Visages d'enfants (1925) von Jacques Feyder
Poil de carotte (1925) von Julien Duvivier
Vielleicht ein paar Umstände vorweg: Janusz Korczak verfasst 1919 seine pädagogische Schrift "Jak kocha? dziecko" (Wie man ein Kind lieben soll). 1919 wird auch der Save the Children Fund gegründet, veranlasst durch die Waisen und Flüchtlingskinder, die aus dem Ersten Weltkrieg hervorgegangen waren. Dessen Gründerin Eglantyne Doey Jebb setzt sich in den frühen 20er Jahren - in denen etwa in der Türkei 1921 der Feiertag der Nationalen Souveränität und des Kindes entsteht - mehr und mehr für die Rechte von Kindern ein und ist infolgedessen maßgeblich an der Geneva Declaration of the Rights of the Child beteiligt, die im September 1924 verabschiedet wird. Kein Jahr danach kommt es zur Genfer Weltkonferenz für das Wohlergehen der Kinder.
Diesen Umständen mag es zu verdanken sein, dass Anfang/Mitte der 20er Jahre - nach (und neben) vielerlei "Oliver Twist"-Verfilmungen (von denen es 1922 gleich zwei von Lupu Pick bzw. von Frank Lloyd gab!), nach drolligen Kinderstar-Komödien und nach lasziv erotischen Waisen-Melodramen à la D. W. Griffith - einige vergleichsweise engagiertere, sozialkritischere Filme über das Schicksal von Kindern für ein reifes Publikum angefertigt werden; und zwar durchaus auch von der ambitionierteren Crème de la Crème auf dem Gebiet der Filmkunst: Charles Chaplin dreht "The Kid" (1921), Julien Duvivier dreht "Poil de carotte", Gerhard Lamprecht dreht "Die Unehelichen. Eine Kindertragödie" (1926) und Jacques Feyder dreht "Visages d'enfants" und "Gribiche" (1926). Diese Filme unterscheiden sich merklich von den - sich mit dem Stichwort 'Weltliteratur' rühmenden - "Oliver Twist"-Filmen, welche die Bedrohung ihrer kindlichen Hauptfigur in einer zentralen, gewissenlosen, kriminellen Schurkengestalt (Fagin) bündelten (was auch für viele andere Waisen- & Adoptivkinder-Filme gilt, etwa für William Beaudines wunderschön gefilmten "Sparrows" (1926), der die Bedrohung seiner Kinder in der bösartigen, skrupellos-verbrecherischen Figur des Mr. Grimes verankert und der zudem mit dem ältesten der Kinder (Mary Pickford) auch eine so unschuldige wie liebreizende - und zumeist beinfreie - Hauptfigur bietet, die im Grunde als längst erwachsene 'große Schwester' fungiert); sie unterscheiden sich auch von all jenen Waisen-Melodramen, in denen dann ausschließlich 20- bis 30jährige Mary Pickfords oder Lillian Gishs unschuldig-reine, verletzliche, junge femme fragiles gaben, und auch von all jenen komödiantischen, familientauglichen Kinderstar-Vehikeln (wie z. B. der "Our Gang"-Reihe (1922-1944)). Chaplin etwa präsentiert in seiner Komödie den Tramp, welcher an das ausgesetzte, titelgebende Kind gerät, quasi auf Augenhöhe mit seinem Zögling, nimmt die kindliche Figur - die er explizit als Stellvertreter der Waisenkinder des Weltkriegs bezeichnet hat - ausgesprochen ernst. Noch interessanter ist freilich Lamprechts 'Milljöh'-Film, der die Missstände vernachlässigter Kinder unter ihren Zieheltern für damalige Verhältnisse krass realistisch schilderte (und Lamprecht dank seiner Beherrschung der Kinderdarsteller für seinen späteren "Emil und die Detektive" (1931) prädestinierte): Und kein Fagin oder Mr. Grimes treibt hier gewissenlos sein hochkriminelles Unwesen, keine verbrecherischen Erzieher, wie man sie von Dickens (oder Hugo) kennt, sondern bloß die Erziehungsberechtigten, die inmitten von Aussichtslosigkeit, Desinteresse und Trunksucht zu mehr oder weniger gravierenden Misshandlungen greifen.[1]
Duvivier und Feyder haben mit Lamprechts krasser Inszenierung wenig gemeinsam, schildern aber ebenfalls alltäglichere Dramen im Leben der Kinder, fernab von sensationellen Kriminal- & Abenteuergeschichten. Während Duvivier wie Lamprecht eine sehr repressive und gewalttätige Erziehung behandelt, verzichtet Feyder auf solch rabiate Töne völlig und schildert eine Situation, in der Missverständnisse und Fehleinschätzungen das Drama auslösen.
