Review

Dieser Märchenfilm ist eine gute Gelegenheit, die markante deutsche Stimme von Anthony Perkins in „Psycho“ in Farbe und leibhaftig zu erleben, denn Eckart Dux spielt den bemühten Prinzen in dieser DEFA-Produktion.

Und es ist eine angenehm spielfreudige Sache, diese Umsetzung des grimmschen Bäumchens.
Eine absolut typische Produktion der Märchenverfilmer, mit all seinen Stärken und Schwächen, doch hier überwiegt die kindliche Freude beim Zusehen.

Der grimmsche Beitrag beginnt, wie so viele ihrer Werke, mit einem Prinzen, der um die Gunst einer hochmütigen Prinzessin anhält. Perlen reichen der Dame nicht, sie verlangt nach der titelgebende Pflanze.
So macht sich der Prinz auf und landet schließlich bei einem Zwerg, der das Bäumchen auch besitzt, es aber nur unter bestimmten Bedingungen hergibt, ansonsten soll der Prinz in einen Bären verwandelt werden…

Da finden sich einige Parallelen zum „König Drosselbart“: Garstige Prinzessin, abgewiesener Freier, gemeinsames Dasein in Armut (in der die Prinzessin moralisch gereinigt wird) und Hochzeit.
Bei dieser Prinzessin frage ich mich allerdings, wer so einen zickigen Gefühlsrüpel überhaupt haben will (…soeben aufgewacht…„Guten Morgen Prinzessin!“ – „Halt den Mund!“)!
Da kann sich der Prinz auch gleich einen roten Ball in den Mund stecken…

Aber im Zauberland des Zwergen wird sie für ihren Hochmut mit „Hässlichkeit“ bestraft – und sieht prompt besser aus als vorher: Punkige aschgrüne Haare und den grellen Lippenstift und das tuckige Wangenrouge entfernt.
Aber im Umgang mit Mensch und Tier folgt eine moralische Wandlung vom Saulus zum Paulus, von Saula zur Paula.
Und Paula und Bär verwandeln sich natürlich zurück in ihre vorherige Gestalt, als der arglistige Zwerg besiegt ist.
Der Zwerg wiederum wird von einem echten Kleinwüchsigen gespielt und glücklicherweise nicht von einem Pissblag mit grauen Haarteilen umklebt, was schon so manchen Genuss eines Märchenfilms trübte.

Aber diese Umsetzung bringt Freude, was hauptsächlich an der liebevollen und naiven Umsetzung des Ganzen liegt.

Die Kulissen sind mal wieder auf das Nötigste beschränkt, Himmel, Sonne, Mond, - alles aus Pappe. Die üblichen DEFA-Theater-Requisiten. Dazu ein zermottetes Bärenkostüm, das offenbar schon einige Einsätze zuvor hatte und ein zwei-meter-langer Fisch aus Plastik, mit rollenden Puck-Augen und Würstchenmund, - allein der ist das Anschauen schon wert.

Die musikalische Untermalung wurde gut ausgearbeitet, nur das Titelstück ist erstaunlicherweise nicht im Takt. Dafür muten einige Sequenzen sogar etwas bedrohlich an, andere kommen gar psychedelisch rüber.
Die Darsteller sind über jeden Zweifel erhaben und performen jeweils intensiv ihre Rolle ab, Eckard Dux benimmt sich zwar vergleichsweise zurückhaltend, dafür überzeugt die Prinzessin mit wandelbarem Spiel und der Zwerg ist ein richtig mieser Intrigant mit sichtbarer Freude an üblem Schabernack.

Es gibt ja viele DEFA-Märchen, aber es ist immer wieder Zinksalbe fürs Gemüt eines zu sehen.
Da wage ich gar nicht an so moderne Remakes denken, da würde die Handlung wahrscheinlich nach Osteuropa verlegt und dem Bären in der Folterkammer gleich die Klöten abgeschnitten…
7 von 10 Punkten

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