Review

"Skynet hat große Pläne aber der Widerstand hat noch größere. Hier spricht John Connor. Wenn ihr das hört gehört ihr zum Widerstand."

"Terminator - Die Erlösung" ist der vierte Teil der Science-Fiction- / Action-Reihe und setzt 14 Jahre nach dem prophezeiten Nuklearangriff des Supercomputers Skynet ein. Erstmals thematisiert ein Film der Reihe ausschließlich den fiktiven, zukünftigen Krieg gegen die Maschinen.

Nach Jahren des Krieges gegen die künstliche Intelligenz Skynet und seine technologisch immer besser werdenden Terminatoren entdeckt eine Gruppe des Widerstandes unter John Connor's (Christian Bale) Leitung im Jahr 2018 ein altes Labor sowie ein anschließendes Gefangenenlager. Durch den Angriff der Maschinen wird dieses zerstört und Connor's Trupp bis auf ihn selbst getötet. Nach Connor's Rettung erwacht der im Jahre 2003 zum Tode verurteilte Straftäter Marcus Wright (Sam Worthington) ohne zu wissen wo und wann er sich befindet. Auf der Suche nach antworten erreicht er eine zerstörte Stadt wo er auf Kyle Reese (Anthony Yelchin) stößt. Kyle ist John Connor's Vater, zu diesem Zeitpunkt allerdings noch ein jugendlicher Rebell und auf Rang 1 der Abschussliste von Skynet. Schon kurze Zeit später entdecken die Maschinen das Versteck der beiden und nehmen Kyle, sowie einige weitere Menschen, gefangen. Erneut nichts wissend auf der Flucht trifft er die im Flug abgeschossene Kämpferin Blair Williams (Moon Bloodgood) die ihn zu einem Lager der Widerstandskämpfer führt, wo sich auch John Connor befindet und Pläne für einen Angriff auf eine von Skynets Fabriken schmiedet. Während Connor's Existenz durch Kyle Reese' Gefangenschaft gefährdet ist, trägt Marcus ein Geheimnis in sich, das den Widerstand brechen soll.

Für Regisseur McG ("Drei Engel für Charlie") ging mit seinem Engagement im lukrativen Franchise ein großer Traum in Erfüllung. Parallel ließen Fans und Kritiker gleichfalls Verbitterung und herbe Enttäuschung regnen, war McG bisher doch nur an knallbunten, sinnfreien Actionfeuerwerken beteiligt. Vorab sei erwähnt: Ein totaler Ausfall ist "Terminator - Die Erlösung" nicht. Allerdings auch kein Meilenstein für die Reihe oder das Actiongenre.

Das etablierte und bewährte Konzept der Terminator-Filme war, dass die Filme in der Gegenwart verwurzelt sind und durch die Terminatoren einen futuristischen Bezug bekamen. Dies machte, zumindest die ersten beiden Filme der Reihe so packend, spannend und interessant. Es gab Zukunftsszenen als Vorblenden zu sehen, in denen man die Kämpfe des Widerstands gegen die Terminatoren sehen konnte. Aber dies diente nur der epischen Erweiterung des Films und der illustrativen Größe der Reihe.
Mit Teil 4 ist die Gegenwart Vergangenheit und nur noch die Zukunft wesentlicher Bestandteil des Films. Damit ändern sich die Rahmenbedingungen.

Endzeit-Feeling mit vorherrschenden Grau- und Brauntönen und einem starken Filter, der alles sehr blass erscheinen lässt, ist angesagt. Und davon eine Menge. Gerade zu Beginn ist die düstere Atmosphäre der postapokalyptischen Welt unter Herrschaft der Maschinen ein echter Hingucker, wenn auch allzu bedient an vergleichbaren Filmen. "Mad Max" stand wohl Pate was die staubige, wüstenähnliche Kulisse betrifft. Abwechslung schaffen da glücklicherweise zerstörte Städte mit skelettaren Häusergerüsten sowie die recht altmodisch geratene Skynet Fabrik.
Fans finden neben ihren lieb gewonnenen Maschinen, wie beispielsweise dem Jäger-Killer (erstmals in eingedeutschtem Englisch als Hunter-Killer bezeichnet) auch völlig neue Modelle. Diese sich teilweise nicht sinnvoll einfügenden technischen Erweiterungen könnte man als sinnlosen Diebstahl aus "Transformers", der zeitgleich einen Nachfolger spendiert bekommt, oder, bei den wurmähnlichen Wasserautomaten, als Kopie bei "Matrix" ansehen. Da wir gerade bei Wasser sind: Können Terminatoren eigentlich schwimmen?

Scheinbar ja, so will es uns "Terminator - Die Erlösung" jedenfalls auf die Nase binden. Neben einem mehrere hundert Kilo schweren, problemlos schwimmenden Terminator gibts allerdings noch mehr Logiklöcher, die dem Fan sicher mehrfach die Haare zur Decke stehen lassen. Einerseits in technischen Bereichen, andererseits in der schwer zu haltenden Kontinuierlität. So lässt sich die überaus vorausschauende künstliche Intelligenz Skynet im wirklich oppulenten Finale spielend einfach überrumpeln. Auch ist die von der Figur Kyle Reese im ersten Teil angekündigte Fertigungslinie der T-800 Serie mit verräterischer Gummihaut nicht sichtbar, obwohl bereits das besser an den Menschen angepasste Infiltratormodell auf Massenfertigung läuft.

