Alison Lohman spielt eine Bankangestellte, die einer älteren Frau einen Kredit verweigert, weswegen diese ihr Haus verliert. Im Parkhaus lauert ihr die alte Frau auf und belegt sie nach erbittertem Kampf mit einem Fluch. Will die Karrierefrau ihre Seele und ihr Leben retten, muss sie den Kampf mit den finsteren Mächten, die sie mehr und mehr beeinflussen, aufnehmen.
Lässt man sein Mystery-Drama "The Gift" einmal außer Acht, ist es nun schon eineinhalb Dekaden her, dass sich Sam Raimi, der in den letzten Jahren besonders mit seinen "Spider Man"-Filmen große Erfolge verbuchen konnte, dem Horror-Genre widmete, obwohl er mit "Tanz der Teufel" einst einen der größten Kultfilme der 80er in Szene setzte. Und auch, wenn "Drag me to Hell" einige offenkundige Schwachstellen hat, ist es allein aufgrund von Raimis versierter Inszenierung einer der besten Genrefilme seit langer Zeit.
So könnte die Atmosphäre kaum dichter sein. Raimi erzählt seine Geschichte zügig und straff, wobei er mit seinen düsteren Bildern, zahlreichen überraschenden und ausgezeichneten Schockmomenten sowie dem unheimlichen, wenn auch unauffälligen Score atemlose Spannung erzeugt, die bis zum Ende kaum weicht. Und damit fesselt "Drage me to Hell" durchaus über die volle Laufzeit und erschreckt auch den, der sonst viele Schockmomente in diversen Fließbandhorrorfilmen vorherzusehen weiß mehrfach, zumal auch die wirklich brutalen und ekelhaften Szenen wohl dosiert und hervorragend platziert eingestreut werden. Dies sollte auch über die wenig überzeugenden Computer-Tricks hinwegtrösten können.
Die Story ist durchaus solide, da sie die Spannung permanent steigert und durchaus die eine oder andere überraschende Wendung aufzubieten hat, die das Geschehen umso unterhaltsamer gestaltet. Darüber hinaus werden die Charaktere zumindest in Ansätzen konstruiert und nicht gänzlich aus diversen Genre-Klischees zusammengeschustert, wobei besonders die anfänglich eingestreute Kapitalismus-Kritik dem Film positiv anzurechnen ist, genauso, wie die sympathische und nicht allzu schablonenhafte Konstruktion der Hauptfigur, deren Schicksal so durchaus zu fesseln vermag. Im Mittelteil leistet sich Raimi dann aber auch einige schwächere Momente, vor allem zum Ende hin wirkt das Geschehen allzu überkonstruiert und so reicht es dann doch nicht ganz zum Kultfilm, auch wenn ansonsten das Potential durchaus vorhanden gewesen wäre.
Alison Lohman, die hier erstmals die Chance geboten bekommt, sich als Hauptdarstellerin in einer größeren Produktion zu beweisen, weiß durchaus diese zu nutzen. Sie bringt ihre Figur angemessen und sympathisch auf die Leinwand, verleiht der etwas ambivalenten Karrierefrau aber auch die eine oder andere negative Facette. In den düsteren und atmosphärischen Momenten bringt sie die Angstzustände ihrer Figur überaus überzeugend auf die Leinwand und so löst sie ihre Aufgabe hervorragend. Daneben zeigt Justin Long eine überaus solide Leistung, ohne wirklich positiv bestechen zu können, während Lorna Raver in der Rolle der alten Zigeuner-Frau durchaus den einen oder anderen kalten Schauer erzeugt und auch der restliche Cast wenig Grund zur Beschwerde hinterlässt.
Fazit:
"Drag me to Hell" ist derart atmosphärisch, dass die Schwächen der Story kaum ins Gewicht fallen und permanent beste Unterhaltung garantiert ist. Dabei steigert Raimi, der hier eine audiovisuell gelungene Inszenierung aufbietet, die Spannung immer weiter und weiß mit gezielten Schockmomenten mehrfach zu überraschen. Kein Genre-Juwel aber doch gelungen und sehenswert.
80%