Review

Irgendwann lernt man dazu, wird mürbe oder des Filmangebots müde, das für die Kids von heute zusammengebraut wird, dann akzeptiert man auch langsam aber sicher den unbändigen Remakewahn der Amerikaner, auch noch den letzten unwichtigen 80er-Jahre-Slasher, der mehr als zwölf Dollar eingespielt hat, zwei Jahrzehnte später neu aufzulegen, ohne das man zu dem eh simplen Thema noch etwas Neuwertiges hinzufügen kann.
Aber deswegen muß man ja noch lange nicht gut finden, wenn jetzt schon rüstige VHS-Randnotizen wie "The Stepfather", der 1987 immerhin als kleiner, aber schön fieser Schnellschuß sein Pizzapublikum fand, unbedingt nachgemacht werden müssen, nur weil dafür wenig Kohle zu investieren ist.

Schon das kreative Duo hinter diesem Käse läßt einen angst und bange werden, denn auf dem heißen Stuhl mit der Flüstertüte sitzt Nelson McCormick, ein versierter TV-Regisseur, der zusammen mit dem unglaublich untalentierten Drehbuchschmieranten J.S. Cardone ("Der Pakt"!!!) im letzten Jahr bereits ein Remake zu "Prom Night" verbrach, das wohl den Preis für den mißkonzeptioniertesten und ödesten Slasher aller Zeiten verdient hat.
Das diese beiden Leuchten aus einem strammen 90-Minüter mit Terry O'Quinn (der den Teens von heute wohl als John Locke aus "Lost" bekannt sein dürfte und damals für unangenehme Familiengefühle sorgte) etwas Entsprechendes köcheln würden, war natürlich illusorisch, so daß man ja froh sein kann, daß die Grundstoryline noch intakt geblieben ist, die Geschichte vom heile-familie-fixierten Psychopathen, der immer dann in den Besteckkasten greift, wenn man ihm auf die Schliche kommt oder nicht ganz so Pleasantville-saubere Anstalten an den Tag legt.

Doch ein paar Änderungen müssen natürlich sein: aus der Dreierkonstellation mit einem pfiffigen Mädchen wurde gleich ein netter Fünfer mit Scheidungsmama, zwei kleinen Gören und einem knuffigen Kerlchen aus der Besserungsanstalt, der so namenlose Dinge getan hat, das sie hier gar nicht erwähnt werden - im übrigen benimmt er sich den ganzen Film tadellos.
Doch damit nicht genug, denn was mögen Teenager als einziges noch mehr als Blut und Eingeweide, die man sich wegen einer PG-13-Einstufung sowieso nicht leisten wollte?
Genau: Möpse!
Aber weil das ja bei diesem Rating auch nicht geht: Mädels, die zumindest ansatzweise Möpse zu bieten haben.
Also flugs eine erweiterte Rolle für das Blondbrötchen Amber Heard ins Skript gekritzelt: die universell sinnfrei Rolle der fleischgewordenen Antithese zu Sohnemann Michaels ständigen Verdächtigungen bezüglich der Redlichkeit seines Stiefvatis!
Und weil wir natürlich vom Vorspann her längst wissen, daß Papi David ganz derbe einen an der Waffel hat, macht das ihre endlose Plärrerei, daß das alles gaaaaaaaaar nix zu bedeuten hat, natürlich noch nerviger und es bedarf schon eines niveauarmen Teenagerhormonhaushaltes, um stattdessen auf die Bikini- und Babydollparade zu fokussieren, die sie für ihre zahlreichen Monologe spazierenträgt. Bis auf den Showdown wird sich dann also auf dem Bett geräkelt oder rumgeschmust (natürlich keimfrei) oder das alte Rein-Raus-Spiel betrieben (also rein in den Pool und wieder raus oder was dachtet ihr...?).

Der Rest vom Film, nunja, der soll dann wohl spannungsfördernd sein, doch leider ist Dylan Walsh seit seiner jahrelangen Rolle in "Nip/Tuck" eher als softes Weichei verschrien und hat schlicht und ergreifend nicht die visuellen "Eier", um uns auch nur einen simplen Schrecken einzujagen. Sela Ward wird in der naiven Muttirolle verheizt und darüber hinaus gibts drei komplett unblutige und unspektakuläre Morde, die noch dazu zäh und klischeehaft gefilmt wurden, ehe die Soße endlich auch daheim überkocht.
Natürlich, wer sich jeden Sonntag die harten Schocks vom wöchentlichen Tatort einpfeift, der steht hier sicher vor Angst ganz schnell auf der Balkonbrüstung, aber eigentlich bleibt alles auf biederem TV-Niveau mit hundertmal gesehenen Spannungsszenen, nicht extrem doof inszeniert, aber eben auch ohne einen Hauch handwerklicher Genialität oder mehr Suspense, als nötig ist, einen Eierbecher zu füllen.

Zum ungemein raffinierten Showdown, der irre hysterisch rüberkommt und verblüffende Parallelen zu dem albernen Dachbodenkäse von "Obsessed" aufweist, gibts dann, potzblitz, noch die Fortsetzungsnummer aus der Kinosteinzeit, da hat dann aber der sehr signifikante Scoreeinsatz (Musik geht hoch, es soll spannend werden, ui....) über den ganzen Film eh schon das Timing eingeschläfert.

Ganz im Ernst jedoch: den Film braucht kein Mensch, außer man hält es für eine akzeptable Freizeitbeschäftigung, einem knochigen Blondchen hinterherzulechzen, denn was man auf VHS vor zwanzig Jahren noch halbgar geschluckt hat, ist jetzt an Betriebsblindheit aller Beteiligten kaum noch zu übertreffen, denn wirklich raffiniert geht unser Killerchen nun auch nicht vor, so daß es schon von den deduktiven Defiziten der übrigen Rollen abhängig ist, daß das Filmchen auf über 90 Minuten kommt. Nur sind 101 Minuten für diesen Ofenkäse dann auch schon längst wieder zuviel, der Geduldsfaden wird bei offensiver Offensichtlichkeit ganz schnell dünne.
Als Kompliment möchte ich vermerken, daß Cardone und McCormick nicht ganz so schlimm anöden, wie noch bei der Prom Night, aber dieses Gegurke um den heißen Brei mit den vielen bunten textilarmen Schlenkern gereicht der Vorlage des ehrenwerten Donald E.Westlake, eines wirklich gefeierten Kriminalautors leider nicht zur Ehre. (3/10)

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