Points ein, gegen die auch die bemühten Darsteller nicht bestehen können, sei die Ausstattung nun so gelungen wie nur eben möglich.
Dankbar kann man sein, dass auf die absoluten Modernisierungen in Sachen Kampf verzichtet wurde und es bei einer Historienstory der alten Sorte blieb – jedoch braucht man dann einen Darsteller, der Strahlkraft und Tiefe in sich vereint, wovon Caviezel leider nur Letzteres besitzt.
Dennoch wird sich ein Teil der MTV-Generation problemlos unterhalten gefühlt haben und das soll auch nicht kaputt gemacht werden, jedoch auch ohne Vorlagenpurismus ist die Simplizität der zweiten Filmhälfte eine kleine Enttäuschung.
Dagegen wirkt sogar die sonst sehr TV-biedere Chamberlainverfilmung besser durchkonstruiert.
Fazit: wohldosierte Abendunterhaltung, jedoch sehr nah am Fast Food! (6/10)