Im Vatikan herrscht Krisenstimmung: Gerade ist der alte Papst verstorben, da tauchen die Illuminati, ein Bund gegründet von Wissenschaftlern, die vor Jahrhunderten von der Kirche gejagt und in den Untergrund gedrängt wurden, wieder auf und entführen vier Kardinäle, von denen sie stündlich einen töten wollen. Umgehend wird ein Experte, Robert Langdon, gespielt von Tom Hanks, konsultiert, der im Vatikan feststellen muss, dass die entführten Kardinäle nicht das einzige Problem sind, vor dem die katholische Kirche nun steht: Irgendwo im Vatikan befindet sich ein Behälter mit Anti-Materie, der in einigen Stunden explodieren und halb Rom zerstören wird. Die Jagd nach dem Entführer und Bombenleger beginnt.
Der gleichnamige Roman von Dan Brown war, ähnlich wie "Sakrileg" heiß diskutiert, von der katholischen Kirche kritisiert aber kommerziell enorm erfolgreich. Bei der anschließenden Verfilmung von "Sakrileg" war der Medienrummel erneut extrem groß, mit dem Resultat, dass der Film rund 750 Dollar einspielte. Das Budget für "Illuminati" war nun entsprechend hoch gesteckt, genauso, wie die Erwartungen an Ron Howards Werk, das, nachdem der Vatikan die Drehgenehmigung an Originalschauplätzen verweigerte und bei seiner Premiere (natürlich in Rom) erneut den Weg in alle Tageszeitungen und Nachrichtensendungen schaffte. Und einigen wird dieser Hochglanzthriller, dieser Blockbuster, der sich selbst vielleicht ein wenig zu ernst nimmt und die Erwartungen vielleicht nicht ganz erreicht, daher nicht gefallen, aber "Illuminti" ist definitiv kein schlechter Film und unterhält durchgehend auf hohem Niveau.
Wer die Vorlage von Dan Brown noch einmal Revue passieren lässt, der wird zugeben müssen, dass sie auch in drei oder vier Stunden kaum auf die Leinwand gebracht werden könnte, ohne, dass manche Aspekte vernachlässigt würden und so muss auch Ron Howard Abstriche machen, die ihm jedoch alles in allem gut gelingen. Die Handlung baut er gradlinig auf und Verzichtet auf Rückblenden, die in der Vorlage noch vorhanden waren. Die Handlungsstränge werden dabei auf das Wesentliche beschränkt, nehmen jedoch durchgehend an Fahrt auf und hinterlassen kaum den Eindruck, dass etwas wirklich wichtiges Fehlen würde. Das Finale ist ebenfalls gut aufgebaut, wobei hier vielleicht kleinere dramaturgische Brüche vorhanden sind, die "Illuminati" zum Ende hin ein wenig die Fahrt nehmen. Ein wenig ärgerlich ist es vielleicht, dass die Charaktere allesamt nicht an Profil gewinnen, da die Charakterkonstruktion im Grunde nicht stattfindet, aber eine tiefere Charakterkonstruktion braucht der Film im Grunde auch nicht. Da Howard, der Browns haarsträubende Thesen um die Illuminati und den Pfad der Erleuchtung 1:1 umsetzt, keinerlei Anspruch darauf erhebt, dass diese auch nur im Ansatz der Realität entsprechen könnten und keinerlei offene Provokation gegenüber der katholischen Kirche zu erkennen ist, bleibt der Film eigentlich im Rahmen dessen, was man noch nicht als Dreistigkeit gegenüber der Kirche bezeichnen kann.
Denn Ron Howard baut den Film als rasante Schnitzeljagd durch Rom auf, die kaum spannender sein könnte. Howard, der sowohl mit spannenden Blockbustern wie "Apollo 13" oder "Backdraft", als auch mit vielschichtigen Dramen wie "A beautiful Mind" und "Frost/Nixon" bewies, dass er zu den besten und vielseitigsten Regisseuren Hollywoods gehört, beschleunigt das Tempo von der ersten Minute an und auch, wenn die Exposition dabei etwas kurz gerät, fesselt der Film so von Anfang an.
