Review

Reifezeugnis gilt allgemein als der wohl beste Tatort, der je gedreht wurde [inzwischen (Stand: 24.4.2003) schon über 500]. Da ich bei weitem nicht alle Filme der Tatort-Reihe kenne, kann ich mir ein diesbezügliches Urteil nicht erlauben, wohl kann ich aber sagen, daß Reifezeugnis von einem Regiemeister gedreht wurde, was man dem Film durchaus anmerkt.
Die Story ist nicht realitätsfern, man kann die Handlungen der Hauptpersonen nachvollziehen, ahnt voraus, daß die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird, man wird allerdings doch mit der Plötzlichkeit und Frühzeitigkeit der Tat überrascht.
Auf der einen Seite ist da ein junges Mädchen (Natassja Kinski), die den Liebeslaunen ihres Lehrers verfällt. Dieser wiederum befindet sich in einer Zwickmühle, da er seine Ausflüge vor seiner Frau, ebenfalls Lehrerin an der hiesigen Schule, geheimzuhalten versuchen muß, gleichzeitig jedoch seine Affäre mit seiner Schülerin nicht aufzugeben gewillt ist. Seine Frau kommt ihm auf die Schliche, macht ihm jedoch wider Erwarten keine Szene, sondern zeigt sich gutherzig, verständnisvoll und versucht, das Vertrauen zwischen ihr und ihrem Mann wiederherzustellen. Dann ist da der Mitschüler der Mörderin, der sich auf dieses gewagte Spiel nur deshalb einläßt, weil er keine harmonische Kindheit erleben durfte und dem Leben nicht den Wert zumisst, den es allgemein besitzt. Zu guter Letzt der Kommissar: Er, als außenstehender Polizist, muß sich ein Bild von der Lage verschaffen. Mit Spürsinn und einzigartiger Stimme (Klaus Schwarzkopf lieh zeitweise Columbo seine deutsche Stimme) bewältigt er seine Aufgabe.
Das Ende spiegelt die Verzweiflung des Mädchens wider, was allzu verständlich ist, da sie
a) einen Mord begangen hat
b) in ihrer Liebe enttäuscht wurde
c) realisiert, daß sie keine Chance hat, den Kommissar zu
täuschen

Tatort: Reifezeugnis ist dramatisch, realitätsnah und gut inszeniert. Ob es "der beste" Tatort ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden.

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