"Visages d'enfants" beginnt idyllisch mit Eindrücken aus den Schweizer Alpen. Eine Überblendung führt [Achtung: Spoiler!] von der Totalen eines kleinen Bergdorfes auf einen rauschenden Wasserfall, die Kamera schwenkt hoch auf dessen Quelle und die Gebirge. Kleine Blockhütten sind zu sehen, Wasserräder an fließenden Bächen; eine Prozession schiebt sich durch das Gebirge und schnell findet sich die Kamera im Inneren eines Hauses wieder, in welchem eine Trauerfeier zelebriert wird. Pierre und sein Sohn Jean haben Ehefrau und Mutter verloren - und die Kamera fängt vor allem das Gesicht des Sohnes ein, der Titel wird bereits hier bekräftigt. Im Gegenschuss wird man mehrfach seine Eindrücke sehen, nicht die seines Vaters, welcher zu diesem Zeitpunkt im Gegensatz zum Zögling keinerlei Großaufnahmen erhält, dem aber ein kurzer Weinkrampf durchaus die Aufmerksamkeit und das Mitgefühl des Publikums sichert: Auf den gesenkten Kopf des Sohnes folgen die Schuhe der Trauergäste, die Kamera schwenkt hoch, Jeans Kopf erhebt sich wieder und die Gesichter der Trauergäste geraten ins Bild. Der Sohn blickt zum Vater hoch, der nun seine Großaufnahme - durch die Augen des Sohnes - erhält. Sargträger tragen ihre Fracht aus einer höheren Etage die schmale Treppe herab, ihre tastenden, vorsichtigen Schritte machen aus dem kurzen Auftritt eine formidable suspense-Szene.
Dann wechselt der Schauplatz, die Kamera widmet sich Pierette, der jüngeren Schwester Jeans, die das Geschehen aufgrund ihres Alters noch gar nicht überblickt hat und nun von der Haushälterin betreut Seifenblasen bläst und mit ihrer Katze spielt.
Parallel dazu ist der Leichenzug zu sehen: auch hier wechselt Jeans Gesicht in rascher Frequenz mit den von ihm beäugten Eindrücken. Nicht nur der Schnitt, auch die Bewegung der Akteure in statischen Einstellungen und die Kamerabewegungen erhöhen die Dramatik der Ereignisse, bis ein regelrechtes Schnittgewitter den Einsturm der Eindrücke auf den Jungen visualisiert und Jeans Ohnmacht folgen lässt. Nach knapp 12 Minuten ist der ganze Spuk erst einmal vorbei, der Junge liegt in der Obhut seines Paten, des Pfarrers, im Bett und erholt sich.
Wunderbares Handwerk und eine ambitionierte Inszenierung werden in diesem Beginn präsentiert - und sich auch über die restliche Laufzeit dieses Zweistünders erstrecken: Den Schnitt hat Feyder selbst besorgt, die Kamera führen Paul Parguel, der auch schon für die Dulac gearbeitet hat, und vor allem Léonce-Henri Burel, der nicht bloß als Kameramann an Abel Gances Avantgardeklassiker "La folie du Docteur Tube" (1915) und an seinem monumentalen "Napoleon" (1927) mitgearbeitet hat, sondern auch bei einigen der besten Bressons zeigen konnte, wie man mit minimalen Mitteln effektivste Ergebnisse erzielen kann. Gemeinsam mit den wundervollen Landschaftsaufnahmen, den durchweg überzeugenden Darsteller(inne)n und mancherlei Regieeinfällen - etwa das lebendig werdende Bild der Mutter Jeans, die Nachtszenen, vor allem aber der perfekt beherrschte Umgang mit point of view-Einstellungen - sorgen für ein hohes formales Niveau, welches die in der Handlung angelegten Emotionen lenkt und optimal zur Geltung bringt. (Einzig die Untertitel stören hin und wieder, wenn sie erläutern, was längst offensichtlich ist.) Und die Emotionen spitzen sich nach und nach zu in "Visages d'enfants".
