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Drehbuchschreiber J.S. Cardone sollte man nicht gerade nach einem Skript fragen, wenn man einen wirklich guten Film inszenieren will. Denn Cardone hat nun mittlerweile schon 18 Drehbücher verfasst, meist bei Filmen welche er selbst produzierte und nicht eines kann wirklich als brauchbar hingestellt werden, abgesehen vielleicht von "The Forsaken", der im Vergleich vielleicht besten Geschichte aus seiner Feder. Nein, mit Drehbüchern zu "Der Pakt - The Convenion", "Sniper 3" oder dem Remake von "Prom Night" sind wirklich nur B-Movie-Fans wirklich zufrieden zu stellen, wenn überhaupt. Und Cardone ist es nun, der sich auch an das Remake zu "The Stepfather" gesessen hat, jenen spannenden Thriller, welcher Terry O'Quinn bekannt gemacht hat. Wie so oft soll es nicht zu hart werden, denn das PG-13 ist für die Produzenten wichtig. Herausgekommen ist nun ein typisches Cardone-Produkt, welches aber bei Unkundigen zumindest ab und an ein wenig für Gänsehaut sorgen kann.

Das Skript selbst hält sich teilweise recht nah an seine Vorlage, was erst einmal positiv aufgenommen werden kann. Wie schon im Original, so sehen wir auch hier zuerst einen Mann, der sich seiner Gesichtsbehaarung entledigt und wie ein ruhiger und liebenswerter Mensch erscheint, bis man zusehen bekommt, was er angestellt hat: Er hat seine komplette Familie niedergemetzelt. Nun sucht er sich eine neue Familie aus, der er ein perfekter Familienvater sein möchte. Doch als der älteste Sohn Recherchen über die Vergangenheit seines Stiefvaters anstellt, wird die Sache gefährlich... Wer das Original kennt, der bemerkt die Skript-Ähnlichkeiten zum Original schnell, aber natürlich auch die Unterschiede. So ist es dieses mal eine Familie mit drei Kindern, die sich der Stiefvater aussucht, während es im Original nur Mutter und Tochter waren. Und während der echte Vater der Familie im Original verstorben ist, so ist man hier nur geschieden. Kurzum, eine Mischung aus Bekannten und der ein oder anderen Neuerung bekommt man hier geboten, was oberflächlich betrachtet auch erst einmal funktioniert.

Doch beim genaueren Hinsehen verspürt man dann doch etwas, bzw. man verspürt etwas nicht, dass das Original so sehr ausmachte: Das intensive Spiel mit den Gefühlen der Zuschauer. Wo die Vorlage wirklich von Anfang bis Ende packt, verfusselt sich das Produkt von 2009 leider sehr schnell in einen äußerst belanglosen Handlungsablauf. Die Referenzen zum Original werden zwar ordnungsgemäß verstreut, doch wirken sie hier und da eher unangebracht. Als sich unser Bösewicht nämlich beim Namen seiner angeblichen Tochter von früher vertut, sitzt er hier mit seinem "neuen Sohn" am Tisch, während dies in der Vorlage gegenüber einem völlig fremden Kind passiert und man sich somit nicht wundern muss, dass dies keine Konsequenzen für den Stiefvater hat. Hier redet er sich nun mit einer Ausrede heraus, welche mehr als dürftig ist und vom Sohn auch erst einmal geschluckt wird. Oder auch der schockierende Satz "Wer bin ich hier?", welcher in der Vorlage das Finale mit einem Faustschlag einläutet, während er hier nur relativ flüchtig hineingebracht wurde. Kurzum, der hohe Grad an Atmosphäre und des Gefühlswirrwarrs der Zuschauer, ist hier so gut wie gar nicht auszumachen.

Und auch weitere Punkte lassen dieses Remake eher überflüssig erscheinen. Da wäre zum einen Dylan Walsh, welcher sich zwar redlich bemüht den Bösewicht abzuliefern, einem Terry O'Quinn aber in keinster Weise das Wasser reichen kann. Walsh kennt man ja sonst nur als liebenswürdigen, leicht naiven Schönheitschirurg aus "Nip/Tuck" und gegen dieses Image kann er auch hier nicht völlig anspielen. Zwar gibt es schon ein paar wunderschön böse Momente mit ihm, aber zur würdigen Verbeugung vor der Leistung O'Quinns reicht es eben nicht so ganz. Zudem fügt sich auch noch eine recht miserable Figurenzeichnung hinzu, welche in der Nebenfigur von Kelly Porter, gespielt von Amber Heard, ihren Höhepunkt findet. Nicht nur das diese Figur nervt bis zum geht nicht mehr, sie ist in ihrer Weise auch noch derart naiv und bescheuert geworden, dass man sich die ganze Zeit fragt, was Michael nur an diesem Girlie finden mag, außer dass sie einigermaßen sexy ausgefallen ist, weshalb sie wohl auch nahezu durchgehend halbnackt durch die Gegend rennen muss. So eine hohle Nuss hat es selbst bei "Prom Night" nicht gegeben und ist einfach nur in Gänze überflüssig. Und auch das ruppige, viel zu flüchtige Finale, welches durch die PG-13-Freigabe auch nahezu jede Härte und Blutspritzer vermissen lässt, drückt den Film noch einmal nach unten.

Warum dass ganze Treiben dann jedoch trotzdem im Mittelfeld vorzufinden ist, hängt einfach mit der Tatsache zusammen, dass "Stepfather", trotz aller Kritikpunkte, einigermaßen spannend ausgefallen ist, vor allem wenn man das Original noch nicht kennt. Wie sich das ganze Treiben über den Film hinweg entwickelt ist zwar sicher nicht sonderlich überraschend, für so manche Spannungskurve ist es aber dennoch ganz gut zu gebrauchen. Zumal man im Laufe des Films auch die, gerade angesprochene, fehlende Härte größtenteils sonst nicht wirklich vermisst. Cardone und Regisseur Nelson McCormick wollten vor allem auf Spannung ohne Blut setzen und das ist ihnen teilweise dann eben doch gelungen, sieht man eben von Anfang und Ende ab, wo das fehlende Blut und die PG-13 Freigabe stören. Ansonsten kann aber derjenige, welcher das Original nicht kennt, dann doch einen einigermaßen spannenden Filmabend erleben.

Fazit: Völlig überflüssiges Remake eines weiteren Horrorklassikers, welches aber zumindest bei denjenigen, welche das Original nicht kennen, für einigermaßen spannende Unterhaltung sorgen kann. Auch wenn Dylan Walsh nicht gegen Terry O'Quinn ankommen kann, eine der Nebenfiguren völlig aus dem Ruder läuft vor Naivität und auch sonst nicht jede der Änderungen zum Original überzeugt, so dürfte einem soliden, wenn auch harmlosen Horrorabend nicht viel im Wege stehen. Wer das Original jedoch kennt, der lässt "Stepfather" lieber links liegen und lässt seinen unkundigen Freunden ihren Spaß. Für einmal gruseln klappts dann nämlich doch einigermaßen.

Wertung: 5,5/10 Punkte

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