Review

Florian David Fitz spielt einen Karrieretypen, der seine Verlobte, gespielt von Liane Forestieri, zusehends vernachlässigt, während sein bester Freund, gespielt von Maxim Mehmet, seinem Traum von einer eigenen Fast-Food-Kette hinterher rennt, sich finanziell in einem Engpass befindet und zudem von seiner schwangeren Freundin ein Kind erwartet. Dann wären da noch ein Musik-Produzent, gespielt von Til Schweiger, bei dem es sich zwar um einen Frauenhelden aus dem Bilderbuch handelt, der aber keine wirklich ernste Beziehung aufbaut und ein Beamter, gespielt von Christian Ulmen, der nach Jahren der Einsamkeit nun endlich eine Frau an seiner Seite, gespielt von Nadja Uhl, gefunden zu haben scheint, deren aufbrausender Ex, gespielt von Wotan Wilke Möhring, die Trennung noch nicht so richtig verkraftet zu haben scheint.

Die Inhaltsangabe lässt den zentralen Makel von "Männerherzen" bereits grob erahnen: Man hat sich im Endeffekt ein wenig zu viel vorgenommen. Zum einen hatte man sich das Ziel gesetzt, einen tieferen Blick in die männliche Seele zu wagen, dafür sind die Charaktere jedoch zu flach konstruiert. Die fünf Männer, die in den Fokus rücken, sind ganz klar auf ihre gängigen Klischees gemünzt, da hätten wir also den Choleriker, den Versager, den Karrieristen, den Schüchternen und den Frauenhelden und auch, wenn sie mit der Zeit ein wenig an Profil gewinnen, wirken die Figuren doch nicht so ambivalent und zerrissen, dass man der Thematik in vollem Umfang gerecht würde und, dass bei manchen von ihnen schließlich die 180°-Wende folgt und sich auch bei den übrigen am Ende wirklich alles zum Guten wendet, trägt sicherlich nicht zur Glaubhaftigkeit des Geschehens bei.

Aber auch inhaltlich hat man sich klar übernommen. Rund um die fünf Protagonisten erzählt Simon Verhoeven, der als Regisseur zuletzt 2001 mit "100 Pro" in Erscheinung trat, mehrere Plots, in die zudem einige Nebenfiguren integriert werden. Allerdings wollen die verschiedenen Handlungsstränge nicht so recht miteinander funktionieren, ein stringenter Spannungsaufbau gelingt so leider nicht, die verschiedenen Nebenschauplätze fügen sich nicht zu einem dramaturgisch schlüssigen Ganzen zusammen. Um als Episodenfilm bestehen zu können, ist es um Verhoevens Erzählkünste jedoch auch zu schlecht bestellt. Zwar verirrt er sich nicht in den zahlreichen Handlungssträngen und tritt zu keinem Zeitpunkt auf der Stelle, aber zu echten dramaturgischen Spitzen reicht es einfach nicht, dafür ist "Männerherzen" dann doch zu zerfahren, zu ungeschickt erzählt und dramaturgisch nicht stringent genug.

Eine Art deutsches "Magnolia" konnte jedoch kaum jemand von Verhoeven erwarten und man würde sein Werk definitiv zu stark unterbewerten, wenn man hier von einem reinen Star-Vehikel sprechen würde. So ist Verhoevens Film durchaus amüsant geworden, wobei für eine deutsche Komödie wohltuend wenig Klamauk eingesetzt wird, vielmehr ist es die sympathische Situationskomik, die "Männerherzen" relativ unterhaltsam gestaltet, zumal auch die Quantität der Gags durchaus stimmig gewählt ist. Und auch bei der musikalischen Untermahlung des Geschehens, die jederzeit versiert eingesetzt wird und die Stimmung im Film meist treffend zu unterstreichen weiß, gibt es wenig Grund zur Beschwerde. So ist Verhoevens Arbeit unterm Strich doch sehr solide und meist unterhaltsam.

Daran haben aber auch die Darsteller erheblichen Anteil. Til Schweiger, der darstellerisch einmal mehr auf eher mittelmäßigem Niveau agiert, zeichnet sich nicht zuletzt durch eine gewisse Eigenironie in der Rolle des Machos und Frauenhelden, der nach und nach zu sich selbst findet, aus, während sein Kollege Justus von Dohnanyi als Karikatur eines überemotionalen Schlager-Sängers an seiner Seite die meisten Lacher des Films auf seinem Konto verbucht. Florian David Fitz und Liane Forestieri zeigen in ihren wesentlich ernsteren Parts weitestgehend souveräne Leistungen, während Christian Ulmen in seiner Paraderolle als sympathischer Verlierer einmal mehr glänzt. Wotan Wilke Möhring, dessen darstellerisches Talent leider auch hier kaum ausgeschöpft wird, spielt als cholerischer U-Bahn-Fahrer ganz groß auf und auch an den Leistungen von Nadja Uhl, Maxim Mehmet und den übrigen Darstellern gibt es wenig auszusetzen. Das spielfreudige Ensemble hebt "Männerherzen" so durchaus übers Mittelmaß und ist das Ansehen wert.

Fazit:
Die Story ist mit ihren zahlreichen Handlungsfäden und Nebenschauplätzen ganz klar überladen und so kommt keine wirklich stringente Dramaturgie zustande, was "Männerherzen" immer mal wieder ausbremst und auch die etwas unglückliche Personenkonstellation, die sich hier und da einiger Klischees bedient, ist dem Film klar anzulasten. Schlecht ist das Werk im Endeffekt dennoch nicht, da die solide Regie, einige gelungene Gags und der spielfreudige Cast einen ordentlichen Unterhaltungswert garantieren. So ist "Männerherzen" ein ordentliches Feel-Good-Movie, nicht mehr und nicht weniger.

62%

Details
Ähnliche Filme