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ACHTUNG! SPOILER!

Avalon Bay, 28. Juni 1945. Der Abend des „Graduation Day". Ein junges Paar verlässt den Saal, in dem der Abschlussball stattfindet, um sich an einem ruhigeren Platz zu amüsieren. Dabei werden sie von einer vermummten Gestalt mit einer Heugabel aufgespießt. Der maskierte Täter entkommt unerkannt.
Avalon Bay, 28. Juni 1980. Seit 35 Jahren hat es keinen Abschlussball mehr gegeben, denn der einflussreiche Vater des ermordeten Mädchens, Major Chatham (Lawrence Tierney), war dagegen, da die Identität des Mörders niemals aufgedeckt wurde. Doch in diesem Jahr soll die Tradition wieder aufgenommen werden. Während sich am Abend die Schüler, Eltern und Lehrer für den Ball zurecht machen, schleicht der Mörder von damals wieder in der Gegend herum. Nach und nach werden mehrere junge Frauen und Männer von diesem bestialisch abgeschlachtet. Als der Mörder auch die junge Pam McDonald (Vicky Dawson) überfällt, kommt es zu einem brutalen Kampf zwischen ihnen. Als die beiden um eine Schrotflinte ringen, löst sich versehentlich ein Schuss und dem Angreifer wir der Kopf weggeblasen. Als Täter wird schließlich George Fraser (Farley Granger), der Sheriff des Ortes, der angeblich zum Fischen gefahren war, identifiziert. Damals, vor 35 Jahre, war Fraser einer von vielen Soldaten, die aus dem Krieg in ihre Heimat zurück kamen. Seine verlobte Rose Chatham hatte ihm kurz vor seiner Heimkehr in einem Brief mitgeteilt, dass sie nicht mehr auf ihn warten könne. Sie habe einen anderen Mann kennengelernt. Diese Nachricht verstörte den jungen Mann so sehr, dass er am Abend des Abschlussballs Rose und ihren neuen Freund ermordete. Als nun die Tradition des Graduation Day wieder aufgegriffen wird, beginnt Fraser erneut zu morden.

THE PROWLER ist ein Film, der zur Blütezeit des Slasher-Genres entstand, welches vor allem durch John Carpenter's „Halloween" (1978) initiiert wurde, gefolgt von zahllosen Imitationen, die aber in der Regel die Qualitäten vermissen lassen, die Carpenter's Film so erfolgreich gemacht haben. Auch THE PROWLER kann seinem Vorbild keinesfalls das Wasser reichen, auch wenn er dessen Stilmittel benutzt oder gar ganze Szenen beinahe Bild für Bild kopiert. So arbeitet Regisseur Zito u.a. auch häufig mit subjektiver Kamera, erreicht aber nie die intensive Atmosphäre, die Carpenter in „Halloween" evoziert.

Zu Beginn des Films gelingt es Zito immerhin temporär das Interesse der Zuschauer zu wecken, wenn er mit Hilfe einer gelungenen Parallelmontage zeigt, wie sich einerseits die Hauptakteure für den Ball zurechtmachen und einkleiden, während zeitgleich der „Prowler" seine Montur und Maskierung anlegt.
Doch im Folgenden zeichnet sich der Film nicht gerade durch eine subtile Inszenierung aus, sondern mehr durch seine detailliert in Szene gesetzten, sehr blutigen und spekulativen Morde. Diese extremen Splatter-Szenen brachten dem Film erhebliche Kritik von unterschiedlichen Seiten ein und führten dazu, dass er entweder drakonisch gekürzt oder gleich ganz verboten wurde. Auf der anderen Seite sind es gerade diese möglichst realistischen und blutigen Spezialeffekte, die im Laufe der Zeit zu einer Art „Markenzeichen" dieses Genres wurden und die auch THE PROWLER zu einem viel diskutierten Markstein des Genres machten.

