Review

Nachdem sich Dolph Lundgren erwartungsgemäss eher schlecht als recht durch seinen letztes ostblocksches Stock Footage-Konglomerat gehustet hat, durfte er nach der Erfüllung der Auftragsarbeit "Direct Contact" nun zur Abwechslung wieder selbst ans Ruder und übernimmt bei "Command Performance" Drehbuch, Screenplay & Regie. Seine bisherigen, allesamt recht respektablen Regiearbeiten im Hinterkopf behaltend wartete die Fangemeinde mit Spannung - und darf sich auf jede Menge Ernüchterung einstellen.
Sehr viel mehr Durchschnitt geht nämlich kaum.

Dabei wollen wir gar nicht allzu sehr auf dem selbst bei oberflächlicher Betrachtung schon recht lachhaftem Grundgerüst für den x-ten "Stirb Langsam"-Klon herumreiten, wenngleich natürlich Lundgren als ehemaliger Bad Ass-Biker (oho!), der seine Brötchen mittlerweile als Drummer in einer Hard Rock-Band verdient (passte zufällig ganz gut, weil der Schwede auch privat Schlagzeug spielt), welche dann eingangs auf einem Konzert in Russland auch gleich sehr zur Freude der roundabout 13-15jährigen Mädelzielgruppe die Vorband für einen Britney Spears-like Pop-Act machen darf (??), schon ein ziemlich modriges Storybrett ist, dass man da um die Ohren gehauen bekommt.
Es muss wohl ein schon seit längerem gehegter & gepflegter Traum von Lundgren gewesen sein, einmal als Aushilfs-Willis mit zersaustem Haar und nacktem Oberkörper durch die Räumlichkeiten einer Konzerthalle zu tigern, Dope zu rauchen, den Bösen die Flausen aus dem Kopp zu dreschen und am Ende zum lecker Blickfang in die Karre steigen zu dürfen, anders kann man sich als geneigter Fan die nur noch von dem Motiv des Hauptantagonisten getoppte Simplizität des Drehbuchs kaum erklären.
Nun, sei's drum; nachdem man sich durch die Gigs der beiden Acts (tatsächlich recht gut in Szene gesetzt), etwas Getratsch zwischen Dolph & seinen Bandkollegen (die kurz darauf aus dem Film verschwinden und auch nicht wieder auftauchen, womit man schonmal jeden möglichen persönlichen Bezugspunkt gleich drehbuchtechnisch "gekonnt" niedertrampelt) und einem reell betrachtet eher peinlichen Annäherungsversuch der jungen Popdiva an den alternden Rocker inklusive eines noch viel peinlicherem Schauspielversuchs auf Seiten von Lundgren gekämpft hat, kann man ja actiontechnisch im Prinzip die Sau raus & die Kuh fliegen lassen.

Aber Pustekuchen.
Wenn der Obervillain als Eisverkäufer verkleidet, sein (vermeintlich) eigenes Erzeugnis schleckend auf zwei irgendwie vollkommen deplaziert wirkende Security Guards ohne Waffen im Anschlag, dafür mit dummen Gesichtsausdrücken bewaffnet und solch geistreichem Dialog in der Vita von "Was'n los, wohin des Wegs?" versehen zuläuft, schwant dem geneigten B-Action-Fan schon Böses - davon kann auch der recht blutige Klingenkill in der Folge nicht wirklich ablenken. Sogleich offenbart sich eines der Hauptprobleme dieses Streifens: Wenn der Bösewicht zeigen muss wie böse oder der coole Altrocker Joe alias Lundgren zeigen will wie cool er ist, dann gibt das auf der einen Seite schonmal blutige, kompromisslose Hinrichtungen bzw. auf der anderen Seite entsprechend, wenngleich dort dann natürlich "stilgerechter" unter Zuhilfenahme eines Drumsticks oder abgebrochenen E-Gittarrenhalses bspw.
Sobald aber mehr(ere) Personen in das Hauen, Schiessen & Stechen involviert sind, fassen sich Drehbuchautor, Kameramann & Editor gemeinsam an den Händen und zaubern eine langweilige Belanglosigkeit auf den Bildschirm, der an allen Ecken und Enden lauthals "Durschnitt! Bestenfalls!" schreit. Offenbar in dem Bemühen, das Ganze irgendwie als "Rasant" zu präsentieren, wird dort zum einen auf jede Menge Bournesche Wackelkamera-Hektik gesetzt, ohne deren Klasse auch nur ansatzweise zu erreichen, freilich. Zu allem Überflusse werden diese Spielchen dann auch & gerade zu Beginn des Films ebenso in vom Kontext her eigentlich ruhigen Handlunsgpassagen betrieben: Man zeigt die zunächst starre Einstellung einer oder mehrerer beteiligter Personen, zoomt dann urplötzlich fix etwas dichter heran, dann nochmal etwas dichter, dann schnell wieder ein Stück zurück usw. Was genauso dumm aussieht, wie es sich anhört.

