"Sie verdienen alles was auf sie zukommen wird."
Die pflichtbewusste Bankangestellte Christine (Alison Lohman) kommt aus armen Verhältnissen. Durch ihren Fleiß steht sie aber kurz vor einer Beförderung die ihr der Konkurrenten Stu (Reggie Lee) versucht streitig zu machen. Um sich endlich vor ihrem Chef Mr. Jacks (David Paymer) sowie den Eltern ihres Freundes Ray (Justin Long) zu profilieren, bleibt sie bei einem Aufschub der Ratenzahlung von Sylvia Ganush (Lorna Raver) hart und lehnt ihn ab, trotz des bitterlichen Flehens der älteren Frau. Dadurch zieht sie sich den Zorn der Zigeunerin zu, die Christine mit einem Fluch belegt. Die junge Frau wird plötzlich von schrecklichen Visionen heimgesucht. Der Wahrsager Rham Jas (Dileep Rao) erklärt ihr, dass sie vom Dämon Lamia verfolgt wird, der sie 3 Tage lang quälen wird und dann in die Hölle zieht.
Sam Raimis Karriere begann mit dem ebenso berühmten wie berüchtigten Splatter-Klassiker "Tanz der Teufel“. Diesem folgten zwei ironische Fortsetzungen und der allmähliche Aufstieg in Hollywoods Oberhaus. Mit der "Spider-Man“-Reihe behauptete er sich erfolgreich im Blockbuster-Geschäft, hielt dem Horror als Produzent ("30 Days of Night“) aber weiterhin die Treue.
Beim amüsanten Schocker "Drag Me to Hell“ nahm Raimi wieder selbst auf dem Regiestuhl Platz und entdeckt nach langer Abstinenz die klassische Geisterbahn wieder. Wenn auch ohne Beisein von B-Movie-Star Bruce Campbell.
Wenn man so will, könnte man "Drag Me to Hell“ als moralisches Lehrstück sehen. Das zentrale Motiv ist die Gier, und die wird hart bestraft. Fraglich ist aber, ob diese Moralpredigt hier angebracht ist, denn die Protagonistin erlebt in diesem Fall eine wahrlich höllische Läuterung, obwohl sie Opfer ihrer selbst ist. Die eher schiefe Moral ist aber ebenso unwichtig wie der denkbar klassisch-schlichte Plot. "Drag Me to Hell“ ist schließlich ein Film des Horror-Genre, bei dem es in den meisten Fällen weder um eine plausible Handlung noch um einen glaubwürdigen Lernfaktor geht.
Raimi's Stilmittel sind unverkennbar. Man könnte "Drag Me to Hell“ beinahe als Hommage seiner selbst produzierten "Tanz der Teufel“-Reihe sehen. So beginnt der Film bereits mit dem ältlichen Universal Logo und zieht die eingeblendeten Schriftzüge des Titels mit "Tanz der Teufel“ gleich. Lustvoll greift Raimi zum Selbstzitat und auf bewährte visuelle Mittel, wie steile Kamerawinkel und abrupte Zooms, zurück.
Auch die Inszenierung ist im besten Sinne altmodisch. Das Erzähltempo ist gemäßigt und vorhersehbar bis zur garstigen Schlusspointe. Selbst der gewisse Trashfaktor Raimi's ist durch ein lebendig wirkendes Tuch, das gnadenlos an das Necronomikum in "Armee der Finsternis" erinnert, und groteskem Humor enthalten.
"Drag Me to Hell“ setzt auf lautstarke Schreckmomente die mal im voraus kalkulierbar sind, in späteren Fällen aber auch sinngemäß reinhauen. Passionierte Bluthunde dürften allerdings enntäuscht sein. Kreative Körperzerstückelungsorgien gibt es nicht. Was an Effekthascherei geboten wird ist zwar mitunter herrlich grauslich und mit einem Ekelfaktor versehen, erweckt aber eher die Lust zu schmunzeln. Somit ist der Horrorfilm weit weniger angsteinflößend als er vielleicht hätte sein können.
An sich klingt dies bis hierhin recht gut und hätte zu früheren Zeiten sicher entsprechende Wertschätzung erhalten. Problem ist, Raimi's Werk ist hoffnungslos altbacken und enthält keine echten Höhen. Vorbei sind die Zeiten des echten Horrorfeelings mit innovativen und ansehlichen Kreaturen. Durch die selten wirklich inspirierten Standardsituationen des Horrorgenres wirkt "Drag Me to Hell“ eher seltsam leblos.
Insbesonders der vernachlässigten Handlung fehlt es an Originalität. Die Geschichte um einen Fluch oder Dämon der schlussendlich durch einen Exorzismus ausgetrieben werden soll, ist mittlerweile zu Hauf erzählt.
Auch die Gratwanderung zwischen anfangs ernsthafter Bedrohung zu zweckmäßig ironischen Tönen geht nicht völligst auf, denn die zu Beginn noch aufgebaute, beklemmende Atmosphäre geht mit der Zeit verloren. Da die Figurenzeichnung einmal mehr nicht weiter vorhanden ist, fehlen schließlich Bezugspunkte. So quitiert der Zuschauer das Leiden und Sterben der Figuren mit einer fernen Gleichgültigkeit.
Dies ist jedoch weniger der Fehler von Alison Lohman ("Things We Lost in the Fire") die ihren eindimensionalen Charakter durch das sperrige Drehbuch nicht weiter entwickeln oder interessant gestalten kann. Statttdessen setzt ihr Gegenpart, die beinahe ausschließlich serienerprobte Lorna Raver, ansprechende Akzente als fiese Vettel.
Der Supportanteil durch Reggie Lee ("Pirates Of The Caribbean – Am Ende der Welt", "Tropic Thunder") sowie David Paymer ("Nixon", "Schnappt Shorty") ist verwunderlich dezent, daher ist es Justin Long ("Er steht einfach nicht auf Dich", "Stirb langsam 4.0") der in der Rolle der einzig halbwegs rationalen Figur des Films bezeichnenderweise im Kopf bleibt.
"Drag Me to Hell“ ist die Rückkehr eines Horror-Genies, das auf altbewährte Kost setzt, damit allerdings keinen Blumentopf mehr gewinnt. Im Gegensatz zum Retro-Look ist das veraltete Storytelling und die Geschichte an sich ein liebloses Konstrukt für eine Reihe von recht solide umgesetzten, aber selten innovativen, Schreckmomenten. Der groteske Humor ist sicherlich nicht jedermanns Sache, die zitatenreiche, trashige Untermalung spricht aber sowieso nur eingeschworene Fans an, die hier eine Light Fassung der gesamten "Tanz der Teufel"-Reihe bekommen. Und dies ohne kultigen Charakter.
3 / 10