Review

Christian ist eben anders 


Christian Anders - Schlagerbarde, Karatemeister, selbsternannter Traumtyp, später auch Guru, Messias und eh der geilste Stecher unter der deutschen Sonne. Und Bruce Lee-Fan obendrauf. Also kam er Ende der Siebziger wohl auf die Idee, selbst der deutsche Lee zu werden und einen Kung Fu-Schinken ganz in der Tradition von „Fist of Fury“ und Co. zu schreiben, zu drehen, zu spielen. Es lebe die Personalunion und das Vermögen aus Schlagerschmarn! Herausgekommen ist einer der schlechtesten aber auch unterhaltsamsten deutschen Filme aller Zeiten. Kult kann man nicht fetter drucken und unsterblicher inszenieren. Kopfüber in die Gülle. Herrlich! Es geht um einen deutschen (?) Karatelehrer, der in seiner Kampfkunstschule in Spanien (?) von einem indischen (?) Kleinwüchsigen (!) und Drogenboss namens Van Bullock (!!) angegriffen wird bzw. gekauft werden soll. Doch der tugendhafte Mertensfrank lässt sich nicht so einfach verdrängen, sodass er sich kurzerhand aufmacht dem winzigen Kingpin und all seinen skurrilen Gefolgsleuten (Komo!) den Garaus zu machen...

Warum heißt das Ding „Die Brut des Bösen“? Klingt das nicht eher nach Horror statt Martial Arts? Warum will der indische Mini genau diese Karateschule kaufen? Und warum hat Christian Anders keiner gesagt, dass er doch lieber beim Singen bleiben soll?! Alles egal. Über Letzteres muss man sogar froh sein, denn sonst kämen wir heute wohl nicht in den Genuss von diesem leidenschaftlichen Stuss. Außerdem ist Anders selbst bei weitem nicht das größte Problem dieses German Kung Fu-Murks'. Er ist sogar in ziemlich guter Form, hat sein Vorbild fein studiert, kann Bruce solide nachmachen und einigermaßen kämpfen. Was den Film jedoch keine Sekunde rettet oder weg von der (enorm spaßigen) Trashtonne zieht. Die Story ist simpel aber super hanebüchene und mit etlichen bescheuerten Details ausgeschmückt. Alle Kämpfe sind atemberaubend lächerlich. Der Score versucht episch zu sein, stolpert dabei jedoch über seine offenen Schnürriemen. Und alle Nebendarsteller haben weniger Talent, Charisma und Ausdruck als der durchschnittliche Pornoklaus. Außerdem liegt über allem ein seltsamer Weichzeichner, manchmal auch noch in Kombi mit einer amoklaufenden Nebelmaschine. Man kriegt sich vor Lachen und Kopfschütteln nur schwer ein, Verschnaufpausen sind rar gesät, das Zwerchfell wird exzessiv penetriert. Und in 99 von 100 Fällen nicht beabsichtigt. Nach objektiven Betrachtungspunkten ist das absoluter Bodensatz, eine Vollkatastrophe und peinlich. Doch gerade deswegen aus unterhaltungstechnischer Sicht ein Hit, wie er in Deutschland kaum Seinesgleichen kennt und sich selbst international kaum Trashkonkurrenz beugen muss. In dieser fragwürdigen Disziplin spielt „Roots of Evil“ klar Champions League. Selbst wenn sich der Extended Cut ein wenig zieht und die knappe Geschichte mit unnötigem Kram verlängert. Wie einer minutenlangen Gesangssequenz in einem zwielichtigen Club. What. The. Fuck.

Fazit: einer der größten deutschen Kultklopper. Christian Anders hat sich hiermit ein einzigartiges Denkmal gebaut. Mit Schweiß und Unvermögen. Unheimlich viel von Letzterem. Auf den Spuren von Bruce, zwischen Zwergsploitation, Dilettanten-Kung Fu und einem Herzensprojekt, das kaum hätte mehr daneben liegen können. Trash, ganz ganz groß geschrieben. Viel Freude, viel Spaß, viel Schwachsinn. Frank Mertens ist King! 

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