Dass der vierte Teil definitiv funktioniert, erkennt man an Einschüben und Bezugspunkten zu älteren Filmen der Reihe. So wurde das erwähnte und nur allzu bekannte Infiltratormodell von Arnold Schwarzenegger verkörpert, der auch hier ein absolutes Highlight bietet. Allerdings bemühte sich dieser nicht vor die Kamera, sondern wurde in Kleinstarbeit aus seinem Debüt des ersten Teils heraus geschnitten und auf einen Darsteller "geklebt". Die Erkenntnis, dass ein "Terminator"-Film ohne Arnie einfach nicht funktioniert, war also auch in den Köpfen der Macher.
Leider funktionieren nicht alle Anspielungen so gut wie der künstliche Auftritt des einst muskelbepackten Österreichers. Eine Menge Zitate werden rezitiert. Wo ein "Komm mit mir, wenn du leben willst." von Kyle Reese noch einigermaßend figurenzeichnend wirkt, ist bei "Ich komme wieder." aus dem Munde des Darstellers Christian Bale mehr als unpassend. Dieser Spruch gehört bindend zu Arnold Schwarzenegger und nicht zwingend zur "Terminator"-Reihe. Und ganz sicher nicht aus dem Munde eines anderen Schauspielers.

Mängel sind auch bei der Figurenzeichnung sichtbar, denn diese bekommen kaum Zeit für sich. Bedingt durch die actionorientierte Präsentation fehlt die Charakterentwicklung beinahe komplett. Während Marcus Wright seine Existenz ab und an hinterfragt, wird Connor bestenfalls als raubeiniger Anführer eingesetzt. Seine schwangere Ehefrau Kate sah das Drehbuch nur am Rande vor, ebenso Blair Williams, die eine Ersatzrolle für Sarah Connor hätte werden können. Allesamt leere Hüllen die zwar an die Figuren der alten Teile anlehnen, aber lieblos und ohne Seele dargestellt werden.

Wo "Terminator - Die Erlösung" punktet ist der Bereich der Action. Auch wenn der erwartete Massenauflauf einer Maschineninvasion ausfällt und sich der Krieg auf das Geplänkel des Connor Trupps konzentriert, gibt es eine Menge zu sehen. Es kracht, scheppert, brennt und raucht an allen Ecken und Enden, durch ohrenbetäubende Soundeffekte und einer wuchtigen visuellen Brillianz, die trotz großer Verwendung von CGI absolut glaubwürdig und anschaulich bleibt. Gerade das Finale ist auffallend temporeich und wird nur durch den raschen und arg konstruierten Schluss ausgebremst.
Danny Elfmann's Kompositionen wurden neu abgemischt und enthalten neben einem sehr zurückhaltenden Soundtrack zumindest eine hörbar aufgepeppte Version des berühmten "Terminator" Theme, wodurch man sich schon im Intro heimisch findet.

Ein wenig kläglich fällt die Performance des an sich ansprechenden Casts auf. Wenn man bekannte Namen wie Christian Bale ("The Dark Knight", "Rescue Dawn", "Equilibrium - Killer of Emotions"), Michael Ironside ("Starship Troopers", "Total Recall"), Bryce Dallas Howard ("Spider-Man 3") und Helena Bonham Carter ("Sweeney Todd", "Fight Club") auf der Darstellerliste hat und diese in kaum nennenswerten oder nicht sorgsam angepassten Rollen auftreten lässt, ist es kein Wunder, dass diese ihre Figur sperrig, gelangweilt oder eben überhaupt nicht an den Zuschauer vermitteln können.
Kommende Namen wie Anton Yelchin ("Star Trek") und Moon Bloodgood ("Pathfinder - Fährte des Kriegers") nur eingeschränkt handeln zu lassen grenzt an eine Verschwendung, wobei sich diese beiden zumindest noch bemühen.
Glänzen darf nur einer und dies ist Sam Worthington. Der nahezu unbekannte Australier erweist sich als ideale Wahl, er kann den Film mit viel Charisma beinahe ebenso auf seinen Schultern tragen, wie es schon Arnold Schwarzenegger mit seiner Terminator-Interpretation tat.

"Terminator - Die Erlösung" geht andere Wege als seine drei Vorgänger. Fans werden an einigen Details ihre helle Freude haben, durch teils haarsträubende Logiklöcher gleichfalls verschreckt werden. Der vierte Teil der Reihe orientiert sich eher an einem modernen, jüngeren Publikum, welches empfänglich für einen technisch perfekten, rasant inszenierten Endzeit-Actionfilm ist und keinen Wert auf Figurenzeichnung legt. Sehr knappe...

8 / 10

Details
Ähnliche Filme