Zum anderen wird in den weitläufigeren Actionszenen der Einsatz von Kunstblut respektive Bloodpackages/Shootout-FX genauso deutlich zurückgefahren wie die Innovationen beim Einfangen dieser Szenen. Es gehören sich für dieses Genre nunmal ein paar ordentliche Zeitlupeneinstellungen, und WENN man schon weitestgehend darauf verzichtet, dann darf es doch zumindest mal ein längerer, ruhiger Kameraschwenk über die Action hinweg, ein flotter 360 Grad-Kameraschwenk von der Mitte des Geschehens aus oder ir-gend-et-was sein, dass den Schmock so a ganz bisserl aus der blöden Einheitsmasse heraushebt.
Darauf wartet man bei "Command Performance" allerdings vergeblich. Weniger ist nur noch der Anteil an Spannung, denn eine solche Kurve ist nun so rein gar überhaupt nicht messbar - die Vorhersehbarkeit des Geschehens bestimmt selbiges voll und ganz, die Villaintruppe ist bis auf den Obermotz und dessen rechte Hand so gesichts- wie charakterlos, und selbst die beiden bekommen nur die üblichen Einheitsworthülsen und Stammphrasen in die Münder gelegt. So werden die Bad Guys im Zuge der Aufräumarbeiten des Helden, welcher alsbald noch etwas Unterstützung in Form eines russischen Agenten an dessem ersten Arbeitstag bekommt, ohne grössere Kraftanstrengung mal mehr, mal weniger interessant wahlweise ins Delirium oder Jenseits geschickt.  Und weil dies a) vornehmlich in Echtzeit, b) aus oftmals reichlich unspektakulären, manchmal gar optisch sehr ungünstigen Kameraperspektiven und c) üblicherweise vollkommen leidenschafts-, anteilnahms- und emotionslos geschieht, so dass es bestenfalls dumme Blicke der übrigen Parteien provoziert, wähnt man sich ab und an fast in einem Dokumentarfilm.
Zumal hier und dort gepiekte & gepfählte Leute zwar optisch zuweilen recht nett sind, Schwarzeneggerfans der ersten Stunde ansonsten aber genauso sehr müde zum Literpott Kaffee greifen lassen dürften wie die wenigen, ziemlich unausgegorenen Oneliner, die Dolph zum Besten gibt.

Hier kann einfach nichts zusammen passen, weil es schlichtweg nichts gibt, das zusammen passen könnte.
Ein Ansatz, etwas Dunkles aus der Vergangenheit der Figur von Drummer Joe zu zeigen, welches ihn Schusswaffen selbst (oder gerade) in lebensbedrohlichen Situationen konsequent ablehnen lässt, wird erst halbgar eingebracht, dann gar nicht gross weiter verfolgt und kurz vor dem Finale auch noch lässig über den Haufen geworfen, damit der tapfere Recke dann doch nochmal fleissig mitballern darf. Bewaffnet wird sich dabei unter einem nervigen Strobo-Lichteffekt, wo vorher noch ganz normale Raumbeleuchtung vorgeherrscht hat; Stilmittelauswahl gut gemeinte 4- .
Der zweite Mann in der Riege der Fiesewichter bekommt nach ca. 200 Toten & Verletzten bei der rüden Stürmung des Konzerts plötzlich ganz dolle Gewissenbisse, wenn er den letzten Rest der noch lebenden Besucher auch noch umbringen soll (soso), aber anstatt dieser Figur dann zwischen den Stühlen noch etwas Tiefe zu verleihen oder zumindest der Entwicklung der Geschichte und dem Spannungsaufbau wegen zum Schluss einen bedeutungsvolleren Part einzuräumen, darf der Oberbösewicht ein weiteres Mal zeigen, wie böse (und clever, wa) er ist und den armen Tropf ordentlich unspektakulär aus der nachfolgenden Handlung entfernen.
Den ganzen Film über wartet das an allen wichtigen Eingängen der Halle positionierte "Team Alpha" auf den Kampfeinsatz, und wenn man dann zum Finale hin grossspurig einen Simultanschlag aus der Luft via Helikopter und am Boden mittels Panzern und Infanterie ankündigt, dann bleibt davon genau ein von einem Ramm-Vehicle durchbrochener Eingang inklusive kleinem Explosiönchen sowie zwei von der Militärmeute erschossene Bad Guys übrig, welche lustigerweise Skimasken tragen, was von den anderen Villains zuvor eigentlich keiner tat, und überhaupt irgendwie wirken, als würden sie gerade unglücklicherweise mit der richtigen Bewaffnung über das falsche Filmset latschen.

