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Wenn man in den 80ern Geld sparen wollte, so drehte man oft einen Zeitreisefilm, um das Geschehen ins Jetzt zu versetzen. Die Rückkehr der Zeitmaschine ist noch kostengünstiger inszeniert als wohl alle anderen Werke des Genres und doch hat die Umsetzung des Buches von Günter Kunert als Fernsehspiel etwas ganz besonderes.
Deutschland im Jahr 1925. Ein Internist stößt in einem Antiquitätengeschäft auf etwas, was er als einen verkannten Schatz zu erkennen glaubt. Was er nach einigem eloquenten Palaver dieses Kammerspiels schließlich seinen Freunden zu enthüllen glaubt, ist ein Steampunk-Meisterstück, eine Zeitmaschine, für Kenner der H.G. Wells Adaption von 1960 zwar erkennbar ähnlich, aber nicht identisch mit dem dort präsentierten Stück.

Inhalt der Rede ist nun die Lust und Gier, dies Objekt schließlich zu nutzen. Hierzu muß ein Futuronaut auserkoren werden, was sich als ungleich schwierig erweist. Als es bei einem Umtrunk schließlich ad hoc, andächtig untermalt von einer Synthetisierung von Wagners Walkürenritt, zur gewünschten Fahrt kommt, offenbart Die Rückkehr der Zeitmaschine nun den Quell der Pointe für dieses recht trocken auf Satire gemünzten Fernsehspiels.
Nicht die Reise ist Inhalt der Erzählung. Es ist das bange Warten der in der Gegenwart verweilenden, die auf die Rückkehr harrend sich nun ein um den anderen Vorwurf auferlegen. Da sitzen sie nun, die gebildeten Herren, ohnmächtig einer Technik ergeben, die sie weder beherrschen noch von dort aus kontrollieren können. Auf die reine Weste müssen sie nun möglicherweise den Schandfleck übernehmen, jemanden blindlings und wohl auch aus eigennützigen Motiven in eine Zukunft geschickt zu haben, von der sie nicht wissen, ob es dem Probanden ein Verderben werden wird.

Nur so viel sei noch verraten, es wird in Die Rückkehr der Zeitmaschine eine Nachricht aus der Zukunft geben, die kühnste Erwartungen der Zeitgenossen übertrifft. Vielmehr noch wird sie die Reflektion von Verantwortung und Ausmaß weiter anfachen, ohne daß der Blick das Haus des Doktors weiter als den angrenzenden Garten im Jahre 1925 verlassen wird. So sind es dann auch die Dialoge, welche den Eindruck dieses höchstinteressant konzeptionierten Filmes steuern. Nicht zu tief in die Materie der Raum/Zeitphänomene eintauchend, was möglicherweise einfach dem Kenntnisstand der Figuren geschuldet ist, gibt sich das Fernsehspiel des Saarländischen Rundfunks für den durchschnittlichen Zuschauer recht zäh, beansprucht aber auch ein geneigtes Publikum ein wenig. Für die recht lange Laufzeit von 114 Minuten hängt man den sympathischen Darstellern, darunter Peter Pasetti just etwa zu der Zeit, in der er unter anderem auch der Hörspielkultfigur Skeletor die Stimme lieh, an den Lippen, um jedes Detail der Geschichte auszukosten.

Begeistert ist man als Zeitreisefan dann schließlich von der unkonventionellen Umsetzung, mit der ausgerechnet eine deutsche Fernsehproduktion völlig andere Einblicke in die ansonsten gewohnten Abläufe bietet. Dies deutet schon etwas auf die Öffnung hin, die man Die Rückkehr der Zeitmaschine schuldig ist. Bei typischer Farbgebung eines 80er Fernsehbildes doch nahezu an eine 60er Jahre Darstellung eines viktorianischen Sets erinnernd, erweist sich der Film am Ende zwar als feinsinnig, jedoch nicht definiert auf den Punkt gebracht. So kann Jürgen Klauß’ Film zwar eine indirekte Moral bieten, die eigentliche Intention des Autors bleibt jedoch, unter anderem ob des recht schwammigen Hangs zur Satire, schleierhaft.
Wenngleich als Film nicht meisterlich, so sind es doch die so simpel auf der Hand liegenden Perspektiven, mit denen Die Rückkehr der Zeitmaschine Freunde des Genres zum Jubellieren bringen dürfte. Einfach mal nicht wild auf einem Zeitstrahl herumzusausen ist so simpel und doch erfreulich, weil die moralischen Aspekte einer Zeitreise ungestört fokussiert werden können. Allein deshalb gehört dieses Werk in eine gepflegte Sammlung.

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