Review

Die kürzlich geschiedene Susan Harding ist gerade mit ihrem Sohn Sean und ihrer Tochter Beth im Supermarkt unterwegs, als sie dem sympathischen David Harris, der letztes Jahr Frau und Tochter bei einem Autounfall verloren hat, über den Weg läuft. Es funkt quasi auf Anhieb und als Susans ältester Sohn Michael sechs Monate später aus einer Militärschule nach Hause zurückkehrt, werden bereits Heiratspläne geschmiedet. Natürlich beschleicht Michael schon bald das Gefühl, dass mit seinem zukünftigen Stiefvater irgendetwas faul ist...

Bei "The Stepfather" handelt es sich um ein Remake des gleichnamigen Horrorthrillers aus den 80ern, in dem der serienmordende Stiefvater noch von Terry O'Quinn verkörpert wurde. Im Remake wird dieser Part nun von Dylan Walsh übernommen, der in der Rolle für meinen Geschmack leider merklich blasser und nichtssagender daherkommt als seinerzeit Terry O'Quinn. Diese Aussage lässt sich im Großen und Ganzen auch auf den restlichen Cast anwenden, von denen zwar niemand richtig schlecht spielt - aber leider auch niemand richtig gut. Die schablonenhafte Handlung des 08/15-Drehbuchs plätschert über die gesamte Laufzeit des Films vor sich hin. Alles läuft von Anfang bis Ende nach Schema F ab und es kommt zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Hauch von Spannung auf. Vieles wirkt konstruiert und die sich daraus ergebenden Ereignisse sind so meist schon lange vorher zu erahnen, bevor sie dann tatsächlich passieren. So bleibt unterm Strich der Eindruck, es bei "The Stepfather" vielmehr mit einem Direct-to-Video-Streifen als mit einem für die große Leinwand produzierten Kinofilm zu tun zu haben. Dass der Film so offensichtlich auf ein sicheres PG-13-Rating ausgerichtet wurde, tut ihm auch keinen Gefallen. Die paar Morde, die man an einer Hand abzählen kann, sind alle extrem kurz oder geschehen komplett im Off. Abgeschlossen wird das Ganze schließlich mit einem behäbigen "Schlusskampf" und einem offenen Ende, das man in seiner erschreckend drögen Art schon in den ersten fünf Minuten vorausgeahnt hat.

An dieser Stelle gehe ich nun noch mal genauer auf einige der oben angesprochenen Punkte ein und begründe damit meine Haltung gegenüber dem Film. Dieser Abschnitt enthält Spoiler, die Teile der Handlung verraten. Meiner Meinung nach kann man bei einem Schema-F-Film wie "The Stepfather" nicht wirklich spoilern, wer aber nicht wissen möchte, was genau passiert, sollte die Punkte 2 und 3 besser auslassen.

