Im Bereich der neueren Dumas-Verfilmungen ist „Monte Cristo“ recht unterhaltsam, weitaus besser als der 98er „Der Mann in der eisernen Maske“, aber nicht ganz so gut wie „Die drei Musketiere“ von 1993.
Edmond Dantes (James Caviezel) und Fernand Mondego (Guy Pearce) sind Freunde; Edmond aus armem, Fernard aus reichem Elternhaus. Beide fahren jedoch gemeinsam zur See, müssen jedoch Elba ansteuern, als ihr Kapitän schwer erkrankt. An Land entkommen sie nur knapp englischen Dragonern, finden jedoch Unterschlupf bei dem dort im Exil lebenden Napoleon Bonaparte – für den Kapitän kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Dabei verzichtet der Auftakt auf große Action, selbst die Konfrontation mit den Dragonern ist recht kurz gehalten.
Napoleon gibt Edmond einen Brief mit – angeblich für einen alten Freund. Doch Fernand verrät Edmond, weil er eifersüchtig um dessen Verlobte Mercedes (Dagmara Dominczyk) ist. Edmond wird in Haft genommen und für tot erklärt...
Dabei verfilmt Kevin Reynolds „Der Graf von Monte Cristo“, wie der Roman an sich heißt, ziemlich adäquat und lässt sich dabei beim einleitenden Teil überraschend viel Zeit. Er stellt die Gegner von Dantes ausführlich vor und präsentiert auch die Kerkerhaft, bei der Edmond von seinem Mitgefangenen Abbé Faria (Richard Harris) fechten sowie den gesellschaftlichen Umgang erlernt, umfangreich. Kurz gehalten die Episode, in der Edmond den Schatz birgt und sich als Graf von Monte Cristo ausgibt, auch der Rachepart ist nicht ganz so ausführlich.
Daher leidet „Monte Cristo“ ein wenig an Temposchwierigkeiten, da es nach der recht langen Hinführung teilweise extrem flott vonstatten geht, doch recht spannend wurde der Stoff schon aufbereitet. Die Hintergründe der Intrige gegen Dantes werden ausführlich geschildert und teilweise ergeben sich für Nichtkenner des Romans Überraschungen, z.B. was den Sinneswandel des Staatsanwalts bei Edmonds Verhör herbeiführt. Gegen Ende hat „Monte Cristo“ kleine Hänger, gerade in den Szenen zwischen Edmond und Mercedes, doch dies schmälert den Gesamteindruck nur geringfügig, da Kevin Reynolds die Geschichte ziemlich kurzweilig erzählt.
Action kommt dabei eher kurz, doch ein paar Konfrontationen mit Messer, Degen und Pistole hat „Monte Cristo“ schon zu bieten. Diese sind dann auch schön Old School inszeniert (im Gegensatz zu Filmen wie „The Musketeer“) und recht schick choreographiert, wenngleich die Actionszenen nie ausufern. Aber darauf liegt das Hauptaugenmerk auch nicht, stattdessen auf dem Rachefeldzug Edmonds, der nicht nur Mord, sondern auch Demütigung seiner Gegner beinhaltet.
Opulent sind zudem die Bilder, denn Kevin Reynolds inszeniert das Treiben mit einigem Aufwand, sorgt für schicke Szenen bei Adelsfesten, aber auch für düstere Stimmungen in Katakomben und Seitenstraßen. Auf Computertricks greift „Monte Cristo“ dabei dankbar selten zurück, ganz im Geiste der Old School Inszenierung sind hier öfter Ausstattung und aufwendige Kulissen gefragt, die dem Ganzen Charme verleihen.
James Caviezel als Graf erbringt eine ordentliche Leistung, kann jedoch nicht ganz gegen Guy Pearce an. Dessen Part trägt zwar starke Züge von seiner „L.A. Confidential“-Rolle, wurde jedoch hier zum waschechten Bösewicht und als solcher ist Pearce herrlich arrogant. Luis Guzman als Edmonds späterer Sidekick ist mal wieder klasse, Richard Harris als Mentor ebenfalls gut. Dagmara Dominczyk wirkt in der Männerriege hingegen immer etwas blass und kann nicht so wirklich punkten. Ebenfalls mit dabei: Michael Wincott, natürlich wieder als Fiesling; zwar nur in kleiner Rolle aber klasse wie gewohnt.
Der ganz große Wurf ist mit „Monte Cristo“ zwar nicht gelungen, denn dafür hätte es etwas mehr an Tempo und Schauwerten sein müssen, doch Kevin Reynolds Film bietet kurzweilige, altmodische Unterhaltung mit Charme und ohne größere Hänger.