Der Grund für das kommende Drama liegt in Pierres Empfindungen für die Witwe Dubois: dem empfindsamen Sohn mag und kann er davon nicht berichten. Dessen Pate, der Pfarrer, soll ihn für einige Zeit mit sich nehmen, ihm nach und nach die Situation gefühlvoll näherbringen und ihn schließlich nach längerer Zeit der Erholung wieder zurückbringen zu Pierre - der dann allerdings bereits mit der Dubois verheiratet sein und sie und ihre Tochter bei sich und Pierette aufgenommen haben wird. Auch hier sorgt eine Parallelmontage der Hochzeit mit dem Gespräch zwischen Jean und seinem Paten für ein gehobenes Maß an Dramatik.
Nach Jeans Rückkehr beginnen dann die Probleme: Er und die nahezu gleichaltrige Arlette geraten gleich beim ersten Treffen aufgrund eines Missverständnisses aneinander. Jean, dem Arlette zunächst die Tür nicht öffnet, fühlt sich aus dem eigenen Heim verstoßen, zumal seine neue Stiefschwester auch seine Buntstifte genutzt hat. Trotz regt sich bei dem Jungen, der in der neuen Lebensgefährtin des Vaters nicht seine neue Mutter sehen mag und dem auch die Anwesenheit von Arlette ein Dorn im Auge ist.
Die Stiefmutter bemüht sich verständnis- und liebevoll, die Situation allmählich einzurenken und erfüllt beileibe nicht das Klischee der böswilligen Stiefmutter: aber als Jean beim Mittagessen die Brosche seiner Mutter an Dubois' Busen erblickt, einen Weinkrampf erleidet und vom Vater des Raumes verwiesen wird, spitzt sich die Lage wieder zu - auch zwischen den unfreiwilligen Stiefgeschwistern. Um ihr eins auszuwischen, bringt Jean Arlette schließlich in Lebensgefahr: seinetwegen verirrt sie sich nachts im Schneetreiben und sieht sich dem Kältetod ausgesetzt. Der Junge erkennt sehr bald die schweren Folgen seiner Tat: reuig macht er ein Geständnis, Arlette kann dank des beherzten Einsatzes der Dörfler geborgen werden.
Im Glauben, dass die Eltern ihm trotz echter Reue & Scham nicht vergeben können, schreibt er einen Abschiedsbrief und zieht los, um sich zu ertränken. Es folgt ein weiterer Höhepunkt in Parallelmontage: Arlette informiert die Mutter über Jeans Verschwinden, der Vater ist unterwegs, Jean steht am Rande des reißenden Baches oberhalb des anfangs so idyllischen Wasserfalls. Diesmal schwenkt die Kamera von oben nach unten an diesem entlang: Jeans Körper wird mit den Fluten mitgerissen, Dubois jedoch kann ihn in einer riskanten Rettungsaktion noch kurz vor dem Wasserfall abfangen. Der Junge spricht seine Stiefmutter nun erstmals mit 'Mama' an, als das Abbild seiner Mutter an der Zimmerwand ihn zufrieden anlächelt. Die Harmonie, die vor dem Tod der Mutter geherrscht haben dürfte, scheint zurückgekehrt zu sein: die zwei Schwenks über den Wasserfall (erst hoch, dann runter) bebildern diese Rückkehr zum Ausgangspunkt... und der Vater spielt in diesem Ende keine Rolle mehr: leibliche Mutter, Stiefmutter und Jean selbst bilden das nunmehr von allen Spannungen befreite Gebiet, um welches es letztlich ging.