Der Schnitt ist rasant, wirkt aber kaum hektisch und so wird das Geschehen enorm schnell vorangetrieben. Hinzu kommt noch der überragende Score von Hans Zimmer, eine seiner besten Arbeiten seit Langem, der aus packender Spannungsmusik, unterlegt mit sakralen Klängen, besteht, der die zum bersten gespannte Atmosphäre und das Tempo immer wieder verstärkt. Jedes mal, wenn Zimmers Klänge erklingen, ist die Spannung da und weicht in den nächsten Minuten nicht mehr. Der Film erinnert dabei im Mittelteil, in dem er sich ganz klar auf dem Höhepunkt befindet, beinahe an die temporeichen Folgen von "24" und ähnlichen Formaten. Beeindruckend ist dabei ebenfalls, wie Howard trotz des schnellen Schnitts und des rasanten Tempos, mit dem die Serienkillerhatz bestens unterhält, die grandiosen, für den Film nachgestellten Kulissen, des Petersdoms, des Petersplatzes, des Pantheons und der Engelsburg, sowie andere Wahrzeichen Roms in Szene setzt. Immer wieder sind schnelle Kamerafahrten vorhanden, bei denen Howard doch noch den einen oder anderen flüchtigen Blick auf die Wahrzeichen der italienische Metropole erhascht und auch bei der opulenten Ausstattung und den, zum Ende hin verwendeten Spezial-Effekten, merkt man dem Film sein immenses Budget voll und ganz an. Damit ist "Illuminati" rundum gelungenes Unterhaltungskino, das wegen der blassen Charaktere leider neben der Spannung kaum Dramatik erzeugt.
Ein wenig störend ist, dass der Film gelegentlich dann doch mehr sein möchte, als er eigentlich ist. Diskussionen um den ewigen Kampf zwischen Wissenschaft und Kirche werden immer mal wieder begonnen, haben, da sie nicht vertieft werden, aber keinerlei Substanz. Vor allem beim Finale, das den Film dann doch noch auf eine höhere Ebene zerren will, wird der Bogen ein wenig überspannt, auch wenn die Aufnahmen des Petersplatzes, auf dem tausende Menschen auf die Verkündung des neuen Papstes warten, gelegentlich den Eindruck einer gewissen monumentalen Größe aufkommen lassen. Immer wieder, wenn Diskussionen dieser Art begonnen werden und der Film künstliche Dramatik zu erzeugen versucht, entsteht so leider ein fader Beigeschmack, doch nur einen künstlich aufgeblähten Blockbuster zu sehen, wenngleich der Film dies eigentlich überhaupt nicht nötig hat. Vor allem das Finale, das in der Vorlage wesentlich dramatischer und spannender war, krankt an diesem Problem, wobei die vorangegangenen zwei Stunden hierfür entschädigen sollten. Ein spannender Thriller, mehr ist "Illuminati" nicht, auch, wenn er es gern wäre.
Da die Charaktere kaum an Profil gewinnen und der Film sein hohes Tempo durchgehend hält, haben die Darsteller nicht sonderlich viel Raum im Film und damit leichtes Spiel. Tom Hanks, der aufgrund dessen vielleicht ein wenig gelangweilt wirkt, spielt sein Programm routiniert herunter, ist in seiner Rolle charismatisch und relativ präsent, leistet sich keinerlei Fehler und ist damit für seine Rolle gut genug, war aber zuletzt in "Der Krieg des Charlie Wilson" wesentlich stärker, so kann der doppelte Oscar-Preisträger hier nicht ganz an alte Glanzleistungen anknüpfen. Ayelet Zurer spielt ihre Hauptrolle solide, bleibt aber neben dem charismatischen Hanks und den starken Nebendarstellern sehr unauffällig. Ewan McGregor, der nach Blockbustern wie "Star Wars" 1-3 und "Die Insel" in letzter Zeit eher in Charakterrollen in kleineren Filmen zu sehen war, zeigt sich hier von seiner besten Seite und spielt den, nicht so leicht zu durchschauenden Camerlengo durchgehend souverän und stiehlt damit Hanks die Show, genauso, wie der überzeugende, kantige, enorm präsente Stellen Skarsgard, der als Leiter der Schweizer Garde ebenfalls einen durchweg positiven Eindruck hinterlässt. Der übrige Cast, in dem sich besonders Armin Müller-Stahl mit einer gewohnt guten Leistung hervortut, weiß durchaus zu überzeugen.
Fazit:
Mit "Illuminati" gelingt Ron Howard eine enorm spannende Serienkillerhatz durch Rom, die optisch einiges zu bieten hat, kaum schneller und rasanter sein könnte und sowohl mit dem grandiosen Score von Hans Zimmer, als auch mit dem stark besetzten Cast, hervorragend unterhält. Da die Charaktere nicht an Profil gewinnen und der Film vor allem zum Ende hin zu einer Überdramatisierung der Geschehnisse neigt, sich hier selbst ein wenig zu ernst nimmt, holt Howard vielleicht nicht das letzte Quäntchen Potential aus Dan Browns Vorlage heraus, aber es sind im Grunde nur marginale Fehler, die dem Oscar-Preisträger unterlaufen. Ein rundum empfehlenswerter Thriller.
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