  • Punkt 1 - schlechtere Schauspieler: Ich will Terry O'Quinn jetzt nicht über den grünen Klee loben, nur weil er eben "Erster" war, aber Dylan Walsh ist in meinen Augen kein adäquater "Ersatz". Wo Terry O'Quinn so etwas wie eine bedrohliche Aura zu versprühen vermochte, kommt von Dylan Walsh' Seite einfach gar nichts - nicht mal "überzeugende" böse Blicke. Auch im Hinblick auf die Familienmitglieder muss man Abstriche machen. War es im Original noch Jill Schoelen, die die Misstrauische mimen durfte, wird dieser Part beim Remake Penn Batgley übernommen. Ich will nicht behaupten, er hätte schlecht gespielt, aber rückwirkend könnte ich mich nicht an eine Szene erinnert, bei der ich mit ihm mitgefiebert hätte. Gleiches gilt für Sela Ward, die hier die Rolle der zukünftige Ehefrau spielt.
  • Punkt 2 - konstruierte und schablonenhafte Handlung: Vieles wirkt bei "The Stepfather" einfach konstruiert und unglaubwürdig. Nach der ersten Begegnung zwischen Susan und David macht der Film direkt mit der Rückkehr des ältesten Sohnes nach sechs Monaten weiter. Erst jetzt kommen überhaupt erste Verdachtsmomente auf, die es über ein halbes Jahr nicht gegeben zu haben scheint. Ein verschlossener Keller, zu dem nur der zukünftige Stiefvater den Schlüssel hat? Unten dann lauter Schränke, von denen jede Tür mit einem eigenen Vorhängeschloss ausgestattet ist? Selbst als die Nachbarin vom direkt gegenüberliegenden Haus den "Stiefvater" bei der Fernsehsendung "America's Most Wanted" auf einem Phantombild wiederzuerkennen glaubt und Susan dies mitteilt, wird das von niemandem erst genommen. (Wenige Filmminuten später - *Überraschung* - fällt sie "plötzlich" die Kellertreppe herunter.) Man guckt - im Gegensatz zu David - nicht mal auf der Internetseite nach, auf dessen Hauptseite direkt sein Phantombild prangt. Nur durch einen Zufall - der sonst so penible Serienmörder weiß scheinbar nicht, wie man den Verlauf des Browsers löscht - wird Michael auf die Internetseite aufmerksam, aber seine Freundin kann natürlich keine Ähnlichkeit zwischen David und dem Phantombild feststellen, obwohl dieser abgesehen vom Bart auf dem Phantombild direkt wiederzuerkennen ist. Auch sonst scheint niemand außer der alten Dame von Gegenüber diese Fernsehsendung gesehen zu haben. Kein anderer Nachbar, kein Arbeitskollege und kein Kunde - David verkauft solange Häuser für eine Bekannte von Susan, bis diese Papiere von ihm braucht, wegen denen er den Job dann hinschmeißt, um nicht aufzufliegen - erkennt ihn wieder. Insgesamt vermittelt der Film ein Bild, als ob wirklich jeder Depp sein Unwesen als Serienmörder treiben kann, ohne dass das auf längere Sicht jemandem auffällt und die konstruiert "eingeleiteten" Morde werden geradezu angekündigt. Der Ex-Mann, der gerade auf dem weg zum Flughafen ist, klingelt bei seiner Familie, als die Kinder oben laut Videospiele spielen und Susan nicht da ist und ist - *wer hätte es gedacht* - kurz darauf natürlich tot. In einer anderen Szene schickt eine Bekannte zwanzig Minuten bevor sie in den Urlaub fliegen möchte (!) eine E-Mail an Susan, in der sie ihr explizites Misstrauen gegenüber David anspricht und Verdachtsmomente begründet. Diese E-Mail kommt - *natürlich* -  bei David an, weil man bei der Familie Harris scheinbar ein gemeinschaftliches (?) E-Mailkonto nutzt, auf das jeder Zugriff hat. Ihren Urlaub tritt auch die gute Dame nie an.
  • Punkt 3 - Altersfreigabe: "The Stepfather" wurde als PG-13-Film konzipiert und kommt dementsprechend harmlos daher. Eine alte Dame wird die Treppe hinuntergeschubst, der Ex-Mann mit einer Plastiktüte über dem Kopf erstickt - selbst das geschieht nahezu komplett im Off und ohne wirklich wahrnehmbaren Todeskampf - und eine Bekannte von Susan wird in ihrem Swimming Pool ertränkt, wobei David ihren Kopf keine fünf Sekunden unter Wasser zu drücken braucht und schon ist die Arme tot. Da ist wirklich jeder Fernsehkrimi härter, der bei uns um 20:15 Uhr im Abendprogramm der Öffentlich-Rechtlichen läuft.
Fazit: Gerade noch annehmbare aber komplett spannungslose und vorhersehbare Kost. Über Direct-to-Video-Niveau - wobei ich diesen Zweig nicht generell schlecht machen will, da es auch dort positive Ausnahmen gibt - kommt man zu keinem Zeitpunkt hinaus. Ich rate also eher von einem Kinobesuch ab und empfehle auf die kommenden Veröffentlichungen auf BD und DVD zu warten. Diese "Empfehlung" gilt aber auch eher für Leute, die kein Problem damit haben, sich zwischendurch auch mal mit eher nichtssagender 08/15-Ware zu begnügen. Alle anderen lassen dieses in meinen Augen eher fade Remake besser aus und gucken stattdessen lieber das in sämtlichen Belangen - atmosphärisch / schauspielerisch / spannungstechnisch - überlegene Original aus den 80ern.

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