Dieser Film über Reue, Opferbereitschaft und Vergebung, der sicherlich das schönste Stummfilm-Drama über Kinderschicksale darstellt, beschäftigt sich nicht mit Missständen, um sein Anliegen auszubreiten - er nimmt sich stattdessen einen durchaus dramatischen, aber in seinen Grundzügen recht alltäglichen Fall, der auch in den besten Familien vorkommen kann: den Verlust eines Elternteil und dessen Ersatz durch eine(n) neue(n) Lebenspartner(in). "Visages d'enfants" wählt dabei entschieden die Perspektive des Kindes, rückt dessen Mimik in Großaufnahmen ins Zentrum und lässt im Gegenschuss dessen Sicht der Dinge folgen: der Film verurteilt kindlichen Trotz nicht, auch folgenschwere Streiche verurteilt er nicht, ebensowenig übermäßige Empfindsamkeit - er verlangt bloß Einfühlungsbereitschaft & -vermögen von den Erwachsenen, die idealerweise über größere Weitsicht & Gefasstheit verfügen (und in dem konkreten Fall des Films unfreiwillig durchaus zum Lauf der Dinge beigetragen haben). Und dabei wird er - trotz des etwas dick auftragenden Endes - kaum jemals sentimental...
Angesichts der zu Tränen rührenden, edlen Größe dieses Dramas und angesichts der hohen formalen Qualitäten ist es sicher kein Wunder, dass der Film sehr schnell eine Vielzahl von Bewunderern gewinnen konnte: Für Jean Mitry war "Visages d'enfants" der schönste französische Film der 20er Jahre,[2] Georges Sadoul sah in ihm wohl zurecht Feyders beste Arbeit, französische & japanische Kritiker waren seinerzeit voll des Lobes... und Julien Duvivier war derartig beeindruckt, dass er - obwohl Feyders Film an der Kinokasse letztlich weit weniger erfolgreich war - kurz darauf ein sehr ähnliches Projekt folgen ließ: "Poil de carotte".
Feyder, der das Drehbuch für "Visages d'enfants" gemeinsam mit seiner Ehefrau verfasst hatte, hat für Duviviers "Poil de carotte" eine Drehbuchadaption des gleichnamigen Romans von Jules Renard erarbeitet. Vielleicht liegt es an der Vorlage, dass [Achtung: Spoiler!] dieser bloß elf Monate später entstandene Film trotz Feyders Mitwirkung etwas weniger überzeugend ausgefallen ist: alles fällt hier etwas einfacher und bekannter aus, glaubt doch die Hauptfigur nicht einfach bloß, dass die Eltern ihm etwas nicht verzeihen können - der junge Francois leidet hier stattdessen mit guten Gründen unter einer tatsächlich sehr gehässigen Mutter, die seine Geschwister und ganz besonders den ältesten Sohn Felix bevorzugt und Francois wegen seiner Haarfarbe als "Poil de carotte" verspottet, ihn vor Gästen in ein schlechtes Licht rückt und ihn mit Verboten, Befehlen, Bloßstellungen und Ohrfeigen traktiert. Der Vater, der mit seiner Gattin im Clinch liegt, hat nur sehr begrenzt Interesse daran, seinem Sohn beizustehen, und die Geschwister handeln nicht gerade liebevoll. Einzig das Dienstmädchen Annette und eine kleine Nachbarstochter bringen Francois Zuneigung entgegen, den die eigene, ungeliebte Mutter noch in den Alpträumen heimsucht. Doch Annettes Versuche, den Vater dazu zu bewegen, seinem Sohn etwas mehr beizustehen, fruchten nur langsam...