Wo man bei "Direct Contact" zumindest noch in den grösseren Schusswechseln satte blutspritzende Einschüsse in Zeitlupenaufnahmen (wenn auch eher unnötig plakativ dargestellt) und reichlich in die Luft fliegende Schaise (wenn auch ausnahmslos aus anderen Filmen geklaut) und mit Michael Paré einen recht charismatischen Bösewicht hatte, bekommt man bei "Command Performance" zwar die insgesamt betrachtet handwerklich solidere & besser editierte Kost mit teilweise netten Einzelkills; dafür aber gleichermassen spannungs-, überraschnungs- & innovationslose Actionszenen, oft genug unübersichtlich gestaltet, vom ständigen Halbdunkel zusätzlich abgewertet und der halbgaren Kameraarbeit beinahe komplett zerrödelt. Abgesehen von den beiden einleitenden Songs ist auch die restliche musikalische Untermalung kaum der Rede wert und trägt somit ebenso wenig zu einem homogenen Gesamtgeschehen bei, zudem nerven ein paar aus etlichen vorherigen Royal Oaks bzw. Nu Image-Gurken wie "Agent Red", "Steel Train" & "Time Under Fire"  bspw. importierte Musicscores.

Hier passiert im Prinzip alles ausschliesslich des Passierens wegen; eine vernünftige, fortlaufende Handlung mit aufeinander aufbauenden Storyversatzstücken gibt es quasi gar nicht. Man läuft halt durch die Räume & Korridore, trifft auf Gegner, entledigt sich derer in kurzen, weitestgehend schmerz- sowie schauwertfreien Aktionen, läuft weiter, redet zwischendurch etwas dummes Zeug (glücklicherweise nicht allzu viel), trifft erneut auf Gegner usw. usf. Es wird nicht einmal annähernd der Versuch gemacht, etwas "komplexere" Handlung à là "Jetzt müssten wir uns mal da- und dorthin begeben, um jenen und welchigen Sicherungskasten abzustellen, damit Hilfe von aussen an den und den Punkten leichter zu uns durchdringen kann" oder ähnlichem einzubauen; das Drehbuch wirkt wie auf einem Dienstag spätnachmittag 2 Stunden vor dem Essen in eins durchgeschrieben.
Weitestgehend unspektakuläre Schusswechel, eine Handvoll recht blutiger Hinrichtungen und 1-2  ziemlich schlecht getrickste CGI-Explosionen geben sich nacheinander die Klinke in die Hand, und so folgt man dem Ganzen gemütlich durch die saft- und kratflos erzählte Geschichte bis zum wohlverdienten Schluss nach knappen 90 Minuten, wo die Villains erschossen, erstochen oder im Keller an ein Heizungsrohr gepinnt und alle wichtigen Beteiligten gerettet, mit Medallien ausgezeichnet und sich gegenseitig zufrienden in den Armen liegend glücklich sind.

Nein, hier hätte mehr herauskommen müssen.
Offensichtlich war das Budget aber doch nicht so dicke, wie es Dolph Lundgren gerne gehabt hätte, und so haben Genrekollegen in früheren Präzendenzwerken wie Seagal in "Alarmstufe Rot 1 & 2"  oder Van Damme in "Sudden Death" weiterhin eindeutig die Nase vorn, während das vorliegende Werk zwar immer noch für einen über alle Maßen unaufgeregten Samstag nachmittag einigermassen brauchbar ist, ansonsten aber keinen erfahrenen Actionfilmfan wirklich hinter dem Ofen hervorzulocken weiss. Dafür ist das alles viel zu distanziert und überrraschungsfrei, uninspiriert und bieder. Daran ändert auch "Strong bloody violence throughout" nix und beweist, dass dies noch lange kein Garant für eine coole B-Actionperle ist, wenngleich dies einem nicht unerheblichen Anteil eher anspruchsloserer Gemüter vermutlich wie üblich für eine durchweg positive Bewertung voll und ganz genügen wird.

Allen anderen bleibt nur das Warten auf "Icarus". 5/10 Points

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