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Zum Junggesellenabschied fahren der zukünftige Bräutigam, gespielt von Justin Bartha, seine beiden besten Freunde, ein Zahnarzt, gespielt von Ed Helms, der voll unter der Fuchtel seiner überdominanten Frau steht sowie ein relativ draufgängerischer Lehrer, gespielt von Bradley Cooper, und der etwas psychopathische Bruder der Braut, gespielt von Zach Galifianakis, nach Vegas. Nach einer ereignisreichen Nacht gleicht das Hotelzimmer einem Schlachtfeld, im Bad finden sie einen lebendigen Tiger auf, im Schrank schreit ein Kind und zu allem Überfluss ist der Bräutigam spurlos verschwunden. Total verkatert beginnen sie mit der Rekonstruktion der letzten Stunden.

Es ist mal wieder Sommer und schon standen wieder zahlreiche Blockbuster aus Hollywood in den Startlöchern, einer teurer und vielversprechender als der andere. Aber bisher waren es doch eher Enttäuschungen, die man in den Lichtspielhäusern serviert bekam, "Transformers 2", zweifelsohne ein gelungener Blockbuster, blieb weit hinter dem Vorgänger und damit auch hinter den Erwartungen zurück, ähnlich, wie "Ice Age 3" oder "X-Men Origins Wolverine". Darüber hinaus gelang weder "Harry Potter und der Halbblutprinz", "G.I. Joe", noch "The Fast and the Furious 4" der nennenswerte Sprung übers Mittelmaß und dann wären da auch noch wirklich herbe Enttäuschungen wie "Public Enemies" und "Terminator 4". Einzig und allein Ron Howards "Illuminati" blieb nicht hinter den Erwartungen zurück. Und nun ist es plötzlich eine, für gerade einmal 35 Millionen Dollar abgedrehte Komödie, die mit einem überraschend hohen Einspielergebnis von knapp 390 Millionen Dollar den großen Produktionen den Rang abläuft und darüber hinaus vollkommen zu Recht zum besten Vertreter des Popcorn-Kinos dieses Sommers erkoren wurde.

Zunächst einmal entpuppt sich die Idee, nicht den Junggesellenabschied an sich zu zeigen, wie man es auch schon in einigen anderen Komödien zu sehen bekommen hat, sondern den Tag danach in den Fokus zu rücken, als überaus gelungen. Zwar werden bereits bei der Exposition ein paar recht amüsante Gags eingebracht, aber das Vergnügen startet im Endeffekt mit dem Erwachen im Hotelzimmer und allein die Bilder des Schlachtfeldes, das die verkaterten Chaoten hinterlassen haben, sorgen schon für zahlreiche Gags.

Was dann kommt, verläuft zwar durchgehend nach demselben Schema, aber es ist doch ein recht interessantes Puzzle um den Vorabend, an den sich keiner der, vom Filmriss geplagten Charaktere erinnern kann, das nach und nach auf amüsanteste Weise enthüllt wird. Immer wieder tauchen Personen und Gegenstände auf, die irgendwie mit dem Geschehennen im Zusammenhang stehen und immer wieder gibt es dabei enorm lustige Überraschungen, die durchgehend bei Laune zu halten vermögen und auch die spätere Auflösung und die dazugehörigen Fotos im Abspann verfehlen ihre Wirkung in keinster Weise.

Der Humor ist dabei durchgehend von der eher niedrigeren Sorte, aber doch recht abwechslungsreich. Zahlreiche Slapstick- und Klamauk-Einlagen werden eingebracht, können aber meist zünden, sodass der Film kaum ausgebremst wird, dazu kommen dann noch die zahlreichen bösen Überraschungen, die zur Auflösung des Puzzles führen und natürlich ein paar amüsante One-Liner der Beteiligten, die ebenfalls größtenteils Lacher erzeugen. Stellenweise greift Phillips dabei auch mal auf Fäkalhumor zurück, aber so selten, dass es den sympathischen Grundeindruck des Films nicht zerstört und auch noch im Rahmen des Amüsanten liegt. Ein paar freche, politisch unkorrekte Gags, etwa zum 11. September, sadistischen Polizisten und zum Holocaust sind ebenfalls vorhanden, geben dem Film aber eine etwas respektlose, kecke Note, die "Hangover" ebenfalls sehr gut steht. Quantitativ geht Phillips dabei keinerlei Risiken ein, so jagt ein Lacher den nächsten und damit ist "Hangover" definitiv beste Unterhaltung, auch wenn es Phillips hier und da vielleicht ein wenig übertreibt.

Der sympathische Grundeindruck resultiert vor allem aus den schrägen, aber doch sehr liebenswerten Charakteren und den dazugehörigen, stark aufspielenden Darstellern, die vor "Hangover" zum Großteil eher unbekannt waren. Sehr stark präsentiert sich dabei Bradley Cooper mit einer überaus sympathischen Leistung und sehr auffälligem Charisma, während auch Ed Helms, der hier und da vielleicht ein wenig zum Overacting neigt, seine starken Momente hat und auf ganzer Linie zu überzeugen weiß. Zach Galifianakis spielt seinen recht unglaubwürdig konstruierten Charakter des leicht psychopathischen und oftmals begriffsstutzigen Bruders der Braut hervorragend und auch, wenn bei ihm die Sympathiepunkte vielleicht ein wenig fehlen, verbucht er doch zumindest die meisten Lacher auf seinem Konto. Die übrigen Nebendarsteller, zu denen als einzige wirklich bekannte Darstellerin Heather Graham zählt, machen ihre Sache ebenfalls sehr gut.

Abgerundet wird "Hangover" durch die gelungene Inszenierung von Las Vegas, das als Kulisse durchaus einiges hergibt und optisch so sehr viel hermacht, sowie durch den versiert ausgewählten Soundtrack, der größtenteils aus modernen Hits besteht, die aber meist zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Töne treffen. Vorwerfen kann man Phillips, der das Tempo durchgehend hoch genug hält, dass keine Längen aufkommen, also fast gar nichts, zumal man dem Film die Routine seines Regisseurs durchaus ansieht.

Wäre noch zu erwähnen, dass Phillips glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt versucht, doch noch aufgesetzte Dramatik oder ein wenig Romantik in den Film zu bringen, denn dies hätte "Hangover" wohl überhaupt nicht gut gestanden. Nach der Auflösung der nächtlichen Ereignisse wird kurz und schmerzlos ein kaum kitschiges Happy End geliefert und so kann der Unterhaltungswert im Grunde auch nicht besser sein und wird auch zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Form getrübt.

Fazit:
"Hangover" unterhält mit seinen zahlreichen Gags wirklich hervorragend und überzeugt darüber hinaus durch eine versierte Inszenierung, starke Darsteller in sympathischen, etwas schrägen Charakteren und ein hohes Maß an Einfallsreichtum, wenn es um die Aufarbeitung der nächtlichen Geschehnisse geht. Definitiv die beste Komödie des Jahres.

91%

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