Crash Zooms, Disco-Funk und Buns 'N Ammos sind Ted V. Mikels rustikale Verkaufsargumente für eine starke Position des weiblichen Geschlechts im noch jungen Genre des Actionfilms, als er seine „Doll Squad“ 1973 auf fiese Unholde loslässt. Die Verwandtschaft zur Blaxploitation liegt nahe: Das von vornehmlich weißen Macho Men dominierte Kino der Bewegung und des Bang-Bang wird hier wie dort von Minderheitengruppen infiltriert, die normalerweise zum Komparsendasein oder Schlimmerem verdammt sind.
Während die Rolle der Afroamerikaner im Actionfilm heute jedoch kaum mehr explizit diskutiert wird – das „Shaft“-Remake von 2000 war dahingehend ein müdes Solo-Statement ohne zwingende Nachwirkung – ist die Bedeutung der Actionheroine für das Genre nach wie vor ein heißes Thema, das mit jeder Generation neu verhandelt wird. Die „Doll Squad“ ihrerseits wird heute als Vorlage für die einflussreiche TV-Serie „Charlie's Angels“ (1976 - 1981) vermarktet, deren Verfilmung – wie „Shaft“ ebenfalls aus dem Jahr 2000 – neue Impulse im Mainstream freigelegt hat, was das weibliche Messen in männlichen Domänen anbelangt. Es folgten Kampfamazonen wie Lara Croft (2001 gespielt von einer Angelina Jolie in der Blüte ihrer Ausstrahlung), die ihre Weiblichkeit stolz zur Schau trugen. Hilfreich war dabei sicherlich auch die geschlechtliche Umkehrung bei der Degradierung zum Objekt: Männer waren es nun, die entweder gleich als Bösewichte auf den Plan traten oder an der Seite der Heldin bloß passive Beobachter des Geschehens sein durften. Ein Muster, das sich bis in unsere aktuelle Ära der Superheldenfilme gehalten hat („Wonder Woman“, 2017).
Diese leicht schizophrene Selbstwahrnehmung, Power und Sexyness als neckisches Spiel ohne echten Gewinn zu inszenieren („Look, don't touch“), ist natürlich hauptsächlich ein Charakteristikum des Mainstream-Films und weniger des Avantgarde-, Trash- oder B-Movies, in dem es Frauen vergönnt ist, größere Ziele zu erreichen als einfach nur Rollenbilder umzukehren und den Männern eine lange Nase zu machen. Umso erstaunlicher, dass das mit allen möglichen Haar-, aber bei weitem nicht mit allen Hautfarben geschmückte Frauengeschwader des vorliegenden Billigheimers längst nicht alle Freiheiten in Anspruch nimmt, die es sich aufgrund seiner billigen Inszenierung hätte erlauben können.
Denn obwohl sich das achtköpfige Team aus Kalibern wie Tura Satana („Faster, Pussycat! Kill! Kill!“) und Francine York („It's Only Money“) zusammensetzt und gerne auch in Bikinis oder schwarzen Overalls abgelichtet wird, scheut es sich regelrecht, auf direkten Kollisionskurs mit der Mattscheibe zu gehen. Sowohl bei der Rekrutierung als auch im Missionseinsatz gehen die Agentinnen halbherzig vor, scheinen ihren eigenen Stärken nur bedingt zu trauen und hinterlassen folglich nicht in allen Fällen Eindruck.
Wenig zweckdienlich ist dabei sicherlich auch Mikels biedere Regie. Wie eine günstig abgekurbelte Krimiserie eröffnet er seinen Film, präsentiert die dunklen Absichten seines Antagonisten wie einen Fall der Woche und unterlegt fast alles mit einem Soul- und Funk-Soundtrack, der aus Isaac Hayes Schnittresten rekonstruiert scheint. Betonfarbene Sakkos, die mit der gleichfarbigen Büroeinrichtung eine Einheit ergeben, bestimmen das Szenenbild zu Beginn; und selbst, als es später wesentlich aufregendere Schauplätze (und Kostüme) zu bewundern gibt, werden diese mit detailarmen Gegenlichtaufnahmen, einfallslosen Kamerafahrten und zweidimensionalen Perspektiven banalisiert. Wenn sich die wenigen (dann aber oftmals überraschend blutigen) Shootouts und Explosionen wie wie Springteufel ins Bild drängen, dann sind die billigen Spezialeffekte nur zur Hälfte schuld an ihrer Auffälligkeit. Den Rest besorgt das Grau-in-Grau der Inszenierung, aus der eine knallrote Explosion aus Lichtblitzen gar nicht anders kann als herauszustechen. Gemeinsam mit den haarsträubenden Drehbucheinfällen sind dies Qualitäten, die hauptsächlich amerikanischen Fernsehproduktionen der späten 70er und frühen 80er zu eigen werden würde. Mikels schlägt also gewissermaßen eine Brücke, die von „Charlie's Angels“ bis „A-Team“ reicht.
Weil man weiß, was man handwerklich von einem Low-Budget-Reißer wie diesem zu erwarten hat, wird man diesbezügliche Unzulänglichkeiten sicherlich verschmerzen können, wenn man sie sich nicht sogar erhofft. Genug bekloppte Einfälle für einen seligen Trashabend vereint „Doll Squad“ in jedem Fall. Der Ironie, dass sich die meisten Produktionen mit Frauen auf Männer-Terrain trotzdem wieder auf Männer als Zielgruppe konzentrieren, weiß er allerdings keine schlagfertige Antwort zu geben, weder in die eine noch in die andere Richtung. Dazu bleibt das Frauenkommando zu zögerlich. Immerhin griff Quentin Tarantino genau diese Zögerlichkeit 30 Jahre später auf, um seine „Deadly Viper Assassination Squad“ in „Kill Bill“ mit den nötigen Zwischentönen zu füllen und die angestrebte Emanzipation vom männlich dominierten Actionfilm doch noch überzeugend umzusetzen.