Review

Simon Verhoevens "Männerherzen" ist ähnlich gestrickt, eine in Berlin (wo sonst) angesiedeltes Beziehungsgeflecht aus diversen kleinen Pärchengeschichten, die sich an gewissen Punkten in der Geschichte (Zoo, Unfall, Nachbarschaft, Fitnessstudio) auch mal überschneiden, aber dennoch halbwegs autark bleiben.
Nun erwarte bitte niemand dabei auch nur halbwegs brauchbar aufschlußreiche Neuigkeiten über das Mannsein, bzw. den männlichen Umgang mit sich selbst, den Frauen oder Herzensangelegenheiten im Besonderen, hier wird Starensemblekino mit Wohlfühlgarantie gemacht, irgendwo zwischen Schmunzeln und Glucksen und hin und wieder mal einem ernsten Einsprengsel und das übrige erledigt das sommerliche Lokalkolorit unserer Hauptstadt, die scheinbar souverän über allem schwebt oder zwischen allem steht.

Inhaltlich wird so ziemlich alles abgedeckt, was Rang und Namen bzw. Bekanntheit und Klischee hat.
Da darf Til Schweiger zum gefühlt siebenhundertsten Male den Musikproduzentenmacho und Querbeetvögler geben, dem der Wind einen eitlen und alternden und durchgeknallt weisen Schlagerfuzzi in die Wohnung treibt (Justus von Doynanji klaut problemlos JEDE Szene, in der auch nur von ihm gesprochen wird).
Da spielt Christian Ulmen den verlorenen ewigen Single, der sich an einer Verkäuferin erprobt, die sich gerade von ihrem recht agressiven Männe getrennt hat. Der wiederum hadert mit der Demenz seines Vaters und kann die Trennung nicht verarbeiten.
Gleichzeitig gibts den unerwünschten Babysegen zwischen der kindergärtnernden Wattelippe Nr.1 (Jana Pallaske sorgt für das bißchen Lechzfaktor im ganzen Film) und einem unfähigen Trottel (Maxim Mehmet strapaziert die Geduld), der sein Leben nicht auf die Reihe kriegt. Und schlußendlich haben wir das durchgeplante moderne Paar mit reichlich Geld, das kurz vor der Hochzeit durch seine fixen Ideen und Alpträume in Ehebruchsgefahr gerät.

Die wirkliche Qualität des Films liegt in seiner geschickten Konstruktion, dem Verweben der einzelnen Handlungsstränge auf erzählerischer und visueller Ebene und ansonsten nur noch in seiner omnipräsenten Unangreifbarkeit, denn das könnte auch problemlos ein banaler, wenn auch flotter TV-Film sein, wenn nicht so viele bekannte Gesichter darin durch die Straßen laufen würden.
So banal wie durchgängig "ganz lustig" ist das vorhersagbare Treiben: man kommt zusammen, man trennt sich, man ändert was an sich - wenn wir also ein Tütchen Weisheit mit uns nehmen, dann das mit der Wandlungsfähigkeit der Männer, wenns drauf ankommt. Also meistens, wenn es um Frauen geht.

Von manchen Figuren würde man dabei gern weniger sehen (Ulmen, Mehmet), von anderen gern wesentlich mehr (Möhring, von Doynanji, Pallaske), aber immerhin überwiegt das Episodische so, daß man stets nur zwei- bis dreiminütige Häppchen bis zur nächsten Überblendung präsentiert kriegt. Die Konflikte sind hausgemacht und vorhersehbar, aber eben routiniert runtergespielt und das eine oder andere Kleeblättchen wird dann gleich mitgeliefert, so daß man es sich bei Hausmarke, Becks und blauem Prosecco so richtig gemütlich machen kann, zumindest für 90 Minuten, während man sich zwischendurch immer wieder mit Sätzen wie "Das kenn ich irgendwoher!" oder "Du bist genauso, manchmal!" bombardiert.
Entspannungskino, über das man nicht viele Worte machen muß, für die einen redundant, für die anderen das Schönste, was der Feierabend zu bieten und dann doch gekonnter runtergespielt als jede Soap Opera nach 2000 Folgen. (6/10)

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