Review

Filmemachen ist recht schwer, sie schreiben noch viel schwerer...
Klar, die Wirtschaftskrise nagt an allen Ecken und Enden an uns, da ist man froh, wenn man in der Filmindustrie überhaupt einen Job kriegt. Aber man muß ja nun nicht jeden Kurzschluß im Gehirn für einen brauchbaren Filmplot zu halten und dann auch noch auf Film zu bannen.

Dabei könnte man das neueste Werk von Vicky Jenson, gebürtig aus dem Bereich des Animationsfilms, durchaus als amerikanischen Kommentar zur Situation arbeitsloser Akademiker verstehen, wenn es denn einer wäre.

Aber nein, es soll, nominell, irgendwie eine Komödie sein. Und auch ein wenig Drama. Und ein leicht angeschrägter Familienfilm, weil die Indie-Attitüde ja immer für erhobene Augenbrauen sorgt. Und eine Liebesgeschichte müssen wir auch haben.

Und daraus wird...Trommelwirbel...gar nichts!

Das ist schon eine herausragende Leistung, die Kelly Fremon da verbrochen hat: einen ziel- und aussagelosen Film, der alles sein soll, aber nichts ist. Man kann natürlich sich an einem Thema abarbeiten und dabei grandios scheitern, man kann aber auch gleich einen Film über nichts machen und dann so tun, als hätte man etwas Wertvolles in den Händen, das man der Menschheit unbedingt vermitteln sollte und kleistert es mit ausgelutschten Lebensweisheiten zu, die das mündige Publikum fortwährend zum Würgereflex motiviert.

Auf der aussichtslosen Suche nach einem vermittelbaren Inhalt kann man sich also folgendes zusammenstückeln: nervige College-Absolventin bekommt ihren Traumjob nicht (oder natürlich noch nicht); ignoriert lautstark ihren besten, seit ewigen Zeiten in sie verknallten Freund, zieht wieder zu ihrer dysfunktionalen Family und hadert mit der Arbeitsmarktlage. Das wars!

Was die Teile alle miteinander zu tun haben - gar nichts, dienen sie nur als Aufhänger oder Motivation für das Absondern geschmacksneutraler Durchhaltephrasen auf Glückskeksniveau.

Es ist jedoch ein beinahe erhebendes Gefühl dabei, den ganzen Käse schon nach 10 Minuten komplett vorhersagen zu können - inclusive des brasilienstämmigen Nachbarn, der ein bißchen verpeilt öfters mal in die Kamera stirnrunzelt. Der bietet ihr sogar einen Job an und versucht, für den Gefühlsausgleich zu sorgen, während sie ihren kurzgeschorenen Galan vernachlässigt. Warum? Das erfährt man nicht. Wie man überhaupt nichts darüber erfährt, warum hier alles so läuft, wie es läuft und warum man es dem Publikum überhaupt zeigen muß.

Da haben wir einen Dad, der ständig irrwitzig an irgendwelchen Projekten werkelt. Michael "Ich war mal Batman" Keaton hampelt und grimassiert sich durch eine Deppenrolle, wird verhaftet, freigelassen, überfährt ne Katze und baut ne Seifenkiste. Hat das was mit dem roten Faden zu tun? Welcher rote Faden?

Dann haben wir Carol Burnett als halbtote Omi...soll wohl grantig sein und für Lacher sorgen. Klappt nur nicht, denn weder stirbt die Alte irgendwann, noch hat sie gute Dialogzeilen, noch sonst irgendeine beratende Funktion.
Der kleine Bruder leckt gern anderen Kindern die Köpfe ab - spontane Idee, muß wohl in den Film.
Der Nachbar ist öde, geistesabwesend, wirkt desinteressiert - also muß unsere Heldin auf ihn abfahren. Tut sie und dann wieder nicht. Das wars.
Der Lover jangelt auf einer Gitarre und wird sonst ignoriert. Hat unsere Heldin ganz toll lieb - das muß reichen.

Ganz ehrlich: nichts in diesem Film macht irgendwie Sinn. Kein Teil bringt irgendwas oder paßt zusammen. Alles wird angerissen und wieder fallen gelassen. Hat unsere Holde endlich ihren Traumjob, kocht sie meistens Kaffee und ist happy. Dann fährt sie nach "big apple" und ihren Lover knutschen. Hat sie gekündigt? Ist das wichtig?

Zwischendurch passieren dann immer merkwürdige Sachen, wie ein Seifenkistenrennen, das schön Zeit tot schlägt.
Wie man überhaupt das Gefühl hat, die meisten Szenen wurden zu diesem Zweck angefertigt, nämlich um den Nicht-Plot auf 90 Minuten zu bringen. Klappt aber nicht: 88 und da ist noch der Nachspann bei - gefühlt sind es 170.

Wäre möglicherweise noch durch eine gute Hauptdarstellerin aufzufangen gewesen, aber Alexis Bledel (die zuvorderst aus "Gilmore Girls" bekannt ist) zieht ihr nerviges TV-Show-Ding einfach im nächsten Film durch und geht durch ihre Unfähigkeit, irgendwas in ihrem Leben zu reißen, sowieso schnellstmöglich allen auf den Keks, wenn sie von den Nebenfiguren und ihrer bärenstarken Redundanz nicht komplett in den Hintergrund gedrängt wird. Ehrlich gesagt: man gönnt ihr bald ihren andauernden Mißerfolg.

Und so humpelt und hinkt das Vehikel "Post Grad" alsbald auf ein vorhersehbares Knutschende zu, während alles andere zur überflüssigen Nebensache erklärt wird - nur mußten wir uns trotzdem da durcharbeiten.

Doch für wen also wurde dieser Film gemacht? Für niemanden - er hat keinerlei Zielgruppe und macht eigentlich keinen Sinn, außer zu predigen, daß irgendwann alles gut wird, auch wenn die Umwelt komplett bescheuert ist - und auch damit lügt man sich fröhlich in die eigene Tasche. Damit die definitive Weiterentwicklung für Filme, die man nach Verlassen des Kinos schon wieder vergessen hat - ein Film, der sich negiert, während man ihn schaut. Hartz-4-Schauspieler-Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit 1-Euro-Jobs - schönt Filmfirmenbilanzen, aber jeder Sonntagnachmittagsfilm auf dem Disneychannel hat mehr Substanz. (1/10)

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