Die ganze Struktur ist deutlich simpler, zumal die gehässige Mutter in ihren Handlungen nur oberflächlich nachvollziehbar handelt: sie will vor Außenstehenden anständig wirken und als gute Mutter gelten, hat aber eine geradezu sadistische Freude daran, ihren jüngsten Sohn zu schelten - welchen sie gegen ihren Willen ausgetragen hat, als ihre Liebe zu ihrem Mann bereits erkaltet war. Ihr mieser Charakter schlägt sich in massiger Körperfülle und einem Damenbart nieder - was zum einen nicht sonderlich subtil und zum anderen ein wenig diskriminierend ist. Das wird jedoch durch jede Menge Humor und ein bewusst überzogenes Schauspiel ausgeglichen: hat in Feyders Film ein nuancierter, realistischer Ansatz überwogen, so präsentiert sich Duviviers Werk als lustvolle, grobe Karikatur. Genüsslich wird dann auch vorgeführt, wie sich Felix, der Lieblingssohn der Mutter, von einer Dame zweifelhaften Rufs den Kopf verdrehen und wie eine Weihnachtsgans ausnehmen lässt, weshalb er sich schnell genötigt sieht, daheim Geld zu stehlen - was die Mutter natürlich Francois anlastet.
Ein klassischer Spannungsbogen entsteht dabei nicht, aber allmählich gebietet der Vater seiner Gattin mehr und mehr Einhalt: ganz besonders, als ihm seine Bekannten ihre Meinung über seine familiäre Situation offenbaren. Doch Francois fasst trotz alledem den Entschluss, sich zu erhängen, um den Misshandlungen durch Mutter & Geschwister ein Ende zu setzen. Sein Vater, der Felix inzwischen als Dieb entlarvt und ihm eine Lektion erteilt hat, kommt jedoch im letzten Augenblick hinzu und kann den Selbstmord daher verhindern. Fortan will er stets für Francois da sein und teilt ihm auch die wahren Gründe mit, aus denen seine Frau ihn stets schlecht behandelt hat.
Auch "Poil de carotte" fordert Rücksichtnahme auf & Einsatz für Kinder, bleibt in seiner Struktur allerdings weit simpler als Feyders großes Vorbild - und in seinem leicht episodischen und nur nach und nach sich zuspitzenden Ablauf zudem spannungsärmer, wobei der Film seinen Unterhaltungswert auch eher aus der karikaturhaften Überzeichnung und den humorvoll dargebotenen Streitereien zwischen den Eheleuten zieht. Stilistisch bleibt Duviviers humorvolles Drama mit vielen Spiegeltricks und Mehrfachbelichtungen während der Traum-, Tagtraum- & Erinnerungsszenen, mit effektvollen Bildkompositionen und schönen Landschaftsaufnahmen (dieses ebenfalls in einem Alpendörfchen angesiedelten Films) auf einem hohen Niveau, erreicht aber nie die komplexe & weitsichtige und dabei äußerst leichtfüßige Gestaltung von Feyders "Visages d'enfants" - und auch nicht die Qualität, die Duvivier ab Mitte/Ende der 30er Jahre erzielen sollte.[3] Auch wenn er seinem großen Vorbild etwas hinterherhinkt, ist "Poil de carotte" letztlich ein empfehlenswerter Film, anständig in Szene gesetzt und mit einer interessanten Thematik ausgestattet, die 1925 an recht aktuelle, wenn auch nicht übermäßig breit geführte Debatten anschließen konnte.
8,5/10 für Feyders "Visages d'enfants", 7,5/10 für Duviviers "Poil de carotte".
1.) Zwar gab es auch um 1910 zumindest im französischen Film prügelnde Eltern, die in vergleichsweise schlicht gestrickten Kurzfilmen vom jeweils anderen Elternteil oder der Polizei zurechtgewiesen werden. Aber um Realismus bemühte Langfilme, die sich subtilerer Techniken bedienen konnten, waren dann doch seltener anzutreffen.
2.) Ich persönlich würde da definitiv Gances "La roue" (1923) den Vorzug geben, wenngleich dieser gelegentlich etwas schwülstiger anmutet.
3.) Anfang der 30er Jahre drehte er mit "Poil de carotte" (1932) eine Tonfilm-Neuverfilmung des zugrundeliegenden Romans.