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Romanverfilmungen haben es per se nicht einfach. Entweder hat man sich so weit vom Buch entfernt, dass alle Fans desselbigen aufschreien, oder – wie in diesem Fall – scheint sich der Stoff auf der großen Leinwand einfach nicht entfalten zu können. Und dabei hätten die Verantwortlichen eigentlich klüger sein müssen, da ähnliche Kritikpunkte schon bei „Da Vinci-Code“ (der eigentliche zweite Teil) zur Sprache kamen. Doch bei einem Einspielergebnis von weit über 800 Millionen Dollar wähnte man sich wohl - zu Recht - auf der sicheren Seite, denn auch „Illuminati“ wird die Massen in die Kinos locken.

Ein ganz großes Problem der Filme ist, dass sich Regisseur Ron Howard zu eng an die Romanvorlagen hält. Auf den ersten Blick mag das gar nicht mal so verkehrt sein, da sich die Bücher von Dan Brown partiell schon wie Drehbücher lesen: Viele Schauplatzwechsel und ein zügiger Erzählstil. Meist in Echtzeit und ohne große Zeitsprünge. Da müsste es doch eigentlich ein Leichtes sein, diesen Stoff auf die große Leinwand zu bringen. Müsste…
War „Da Vinci Code“ ein zwar etwas zäher Film geworden, so faszinierte die Geschichte auch im Kino durch eine großartige Grundidee, die „Indiana Jones“- Elemente mit denen eines realistischen Thrillers kreuzte. Dabei waren die (für die Kinofassung abgespeckten) Rätsel, die sich wie ein Puzzle Stück für Stück zusammensetzten, amüsant anzusehen, auch wenn mit Klischees nicht gespart wurde. Im Großen und Ganzen eine gelungene Romanverfilmung. Kein Wunder, dass früher oder später auch „Illuminati“ verfilmt werden sollte…

Ein großer Unterschied zu „Da Vinci Code“ ist die Einfältigkeit der Geschichte, die kaum Raum für Subtilität oder großes Rätselraten lässt. Das Strickmuster bleibt aber dasselbe: Zuerst wird eine Leiche mit Zeichen gefunden, dann wird Robert Langdon (plus hübsche Frau) dazu geholt und schon geht die Schnitzeljagd los. Diesmal im Vatikan. Dass die Geschichte extrem vorhersehbar ist und die Figuren ziemlich flach sind, störte im Roman weniger, da es Brown hervorragend versteht, seine Leser Kapitel für Kapitel bei der Laune zu halten. Zudem glänzt Brown mit einem interessanten wissenschaftlichen Unterbau und klaren Erläuterungen.
Leider gehen dem Film beide Aspekte komplett abhanden. Weder die Spannung, noch die interessanten Hintergründe haben es in den Film geschafft. Ron Howard verlässt sich ausschließlich auf seine Stars und einer Inszenierung, die komplett auf Blockbuster getrimmt ist.

Exemplarisch seien hier nur einmal die ersten Minuten des Filmes benannt, die in Genf in der europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) spielen. Nimmt dieser Teil im Buch eine zentrale Rolle ein, so handelt Brown dies in wenigen Minuten ab und lässt mal nebenbei Antimaterie entstehen, die auch sofort gestohlen wird. Was nun diese Antimaterie ist, und wieso sie erzeugt wurde, wird nur in kurzen Nebensätzen abgehandelt. Dass auch gerade dieser Aspekt (der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion, der daraus entsteht) so vernachlässigt wird, ist nicht nur schade, sondern auch ein ganz gewaltiger qualitativer Missstand, der dem Film angerechnet werden muss. Da nützt auch nicht eine rasende Kamerafahrt quer durch die kilometerlangen Gänge der CERN nichts.

Wer noch immer darauf plädiert, dass sich ein Film nicht zu einhundert Prozent an ein Buch halten muss, dem sei beigepflichtet. Doch wenn zentrale Aspekte der Geschichte einfach ausgeklammert werden, so wird’s gefährlich. Wenn dann auch noch der Rest nicht stimmt, so kann’s ganz übel enden. Denn Ron Howard versteht es den gesamten Film über nicht, Spannung zu erzeugen. Zwar kommt Robert Langdon kaum zur Ruhe, doch viel mehr als ein Gehetze von A nach B, ganz im Stile einer Schnitzeljagd, ist das nicht wirklich. Die Spannung, die sich eigentlich einstellen müsste, wird kaum greifbar, zumal die „dramatischen“ Szenen immer wieder ungeschickt durch lange (und auch zähe) Dialogpassagen der Kardinäle und Priester unterbrochen werden. Dass die Protagonisten jeweils nur eine Stunde Zeit haben, einen Kardinal zu retten, wird ebenfalls kaum spürbar inszeniert. Selbst die Szene, in der Robert Langdon in einem Vakuum eingesperrt ist, bleibt seltsam spannungslos. Immer mehr beschleicht einen das Gefühl, dass Ron Howard hier der falsche Mann für den Stoff war.

Dass nicht einmal an Originalschauplätzen gedreht wurden durfte, macht den Film, der eigentlich von Schauwerten leben sollte, unspektakulär und synthetisch, da nun Vieles sichtbar aus dem Computer stammt und dem Film so viel von seiner Authentizität genommen wird.

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