Review

Daß man das noch erleben darf...
Sam Raimi, ehemals Kultregisseur auf dem Gebiete des gepflegten Horrors mit erfrischend krudem Humor, hat die Seele seiner Arbeit wiedergefunden, nachdem er sich jahrelang dermaßen in der relativen Ernsthaftigkeit seiner Spider-Man-Filme festgebissen hatte, bis der dritte Teil schließlich an seiner überladenen Konstruktion beinahe ersoff.
Da muß der Kopf mal wieder freibekommen werden, also griff er auf ein altes Skript aus wilden „Evil-Dead“-Tagen zurück und inszeniert hier eine Runde Grusel der alten Schule.

So alt, daß den Zuschauer zu Beginn sogar das gute alte Universal-Logo begrüßt, das mit den 80er Jahren in Pension geschickt wird; ein subtiler Hinweis, der Freude macht.
Natürlich: eine Offenbarung oder einen Tabubruch sollte niemand erwarten, aber daß der Mann sein Gruselhandwerk noch versteht, ist nach diesen gut 90 Minuten vollends klar.

„Drag me to Hell“ funktioniert ganz einfach nach dem beliebten Kastenteufelprinzip, bei dem man immer genau so lange abgelenkt und eingelullt wird, bis einen der nächste Schock in den Allerwertesten beißt oder, was noch besser paßt, einem ins Gesicht springt.
Die Story ist dabei ein simples Gerüst: eine karrierebemühte Bankangestellte demonstriert ihr Durchsetzungsvermögen, indem sie einer alten Dame mal nicht noch einen Aufschub auf die Zwangsversteigerung ihres Hauses gibt. Doch die zeigt sich nicht nur als äußerst ungnädig (was ein Wunder!), sondern beruft sich noch auf ihre Zigeunerwurzeln und hängt der Armen einen Fluch auf den Hals, der sie binnen dreier Tage zur Hölle fahren läßt.

Von da an hat das simple Mausefallenspiel sozusagen sturmfreie Bude, denn die zarte Alison Lohman wird stante pede zum Spielball immer größerer dämonischer Kräfte, die einen Höllenlärm veranstalten und sie durch die Botanik schleudern, wenn sie nicht gerade ihre Träume verschönern. Natürlich gibt’s ein paar Hilfsmittel (indem man die eigene Babykatze meuchelt etwa) und ein Medium gibt sein Bestes, aber die beste Prämisse, das wußte schon Stephen King in „Thinner“ ist natürlich, den Fluch weiterzugeben, was um so schwieriger ist, da unsere Christine an sich kein schlechter Mensch ist.

Die Story ist damit eben so simpel wie wasserdicht: keine langen Verzögerungen, keine ungläubigen Extratouren, Raimi geht voll auf die Zwölf – kaum ist der Fluch gesprochen, geht der Zauber los. Und Alison Lohman hat in der Folge so einiges durchzustehen, was dem hier abwesenden Raimi-Daueralumni Bruce Campbell ein Grinsen auf das Gesicht zaubern sollte, denn er wurde von all dem Glibber verschont. Stattdessen muß unser hübsches Mägdelein jetzt damit klar kommen, literweise Omasabber auf den Teint zu kriegen, Blut, Matsch und wimmelnde Insekten fliegen ihr entgegen und als kleine Reminiszenz an fiese, besessene Gegenstände entwickelt auch noch ein Taschentuch ein diabolisches Eigenleben.

Raimi zelebriert das wieder mal mit seinem patentierten Looney-Tunes-Humor, der eben besagt, daß es lustiger ist, wenn der Alten ein Amboss auf den Kopf fällt und ihr die Augen rauspoppen, als wenn es nur einen matschigen Haufen gibt.
Wird gerade nicht geglibbert, gibt es Schocks zuhauf und nur der etwas konturlose Jason Long als Lover Clay bringt ruhige Momente, die wir wirklich nicht brauchen.

Das Problem ist, daß man bei dem infernalischen Zinnober hier ein wenig vergessen hat, daß man sich nach hinten hin immer steigern muß, so daß den Zuschauer die fiese Pointe am Ende mit ICE-Stärke trifft, hier allerdings verliert der Film gegen Ende leicht an Dampf, so daß man schon erahnen kann, daß hier noch ein dicker Otto folgen wird. Und der ist nicht mal sonderlich gut kaschiert.

Aber bis dahin sind alle in ihrem Element, es kracht und scheppert und das alles mit Buh-Faktor 15, damit auch ja keiner im Saal sich vom Popcorn ablenken lassen kann.
Das Publikum soll hier Spaß haben, es darf gekreischt werden und dazu bietet Raimi ausreichend Gelegenheit, ohne daß es ins Dumpfe abgleitet, vom gelinden Horrorfilmrealismus der letzten Jahre ist allerdings auch wenig zu spüren, was gut tut, wenn man dabei nicht in einer nur aus FX bestehenden DVD-Premiere sitzt.

Definitiv der Spaßgröhler des Sommers, der einen auf die nächste Party einstimmt. (8/10)

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