Auch wenn die Heinz-Erhardt-Ära schon lange zurückliegt, kennt wohl jeder irgendeinen Spielfilm von ihm, denn sein Erbe wird auch heute noch durch die alljährlichen Wiederholungen hochgehalten. Dabei muss ich sagen, dass seine schauspielerische Art zwischen brav-bieder bis zuweilen auch albern schwankend mir nicht unbedingt zusagt und ich seine Bühnenauftritte für weitaus gelungener halte, da diese sich auf das wesentlichste konzentrierten, nämlich seinen auf den Punkt gebrachten Wortwitz mit Kalauern, über die man noch heute schmunzeln kann. Hingegen wurde in den Filmen sein komödiantisches Talent oft verwässert durch eine allzu banale Rahmenhandlung. Zudem hat es ein Film schwer, wenn er von einer Hauptfigur getragen werden muss oder sich in der Qualität nur auf diese reduziert.
Auf den ersten Blick scheint „Der Haustyrann" ein typischer Erhardt zu sein. Paul Perlacher als gestresster Vermieter, Familienvater und Kaffeehausbesitzer - auch in etwa in dieser Reihenfolge - in einer Zeit, in der man in Deutschland vom Wirtschaftswunder sprach, passt hervorragend in die Vita des Humoristen. Doch hinter der Fassade tun sich aberwitzige Abgründe auf, denn diese Komödie ist weitaus galliger ausgefallen als die üblichen Erhardt-Streifen. Erhardt ist hier derart aufgeladen, dass man denkt, er würde jeden Moment explodieren. Als überdrehter Vollblutcholeriker scheint ihm sogar die Fliege an der Wand zu ärgern und die Menschen in seiner Umgebung, allen voran seine renitente Mieterin Frau Hartung, würden wohl lieber das Weite zu suchen. Doch erstaunlicherweise bleibt sie in der Wohnung, wohl auch, um den Sieg vor Gericht gegen Perlachers Räumungsklage auszukosten. Willkommen in einer Welt voller Gehässigkeiten.
Dabei ist Perlacher eine zutiefst widersprüchliche Figur. Einerseits ist er selbst in seinem spießbürgerlichen und moralistischen Kosmos gefangen, andererseits rebelliert er gegen die Zustände, die ihm zuwider sind und zieht dabei im Kampf für mehr Gerechtigkeit gegen die Obrigkeit zu Felde. Das macht ihn gerade dann aber auch sympathisch, wenn er im Gerichtssaal mit völlig unkonventionellen Methoden das Tribunal außer Fassung bringt und dabei seiner konsequenten Art treu bleibt. Als Kämpfer für Gerechtigkeit lässt man sich nicht verbiegen und zieht sogar in den Knast ein, wenn es denn sein muss. Dabei war der Anlass ein nichtiger und macht den Amtsschimmel unnötig lächerlich. Beamte verstehen eben keinen Spaß, wenn man ihnen mit dem berühmten Götz von Berlichingen-Zitat entgegnet. Dass Perlacher dieses Zitat nur andeutet, unterstreicht die Kleinkariertheit und die bornierte Haltung staatlicher Vertreter und könnte auch heute noch gut in die Zeit passen, was bei einem Erhardt-Film schon verblüfft.
Schade, dass der Film teilweise die Schärfe wieder verliert und gerade dann unangenehm ausleiert, wenn Heinz Erhardt mal nicht im Bilde ist. Damit teilt er in dieser Hinsicht das Schicksal der anderen Erhardt-Komödien. Die Musik-Einlagen im Kaffeehaus sind zwar ganz nett gemeint, wirken aber eher wie verirrte Fremdkörper. Und wenn man eine Liebesgeschichte des Fräulein Tochter mit einbaut, hätte man sich noch die eine oder andere Spitze in Richtung Liebhaber seitens Perlachers gewünscht, doch da kommt ein bisschen wenig rüber. Und mag Perlachers Wandlung zu einem umgänglichen Mitmenschen auch etwas Märchenhaftes anhaften, dennoch zählt „Der Haustyrann" zu den besseren Filmen des Komikers, da es aufgrund der satirisch-bitteren Untertöne auch mit der Halbwertzeit noch zu stimmen scheint.