Review

Gegen Ende seiner Regiekarriere wollte es Umberto Lenzi nochmal wissen und legte mit "Black Demons" sein Debut im Zombiehorror vor. Jepp, richtig: das ist Lenzis erste und einzige richtige Zombieproduktion. Die flitzenden Strahlemännchen aus dem "Großangriff der Zombies" sind bekanntermaßen eher radioaktiv verseuchten Vampiren ähnliche Wesen als den klassischen schleichenden Wiedergänger romero'scher Prägung. Dies vorweg aus dem Weg geräumt sei direkt noch eine weitere Definitionsfrage geklärt: "Zombie" meint im Kontext des Filmes zwar Wiedergänger, jedoch nicht Kannibale. Was nicht heißen soll, dass die krauchenden Voodoojünger mit den Fleischerhaken weniger zimperlich zur Tat schreiten, denn es geht um nicht weniger als Rache und diese ist Blutwurst! Deswegen also die Fleischhaken.

Zu Beginn der Sichtung wird bereits überdeutlich, welche Karrierehochzeiten Lenzi sich hier zurückwünscht: Die Anfangsprämisse ist "Cannibal Ferox" nicht unähnlich. Ein Haufen Studenten (Hauptfach hier: Musik statt Anthropologie) reist durch Südamerika (damals der Amazonas, heute Brasilien), um ihre Forschungsarbeiten voran zu treiben. Die Pointe beider Filme ist der abkackende Jeep am Wegesrand, statt vorher den Spuren eines Drogenhändlers durch New York zu folgen und Dominik Raacke beim lethalen Verpatzen eines Deals zuzusehen wird uns hier die Teilnahme eines Studenten an einem Voodoritus gezeigt, was später noch wichtig wird.

Auch in diesem Film kommt man mit weißen Schmierlappen in Kontakt, nur dass diese die Eingeborenen nicht direkt selbst misshandelt haben (sieht man mal viel zu großzügig von der diskriminierenden Scheißbehandlung, der sich die dunkelhäutige Haushälterin aussetzen darf, ab), sondern "nur" als Erben weißer Sklavenhalter von deren Leid profitieren. An der Stelle kommt selbstverständlich das heimlich mitgeschnittene Bootleg des Voodoorituals zum Tragen, dass zu lustigen Wiederauferstehungen und unangenehmen Persönlichkeitsveränderungen beim Urheber auslöst, die für fast alle Beteiligten in Zether und Mordio enden. Einige Nächte lang schlachten die rachsüchtigen Ex - Sklaven sich durch weiße Reihen, wobei idiotischerweise auch die dunkelhäutige und vor allem unschuldige Haushälterin nicht ausgelassen wird und am letzten Abend des Massakerurlaubs endet der Film in einem finalen Gewaltakt, der x - ten Wiederholung des Rituals und den Credits.

Fairerweise muss ich sagen: viel versprochen habe ich mir von dem Film von Anfang an nicht und dementsprechend entsprang die Motivation eher dem "Pflichtgefühl" eines moderaten Lenzifans. Der 91er Fast - Abgesang des Meisters ist mitnichten so schlimm wie so manch verspäteter Fulci, der einige Jahre zuvor die Regale der ohnehin im sterben liegenden Videotheken verstopften wie filmgewordener Kalk in der (sub - )kulturellen Halsschlagader. Aber es wird schon mehr als deutlich, dass Maestro Lenzi alten Produktionen und damit verbundenen Hochzeiten hinterher trauerte. Lockten die mampfenden Eingeborenen vielleicht niemanden ins Multiplex, aber sehr wohl in die filmischen Fixstuben, die wir heute Bahnhofskino, Grindhouse oder sonstwie nennen, war ab 1985 und mit den "Hungrigen Skorpionen" zumindest in Deutschland Schluss mit der großen Leimwand und Direct - to - Video war angesagt. Und damit das lange, qualvolle Auslöffeln der zum Gnadenbrot gereichten Suppe.

Ja, ein Produkt der dritten Reihe sind die rachedurstigen Sklaven, auch nicht ganz unverdient, wenn man sich die verspätet wirkende Produktion genauer anschaut, aber ich habe weitaus schlimmeres VHS - Versagen gesehen. Und um Fernsehzuschauer anno 95 noch mit einigen Deftigkeiten zu überraschen langte es immerhin noch locker! Von daher ist dieser Abgesang schräg, repetativ und leiernd, aber von Herzen und von Herzen gerne grabe ich diesen Film wieder aus, wenn es um die Zusammenstellung meiner persönlichen Lenzi - Retrospektive gilt.

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