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Das Leben bereitet viele Schwierigkeiten für eine junge hoffnungsvolle Frau, die erfolgreich Karriere machen will. Deshalb hat die 22jährige Ryden Malby (Alexis Bledel) einen vierstufigen Plan entwickelt, der kurz vor seiner Vollendung steht - der Anstellung in einem renommierten Verlagshaus. Einzig der Gitarre spielende Junge, der von ihr als bester Freund bezeichnet wird, wirkt darin wie ein Fremdkörper. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit und er unterstützt sie in ihren Bemühungen, aber obwohl es sich bei Adam (Zach Gilford) um einen coolen, Rock-Gitarre und Basketball spielenden Jungen handelt, der schon einen Platz in der angesehenen Columbia-Universität in der Tasche hat, redet sie kein Wort von Liebe und Romantik. Spätestens zu diesem Zeitpunkt (also nach etwa einer Minute) wird der erfahrene Rom-Com-Seher hellhörig.

Und richtig - Adam ist natürlich unsterblich verliebt in die hübsche Ryden, die auch bei dem Vorstellungsgespräch eine gute Figur macht. Aber sie wird - dank einer gewiefteren Rivalin - nicht genommen, bekommt auch die avisierte Wohnung nicht und muss stattdessen wieder bei ihren Eltern einziehen. Ab diesem Zeitpunkt bekommt der Film einen neuen Aspekt, der dem Geschehen um die glattgebügelten Protagonisten eine gewisse Tiefe verleihen soll. Sowohl J.K. Simmons als Adams Vater als auch Michael Keaton als Oberhaupt von Rydens insgesamt skurriler Familie, geben sich entsprechend die größte Mühe, möglichst unkonformistisch zu erscheinen, was angesichts der konservativen, die Frau wie üblich in die geregelten Bahnen lenkenden Handlung, eher verärgert.

Entsprechend wenig Bindung hat Ryden auch zu ihrer Familie, in deren Mitte sie über die Rolle des Fremdkörpers nicht hinauskommt. Auch die Dramatisierung ihrer vergeblichen Anstellungsversuche, die sie als Arbeitslose sozusagen in den Schoss der Familie treibt, ist angesichts ihres professionellen Auftretens und ihrer sehr guten College-Zensuren unglaubwürdig, was sich auch spätestens dann beweist, als sie den Job im Verlagshaus doch bekommt. Wenn sie dort unter zahlreichen Bewerbern die zweite Wahl war, wieso nahm sie dann kein anderer ?

In jedem Moment der Handlung wird spürbar, dass die Macher nichts riskieren, was dem Film jeden Charme und Überraschung nimmt, die gute RomComs - auch wenn das Ergebnis wie erwartet ausfällt - ausmachen. Der gutaussehende brasilianische Nachbar, der Adam eifersüchtig machen soll, darf zwar als Verführer auftreten, aber natürlich erliegt ihm die gute und damit jungfräulich bleibende Ryden nicht. Im Notfall kommt ihr dabei das Drehbuch zu Hilfe.

Und als es dann doch mit dem Traumjob klappt, stellt sich dieser als verkappter Ausbeuterjob heraus, bei dem Ryden vor allem für die richtige Anordnung der Kaffeetassen zuständig ist. Primitiver kann man einer intelligenten Frau den Wunsch nach einem angemessenen Job nicht austreiben, weshalb der Wink mit dem Laternenmast auch nicht lange auf sich warten lässt. Ihre skurrile Familie vermittelt ihr die wahren Werte für eine Frau - als treusorgende Mutter und liebevolle Gattin. Fehlt nur noch der Mann an der Seite, aber der steht bekanntlich von Beginn an zur Verfügung.

Doch als Adam - dem brasilianischen Nachbarn sei Dank - dann doch nach New York zur Columbia Universität gegangen ist, fällt der inzwischen vom Traumjob enttäuschten und mit den wahren Werten geläuterten jungen Frau auf, dass sie ihn ganz doll vermisst. Spürbar wurde das bis zu diesem Zeitpunkt keinen Moment, weshalb die Beziehung zu Adam ähnlich wenig nachvollziehbar daher kommt, wie zu ihrer Familie.

Im Grunde hat "Post Grad" , bei dem es titelgemäss um die Reife nach der Schulausbildung geht, einen guten Start. Die toughe Ryden wirkt überzeugend als zukünftige Business-Frau, der vor allem ihre Hauptkonkurrentin Kopfzerbrechen bereitet. Ihre Emotionalität gilt ihrem Berufswunsch und sie wirkt dabei weder unsympathisch noch übertrieben. Das sie mit Adam eine reine Freundschaftsbeziehung pflegt, zu ihrer Familie einen natürlichen Abstand einhält und sich ganz auf ihre Ziele konzentriert, ist nachvollziehbar und nicht verwerflich. Das Hollywood eine solche Frauenrolle dagegen mit allen Mitteln untergräbt und jede Ambivalenz im Keime erstickt, um erst gar nicht den Eindruck zu erwecken, unterschiedliche Lebensentwürfe hätten eine Berechtigung, dagegen schon.

Ärgerlich ist dabei aber vor allem, dass die Macher sich nicht einmal bemühen, diese Chose wenigstens witzig und mit Esprit zu servieren (2,5/10).

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