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Carl Fredericksen hatte bereits seit seiner Kindheit einen Traum: Er wollte nach Südamerika reisen, um die Paradise Falls zu sehen. Mittlerweile ist er ein 78jähriger Witwer, dessen Grundstück nun durch einen Gerichtsbeschluss enteignet werden soll. Aus seiner Zwangslage heraus macht er sich nun daran, seinen Kindheitstraum zu verwirklichen, wofür er tausende Heliumballons an sein Haus bindet, um mit diesem nach Südamerika zu fliegen. Mit unterwegs ist ein junger Pfadfinder, der sich beim Abheben auf seiner Veranda befand.

Wenn es ein Studio gibt, dass nun schon seit Jahren für gute und weitestgehend gleich bleibende Qualität steht, so ist dies vor allem Pixar, man denke nur an die beiden letzten Werke, "Ratatouille" und "Wall-E", die das Unternehmen im Dienste von Disney herausbrachte. Und auch diesmal sind es nicht nur die hervorragenden CGI-Effekte und die detailverliebte Umsetzung, die das neuste Pixar-Produkt auszeichnen.

Wie zuletzt bei "Ratatouille" und "Wall-E" gelingt auch hier der Spagat zwischen einem Film, der als Klientel natürlich in erster Linie die jüngeren Zuschauer bedient, aber auch für Erwachsene überaus sehenswert ist. Und, dass dieser Spagat alles andere als einfach zu meistern ist, hat ja unter Anderem "Ice Age 3" zuletzt bewiesen.

Carl Fredericksen wird in den ersten Minuten gelungen konstruiert, angefangen bei seinem Kindheitstraum, bis hin zu seiner Ehe, die sowohl von herben Schicksalsschlägen, als auch von Liebe bis ins hohe Alter geprägt war. Der liebenswerte Charakter gewinnt so durchaus an Profil und dürfte als Identifikationsfigur auch für die kleineren Zuschauer durchaus herhalten können, da die Erfüllung seines Kindheitstraums, sein Aufbruch ins Abenteuer vollkommen nachvollziehbar sind und die Sympathien ganz klar auf seiner Seite liegen.

Was dann folgt, ist im Grunde ein typisches Abenteuer, wie man es sich aus dem Hause Disney so vorstellt, aber allein die herausragende Grundidee rund um das fliegende Haus, das Carl und sein Pfadfinder in Südamerika zu den Paradise Falls zu tragen versuchen, trägt "Oben" auch weiterhin praktisch im Alleingang. Passend dazu ist der Humor sehr sympathisch, aber zu keinem Zeitpunkt kindisch oder infantil, sodass es dem Pixar-Produkt auch weiterhin gelingt als Erwachsenen- und Kinderfilm zweigleisig zu fahren, so wird sich dem sympathischen Geschehen wohl kaum jemand entziehen können. Und auch das Finale, in dem schließlich einige Action-Szenen Verwendung finden, gelingt auf ganzer Linie, wirkt nicht derart übertrieben oder überfrachtet, dass es einen faden Nachgeschmack hinterlassen würde, es rundet das Geschehen vielmehr gelungen ab. Die ganz großen Momente, die "Wall-E" beispielsweise zuletzt durchaus hatte, fehlen dabei, da sich "Oben" doch ein wenig zu sehr den gängigen Konventionen fügt, aber die Fehler, die gemacht werden, bewegen sich ausschließlich im marginalen Bereich.

Das Thema Aufbruch ins Neue, verlassen des Alten und Verwirklichung des Kindheitstraumes wird zwar nicht auf einer tieferen Ebene behandelt, aber "Oben" funktioniert auch so hervorragend und weiß mit seinem glatten dramaturgischen Aufbau und seiner rundum sympathischen Art auch so auf ganzer Linie zu überzeugen. Man ist von Anfang an vom Geschehen gefesselt und dies ändert sich bis zum Ende hin kaum.

Neben den sympathischen Charakteren, dem fesselnden Verlauf, dem feinen Humor und der gelungenen Grundidee, ist natürlich auch die audiovisuelle Umsetzung von Pixar durchaus zu loben. Der Score unterlegt das Geschehen mit ruhigen, emotionalen, teils auch etwas kraftvolleren Tönen jederzeit stimmig und auch die Animation als solche weiß, angefangen bei den Figuren, über die Detailverliebtheit, bis hin zu den dynamischen Action-Szenen zu gefallen.

Fazit:
Auch "Oben" ist ein für Jung und Alt unterhaltsamer Film aus dem Hause Pixar, der mit seinen sympathischen Charakteren, der gelungenen Animation und einigen humorvollen, aber auch dramatischen Momenten fast auf ganzer Linie überzeugt. Der vielleicht beste Familienfilm des Jahres.

78%

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