In diesem Film geht der mit einem Stahlhelm und einer Maske getarnte Killer, der emotions- und gesichtslos wie eine Mordmaschine agiert, u.a. mit einer Heugabel gegen seine Opfer vor. Besonders drastisch dargestellt ist dabei der Mord an einer Frau unter der Dusche, die der Killer mit seiner Forke durchbohrt, sowie die Szene, in der er einem Mann ein Bajonett von oben durch den Kopf stößt. Am Ende des Films, nachdem der Täter von einem scheinbar tödlichen Schuss getroffen wurde, bäumt dieser sich nochmals auf und fällt über das „Final Girl" her, bis ihm der Kopf in aller Deutlichkeit mit einer Schrotflinte weggeschossen wird. Dass der scheinbar schon nicht mehr lebende Täter sich doch noch einmal aufbäumt, wurde ebenso zum Klischee des Genres wie der maskierte, emotionslose Killer und das „Final Girl", das am Ende als einzige das Gemetzel überlebt.

Die dünne Handlung des Films schleppt sich mühsam von einem Mord zum nächsten, ohne die Zeit dazwischen sinnvoll auszufüllen. So lässt Zito dann auch schon mal einen Protagonisten minutenlang und ohne Sinn durch ein dunkles Haus oder durchs Unterholz stolpern. Ein paar überflüssige Jump-Scares baut Zito schließlich auch noch ein. Diese Art der künstlichen Spannungsmache erzeugt aber nichts anderes als Langeweile.
Der Täter ist nicht mehr als eine wandelnde Schablone, über dessen Hintergrund oder seine Motivation der Zuschauer so gut wie nichts erfährt. Warum er nach 35 Jahren wieder aktiv wird und wahllos Morde begeht bleibt sein Geheimnis. Aber auch die Opfer sind dermaßen „gesichtslos", dass ihr Ableben den Zuschauer absolut unberührt lässt. Da auch die Dialoge (an denen sagen und schreibe fünf (in Worten: fünf) Autoren gewerkelt haben) von eher ärmlichem Niveau sind, ist THE PROWLER insgesamt eine ziemliche Geduldsprobe. Das dumme, völlig überflüssige und unsinnige Twist-Ending gibt dem Film schließlich den Rest. Nur etwas für Nostalgiker und eingefleischte Fans von Slasher-Filmen.

Der im Abspann immerhin an dritter Stelle geführte Darsteller Lawrence Tierney taucht im Film selbst nur für einen winzigen Augenblick in einer Totalen auf, und auch der zweite namhafte Darsteller, Farley Granger, hat als Sheriff nur eine sehr kleine Rolle.
„Disco Blood" ist einer der Titel, den die Rockband „Nowhere Fast" im Film zum besten gibt. Zuständig für die blutigen Effekte war der damals noch am Anfang seiner Karriere stehende Tom Savini.

In Deutschland wurde THE PROWLER unter dem Titel „FORKE DES TODES" 1988 vom Label „Westside Video GmbH" (Coesfeld) auf VHS veröffentlicht und im Sommer 1989 von der Staatsanwaltschaft bundesweit beschlagnahmt. Am 18.03.2013 wurde von der BpjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) eine Folgeindizierung ausgesprochen. Der Film wurde über die Jahre im In- und Ausland in zahlreichen Versionen auf VHS und DVD/Blu-ray veröffentlicht, wobei die meisten Fassungen mehr oder weniger gekürzt waren. In den Niederlanden kam 1986 bei CVD eine ungeschnittene Fassung auf den Markt, die eine Lauflänge von 88:05 Minuten (PAL) aufweist (frei ab 16). Die Bildqualität des Tapes ist aber eher mäßig und in den meisten Szenen viel zu dunkel. Die 2012 bei „Supreme Film" erschienene deutsche DVD (FSK 16) ist stark gekürzt und hat eine Laufzeit von nur noch 82:51 Minuten. Das Bild ist allerdings vergleichsweise gut, doch in dieser Form ist der Film nur noch ein sinnloses Fragment.

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