Manchmal muss man erst die „Scream Awards“ sehen, um auf verschmähte Streifen aufmerksam gemacht zu werden, weil einem zuvor vielleicht nicht das Cover oder die Besetzung zusagte.
Dass Sam Raimi mit diesem Streifen zu seinen Horrorwurzeln zurückkehrt und mit sichtlicher Spielfreude den Ton angibt, macht ihn über weite Teile zu einem recht unterhaltsamen Unterfangen, auch wenn er mit einigen Reminiszenzen den Überblick zu verlieren scheint.
Das allgemein negative Bild über Zigeuner, welches spätestens seit Stephen Kings „Thinner – Der Fluch“ besteht, wird durch diesen Streifen auf keinen Fall verändert.
Denn eine alte Zigeunerin verflucht die Bankangestellte Christine (Alison Lohman), die ihr einen Kredit verweigerte. Laut einem Hellseher bleiben Christine drei Tage Zeit, den Fluch des Dämons und Seelenfressers Lamia zu bannen, bevor sie sprichwörtlich in die Hölle gezogen wird…
Sam Raimi und sein Bruder Ivan, die beide am Drehbuch werkelten, haben sich einiges einfallen lassen, um einerseits der Krise im Bankengeschäft einen ordentlichen Stoß zu versetzen und gleichzeitig Elemente einer Gesellschaftssatire einzubauen.
Etwa, als die aus armen Verhältnissen stammende Christine bei den giftigen Eltern ihres Freundes Clay (Justin Long) auf deren Anwesen gastiert und mit viel Mühe sämtliche Vorurteile aus dem Weg zu räumen versucht, was eine Fliege im entscheidenden Moment auf den Kopf stellt.
Auch der Aspekt, für die Mithilfe eines helfenden Mediums eine hohe Geldsumme aufbringen zu müssen oder die fiesen Machenschaften eines neuen Bankkollegen verweisen mit kleinen sarkastischen Spitzen auf die derzeitige Finanzlage.
In erster Linie ist Raimis Werk jedoch ein Horrorfilm und dem kommt der Regisseur im Wesentlichen nach, in manchen Momenten übertreibt er es gar.
Die Schockmomente sitzen, dank feiner Sounduntermalung und dem versierten Score von Christopher Young und nicht zuletzt der effektiven Kamera, doch bei den Special Effects driftet so manche Szene ins Lächerliche ab, etwa, als der Dämon für eine Blutfontäne beim Nasenbluten sorgt oder die Zigeunerin beim knackig inszenierten Kampf in Christines Auto mehr abbekommt, als eine Alte Frau eigentlich einstecken könnte. Immerhin, gerade in diesem Bereich erinnern einige Masken-Effekte an „Tanz der Teufel“ und auch das Auge in einem Stück Kuchen kommt irgendwie bekannt vor.
Auf atmosphärischer Ebene ist die Sache zuweilen dicht inszeniert. Das beginnt beim stimmungsvollen Einstieg, als ein mexikanischer Junge vom Dämon geholt wird und setzt sich über einige Szenen fort, vor allem, wenn Laub oder Gegenstände wie von unsichtbarer Hand aufgewirbelt werden und Christine immer mehr in die Ecke gedrängt wird.
Viel Blut fließt indes zwar nicht, aber wenn Augäpfel comicartig aus den Augenhöhlen ploppen und der Dämon in einen Körper fährt, der in diesem ein kleines Tänzchen aufführt, ist ein gewisser ausgleichender Schmunzeleffekt garantiert.
Raimis Streifen ist ein sympathisches Ding geworden, flockig unterhaltsam, zwar nicht sonderlich spannend und phasenweise etwas dialoglastig, aber entgegen aller Erwartungen mit Alison Lohman einigermaßen brauchbar besetzt, die die Rolle der Hauptfigur über weite Teile glaubhaft verkörpert.
Wer über einige unglaubwürdige Vorgehensweisen und einem vorhersehbaren Abschlussgag hinwegsehen kann und zudem ein Faible für „altmodisch“ inszenierte Horrorstreifen hat, ist bei „Drag Me to Hell“ gut aufgehoben.
7 von 10