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Sam Raimi und Comics – das passt einfach zusammen. Mit „Drag me to hell“ (2009) wendet er sich wieder jenem Genre zu, dass ihn einst berühmt gemacht hat und serviert einen knalligen Horrorspaß, voller lauter Effekte, comichafter Charaktere und kruder Pulpmythen. Bei dem ganzen Getöse ist die mäßig einfallsreiche Story natürlich pure Nebensache, fällt aber gerade gegen Ende mit ein paar groben Klischee-Blödheiten der Hauptdarstellerin negativ auf.  Die herzensgute aber wenig selbstbewusste Kreditberaterin Christine Brown (Alison Lohmann) lehnt im Kampf um eine Beförderung die Fristverlängerung für eine verlauste Zigeunerin (Lorna Raver) ab. Aus Rache verhängt diese einen Fluch, nach dem Christine nach drei Tagen von einem Schafsdämon geholt und zur Hölle fahren soll. Gemeinsam mit ihrem Freund Clay Dalton (Justin Long) und dem Hellseher Rham Jas (Dileep Rao) nimmt sie den Kampf gegen ihr Schicksal auf.  Objektiv gesehen strotzt die Story geradezu vor Abstrusitäten und Sinnlosigkeiten. Gibt es nicht wesentlich triftigere Gründe als ein verwehrter Bankkredit um Leute mit Flüchen zu belegen? Wieso quält der Dämon sein Opfer erst zwei Tage lang, bevor er es erst am dritten Tag holt? Und wieso verdammt noch eins holt XY den Knopf nicht… nein, keine Spoiler an dieser Stelle? Die Antwort zu allen Fragen lautet: Weil der Film ansonsten nur halb so lustig wäre. Wer auf Grund des etwas irreführenden Trailers ernste Horrorkost erwartetet, sieht sich enttäuscht, oder –wie in meinem Fall- positiv überrascht. Angefangen von dem 80er-Jahre-Universal-Logo, dem klotzigen Titel-Artwork dem plakativen Soundtrack und den berühmten Sam-Raimi-Kamerafahrten.„Drag me to hell“ wirkt im besten Sinne wie ein Spielfilm-Spin-Off von „Geschichten aus der Gruft“. Eigentlich wähnt man den Crypt-Keeper praktisch hinter jeder nächsten Ecke. Die Charaktere sind grell überzeichnet, der Humor laut und politisch unkorrekt. Wie bei einer guten Geisterbahnfahrt (die ich selber noch nie erlebt habe) lacht man größtenteils über das Dargebotene bis einen die derben Schocks in den Kinosessel katapultieren. Dabei besticht „Drag me to hell“ weniger durch übertriebene Blutorgien, sondern eher durch auf die Fresse und auf die Ohren-Effekte. Die Lautsprecher explodieren und der Ziegendämon springt förmlich aus der Leinwand (hier wäre eine 3D-Version interessant), wenn Raimi ihn von der Kette lässt. Und das passiert erfreulicherweise von Anfang an in schöner Regelmäßigkeit.   Ob und wie die schöne XY ihr Schicksal abwenden kann verkommt bei dem ganzen Treiben dann auch ein wenig zu sehr in den Hintergrund. Identifikation scheidet bei den comicartigen Charakteren eh aus, insgesamt liefern aber alle Darsteller eine solide Performance ab. Angefangen mit Allison Lohmann, die buchstäblich durch die Hölle geschickt wird, über den stets sympathischen Justin Long bis hin zum Edeljoker Reggie Lee, der als schmierig-freundlicher Widerling praktisch seinen Part aus Prison Break kopieren darf.  Insgesamt eine klare Kinoempfehlung. Auf DVD wird der grelle Budenzauber ganz bestimmt etwas an Wirkung einbüßen, sehenswert ist er allemal.  Daran werde ich mich erinnern:Die grellen Schockeffekten.

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